
Ein Mammutbaum als Denkmal für einen Bernhardiner
Der Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) zählt zu den größten Lebewesen der Erde. Ursprünglich aus der Sierra Nevada in Kalifornien stammend, erreicht er dort über 90 Meter Höhe und kann mehr als 3.000 Jahre alt werden. Trotz seines beeindruckenden Holzes wird er kaum genutzt – zu spröde für die Säge, zu ehrwürdig zum Fällen.
In Deutschland fühlt sich der Riese erstaunlich wohl, besonders in milden, feuchten Regionen – und auch in Grafschaft. Hier wächst ein Exemplar, gepflanzt 1997 von Detlef Weist. Noch ist er kein Touristenmagnet, aber mit seinen rund 16 Metern schon ein echter Blickfang.
Wie kommt man darauf, einen Mammutbaum zu pflanzen?
„Unser Bernhardiner war gestorben“, erzählt Detlef Weist. „Und ich fand, so ein großer Hund verdient auch einen großen Baum.“ Im Urlaub in den USA hatte ihn die Wucht der Riesenmammutbäume beeindruckt. „Unten zehn Meter Durchmesser, riesige Äste – einfach unglaublich! Ich fand die Baumart toll und wollte so einen auch haben.“
Die Idee ließ ihn nicht mehr los – am liebsten wollte er ein Baumhaus hineinbauen. „Ich wollte die Krone kappen und drumherum neue Äste wachsen lassen, so dass man durch kleine Gucklöcher schauen kann. Gesehen habe ich das in den USA. Das werden wir wohl nicht mehr so umsetzen, aber er ist ja auch so schön.“
Doch der Weg zum richtigen Baum war nicht ganz einfach. „Die Baumschule sagte erst, das würde schwierig. Dann kam ein Bäumchen, das sich auch Mammutbaum nannte, aber keiner war. Den habe ich wieder ausgegraben. Ich wollte schließlich einen echten!“
Schließlich kam er – etwa einen Meter hoch – und legte sofort los: in der Anfangszeit rund ein Meter Wachstum pro Jahr. Heute ist der Mammutbaum schon von weitem sichtbar. Seine dicke, rötlich-braune Rinde fühlt sich fast warm und weich an. „Wie dicker Filz“, denkt Detlef Weist laut. Klettern lohnt sich nicht – die Äste sind bei jungen Bäumen elastisch wie Gummistäbe.
Pflege braucht der Gigant kaum. Ab und zu etwas Efeu entfernen – das war’s. Selbst ein Abwasserkanal, der Jahre später direkt neben ihm gebaut wurde, konnte ihm nichts anhaben.

Und wie sieht die Zukunft aus?
„Ewig kann er hier nicht stehen bleiben. Irgendwann wird er zu groß und würde über die Grundstücksgrenze wachsen. Das wollen wir natürlich vermeiden“, ist das Fazit der Familie Weist.
Aber bis dahin wird noch viel Zeit vergehen – Jahrhunderte vielleicht. Und solange können Vögel und Eichhörnchen den Blick über das Grafschafter Tal genießen. Der Mammutbaum bleibt, was er immer sein sollte: ein lebendiges Denkmal für Anke, den Bernhardiner – und ein Stück Kalifornien mitten im Sauerland.


