Der Arnsberger Eichholzfriedhof wird aufgeschlagenes Buch der Stadtgeschichte

Arnsberger Eichholzfriedhof

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kaufte die Gemeinde Arnsberg ein 2.400 Quadratmeter großes Grundstück im Eichholz südlich vor der Stadt, um Ersatz für den überbelegten städtischen Friedhof vor der Klosterkirche zu schaffen. Als 1808 auf dem „Todtenhof“ genannten, späteren Eichholzfriedhof die ersten Beerdigungen stattfanden, zeigten sich gravierende Missstände durch Verwahrlosung. Dort weidende Kühe hätten Grabhügel aufgewühlt und Anwohner sich über Leichengeruch beklagt. Weil anfangs eine Zufahrt von der Stadt aus fehlte, mussten die Angehörigen ihre Verstorbenen über kaum begehbare Wege zu ihrer letzten Ruhestätte tragen.

In der Zeit der preußischen Regierung seit 1816 entwickelte sich der Eichholzfriedhof zu einer Begräbnisstätte, die nicht konfessionell und nicht an christliche Überlieferungen gebunden ist. Diese Zeit der Aufklärung im 19. Jahrhundert führte zu rationalem Fortschrittsdenken mit einer frühen Industrialisierung auch in Arnsberg. Auf dem Eichholzfriedhof erinnern noch heute bekannte Namen von Unternehmern und Kaufleuten sowie von Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft an diese Zeit. Sie ruhen in Gräbern unterschiedlichster Ausgestaltung mit allegorischen Stein- und Betonfiguren, Skulpturen, Grabkreuzen aus Stein, Holz und Gusseisen, vielfältig gestalteten Gedenkplatten sowie kunstvollen schmiedeeisernen Grabeinfassungen. Somit ist der Friedhof nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis über 200 Jahre Begräbniskultur, sondern Namen wie Engelbert und Johann Suitbert Seibertz, Karl Féaux de Lacroix, Propst Böhmer, Friedrich von Schenck, Anton Wilhelm Arndts und viele andere stellen auch ein offenes Buch Arnsberger Stadtgeschichte dar.

Ein Ort der Besinnung

Mehrmals musste die Begräbnisstätte erweitert werden, erlitt im Zweiten Weltkrieg Bombenschäden und wurde 1953 aufgehoben. Weil die Rechte an vielen Gräbern abliefen oder diese aufgelassen wurden, nagte der Zahn der Zeit verstärkt an dieser Stätte. Die Grabdenkmäler waren der Verwitterung und dem Unkrautbewuchs ausgesetzt, sodass viele verfielen und der Stadt als Eigentümerin zusehends Probleme bei der Pflege und der Verkehrssicherungspflicht bereiteten. Das rief eine Gruppe von Heimatfreunden, vorwiegend im Rentenalter, wach, die einen Verein gründeten, dessen Name auch Programm war: „Erhaltet den Eichholzfriedhof“. Durch ehrenamtliches, tatkräftiges und sachkundiges Handeln in Kooperation mit dem Grünflächenamt richteten sie seit 2012 verwitterte Grabsteine und Grabeinfassungen wieder auf, sanierten beschädigte und sorgten auch für die Neubepflanzung wiederhergestellter Grabstätten. Heute kann man feststellen, dass das Vereinsziel nahezu erreicht ist. Der Eichholzfriedhof präsentiert sich als stadtnaher Park mit abwechslungsreicher Vegetation aus Bäumen, Sträuchern, Rasenflächen und Grabbepflanzungen. Er ist ein Ort der Ruhe und Erholung und angesichts der ehrwürdigen, vielfältigen Grabdenkmäler auch einer der Besinnung und des Gedenkens.

Das wohl kunsthistorisch wertvollste Grabmal mit vielen eingemeißelten Symbolen der Vergänglichkeit


Ein Friedhofsteil dient als Ehrenfriedhof dem Gedenken der Opfer der drei Kriege in Deutschland. Dort setzt das zehn Meter hohe, ehemalige Kreiskriegerdenkmal von 1870/71 adlerbekrönt mit den Schmuckelementen der damaligen Zeit einen deutlichen Akzent. Davor erstrecken sich Gräberfelder mit schlichten Steinkreuzen von Gefallenen aus den beiden Weltkriegen. Ebenso mahnen etliche Gedenktafeln und ein großes goldenes Kreuz an die Schrecken dieser Zeiten. So ist der Eichholzfriedhof gleichzeitig zentrale Gedenkstätte in Arnsberg, die angemessene Würde ausstrahlt.