
Carsten Risse stand jahrelang unter Strom und brannte lichterloh für die große Show auf der Bühne. Doch dann zog das Schicksal die Reißleine und zwang den Mentalisten zu einem radikalen Perspektivwechsel in seinem eigenen Leben.
Stellen wir uns ein Leben vor, das nur aus Applaus und Adrenalin besteht. Carsten Risse lebte und liebte es in vollen Zügen. Als Betriebswirt beherrschte er die Zahlen und als Magier die Illusion. Er raste durch seinen Alltag wie ein Sportwagen ohne Bremsen. Sechzig Stunden Arbeit pro Woche fühlten sich an wie ein ewiger Rausch. Er nannte es Leidenschaft. Doch in Wahrheit war es ein gefährlicher Tanz auf dem Vulkan. Der Körper schickte erste Boten der Erschöpfung. Es kribbelte im Arm, und die Brust fühlte sich an wie in einem zu engen Korsett. Er ignorierte jedes Stoppschild.
Dann kam diese eine Nacht auf der Autobahn bei Kamen. Es war der Moment, der alles veränderte. Bei Tempo 160 explodierte ein Ventil an seinem Wagen. Die perfekte Metapher für seinen eigenen Zustand. Er stand schutzlos im Dunkeln, während die Lastwagen an ihm vorbeidonnerten wie metallene Ungeheuer. In dieser Todesangst begriff er, dass sein eigener Schmierstoff aufgebraucht war. War das der letzte Warnschuss? Es war das Ende einer Selbsttäuschung, die ihn fast das Leben kostete.
Ein radikaler Wendepunkt
Nach dem Knall folgte die Stille. Die Diagnose: Burnout. Ein Wort, das so endgültig klingt wie ein Vorhang, der für immer fällt. Aber Carsten Risse ist ein Mann der Verwandlung. Er nutzte die Zwangspause der Pandemie für eine tiefe Inventur seines Geistes. Er tauschte die großen Requisiten gegen das Wissen über die menschliche Psyche ein. Aus dem Zauberer wurde ein Coach für Stressprävention. „Probleme sind oft nur auf dem Kopf stehende Ziele“, sagt er heute. Mittlerweile hilft er anderen Menschen dabei, ihre eigenen Ventile rechtzeitig zu prüfen.
„Probleme sind oft nur auf dem Kopf stehende Ziele – der Lösung ist das Problem völlig egal.“

Carsten Risse ist Zauberkünstler und Personalcoach aus Warstein
Bevor er 2004 die Zauberkunst für sich entdeckte, startete er Vollgas im Vertrieb durch. Nach dem Burnout 2020 sattelte er um. Heute kombiniert er als zertifizierter Coach Hypnose mit Stressprävention. Inzwischen pendelt er zwischen seinem Heimatort Warstein und den Weltmeeren hin und her. Auf Kreuzfahrtschiffen hält er Vorträge über die Kunst des Innehaltens. Carsten Risse ist kein Mediziner oder Psychologe, aber er spricht die Sprache der Erfahrung. Die Menschen spüren seine Authentizität. Der 49-Jährige zieht keine Kaninchen aus dem Hut, sondern Begeisterung aus erschöpften Gesichtern.
Was suchen wir eigentlich, wenn wir uns im Hamsterrad drehen? „Die meisten Menschen suchen verzweifelt die Pausetaste auf ihrer inneren Fernbedienung.“ Carsten Risse zeigt ihnen, wo dieser Knopf versteckt liegt. Er spricht über Werte und über das Bewusstsein für den eigenen Körper. Er hat das Feuer in sich nicht gelöscht. Er hat vielmehr gelernt, es kontrolliert brennen zu lassen.
Seine Reise führte ihn zu Jahresbeginn wieder über den Atlantik in die Karibik. An Bord sprach er über die Gefahren der Selbstoptimierung. Fehler sind für ihn keine Makel, sondern Beweise für eine lebendige Existenz. „Wer kein Ziel vor Augen hat, wird niemals ankommen“, so sein Credo. Sein Ziel hat er im Sauerland und auf den Ozeanen längst gefunden.
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