Das Sauerland dreht auf

Sauerlandrundfahrt 2026

Quelle: WOLL-Verlag

Die erste viertägige Sauerland-Rundfahrt bestätigt die erfolgreiche Entwicklung einer ganzen Region

Vier Tage, vier Etappen und mehr als 400 anspruchsvolle Rennkilometer: Mit der Sauerland-Rundfahrt vom 3. bis 6. September 2026 hat sich das Land der tausend Berge eindrucksvoll als Radsportregion präsentiert. Von Brilon über Siedlinghausen, Wenholthausen und Arnsberg bis zum großen Finale am Kahlen Asten wurde deutlich, was in den vergangenen zehn Jahren entstanden ist. Aus einer mutigen Idee hat sich eine Bewegung entwickelt, die Spitzensport, Breitensport, Tourismus und regionales Engagement miteinander verbindet.

Den Auftakt bildete ein 13,5 Kilometer langes Zeitfahren mit Start und Ziel auf dem Briloner Marktplatz. Bereits hier zeigte sich, wie attraktiv Radsport sein kann, wenn er mitten in die Orte gebracht wird. Bei der zweiten Etappe von Brilon nach Siedlinghausen warteten auf 135 Kilometern die ersten größeren sportlichen Herausforderungen. Einen ganz eigenen Charakter hatte anschließend der 122 Kilometer lange Rundkurs mit Start und Ziel in Wenholthausen.

Der Höhepunkt folgte am Sonntag: Die 133 Kilometer lange Königsetappe führte vom Brückenplatz in Alt-Arnsberg durch das Sauerland bis nach Winterberg. Das Ziel lag dort, wo ein großes Rennen im Land der tausend Berge beinahe zwangsläufig enden muss – am Kahlen Asten. Zahlreiche Anstiege, schnelle Abfahrten und ständig wechselnde Rhythmen verlangten den Fahrern auf dem Weg dorthin noch einmal alles ab.

Sauerland-Rundfahrt InterviewQuelle: WOLL-Verlag
Sauerland-Rundfahrt Interview

Die Rundfahrt verband nicht nur mehrere Etappenorte, sondern eine ganze Region. Brilon, Winterberg, Arnsberg, Eslohe und zahlreiche Dörfer entlang der Strecke wurden zur Bühne für den internationalen Radsport. Wo sonst der Alltag das Bild bestimmt, rauschte das Fahrerfeld durch die Straßen. An den Anstiegen erlebten die Zuschauer unmittelbar, welche Kraft und Geschwindigkeit dieser Sport entwickelt.

Schon in den vergangenen Jahren hatten sich Bergwertungen an der Hirschberger Wand, am Arnsberger Schlossberg, am Niederwald bei Meschede und an der Rochuskapelle in Eslohe in kleine Radsportarenen verwandelt. Die viertägige Rundfahrt führte diese Entwicklung konsequent weiter. Sie zeigte, dass im Sauerland nicht nur attraktive Strecken vorhanden sind, sondern auch begeisterungsfähige Zuschauer, engagierte Helfer und verlässliche Partner.

Sauerland-Rundfahrt InterviewQuelle: WOLL-Verlag
Sauerland-Rundfahrt Interview

Eine Rundfahrt für Profis und Hobbyfahrer
Dass Radsport nicht allein den Profis gehört, machte das Jedermannrennen am Schlusstag deutlich. Die Teilnehmer konnten zwischen einer 85 Kilometer langen Strecke von Arnsberg nach Eslohe und der kompletten Distanz bis nach Winterberg wählen. Dabei befuhren sie Abschnitte der Originalstrecke der Königsetappe und erlebten selbst, wie sich die sauerländischen Anstiege in den Beinen anfühlen.

Die Verbindung von internationalem Etappenrennen und Jedermannveranstaltung gehörte zu den besonderen Stärken des Wochenendes. Sie ließ aus Zuschauern aktive Teilnehmer werden und brachte Vereine, Kommunen, Unternehmen und Radsportfreunde zusammen. Genau davon lebt eine solche Rundfahrt: nicht allein von den Fahrern an der Spitze, sondern von den vielen Menschen, die Strecken sichern, Verpflegungsstellen betreuen, Veranstaltungen organisieren oder die Sportler am Straßenrand anfeuern.

Sauerland-Rundfahrt Jermaine ZemkeQuelle: WOLL-Verlag
Sauerland-Rundfahrt: Jermaine Zemke

Die Deutschland Tour als wichtiger Wegbereiter
Welches Potenzial in der Region steckt, hatte bereits die Deutschland Tour 2025 bewiesen. Zwei Etappen rückten das Sauerland in den Mittelpunkt des größten deutschen Etappenrennens. Zunächst führte die Strecke über 189 Kilometer von Herford nach Arnsberg. Am folgenden Tag startete die sportlich besonders anspruchsvolle Etappe in Arnsberg und verlief über rund 176 Kilometer nach Kassel.

Etwa 3.000 Höhenmeter, zahlreiche kurze Rampen und die mehr als 20 Prozent steile Hirschberger Wand machten deutlich: Wer im Sauerland bestehen will, braucht Kraft, Mut und eine gute Renntaktik. Tausende Zuschauer an der Strecke, volle Veranstaltungsbereiche und eindrucksvolle Fernsehbilder bewiesen zugleich, dass die Region auch große internationale Rennen tragen kann.

Die Deutschland Tour war deshalb weit mehr als ein kurzer Besuch des Profizirkus. Sie wurde zum sichtbaren Beleg dafür, dass das Sauerland organisatorisch, landschaftlich und emotional für größere Aufgaben bereit ist. Die viertägige Sauerland-Rundfahrt 2026 hat diese Einschätzung nun bestätigt.

REMBE | rad-net fährt in der Erfolgsspur
Auch wenn die Deutschland Tour 2026 nicht durch das Sauerland führte, war die Region dort unübersehbar vertreten. Das Sauerländer Continental-Team REMBE | rad-net trat gegen zahlreiche Mannschaften der internationalen Spitzenklasse an und setzte ein sportliches Ausrufezeichen. Miguel Heidemann gewann die Bergwertung und brachte das Trikot bis ins Ziel nach Heilbronn. Gegen Fahrer aus der WorldTour eine Sonderwertung zu behaupten, gehört zu den größten Erfolgen der bisherigen Teamgeschichte.

Dieser Triumph kam nicht überraschend. Schon bei der Tour du Rwanda hatte Heidemann 2026 das Bergtrikot gewonnen. Johannes Adamietz belegte dort den zweiten Platz in der Gesamtwertung, während der erst 20-jährige Jermaine Zemke eine Etappe für sich entschied. Im August folgte Zemkes Gesamtsieg bei der französischen Rundfahrt Kreiz Breizh Elites – ebenfalls ein herausragendes Ergebnis für das Sauerländer Team. Sein achter Platz beim Klassiker Rund um Köln und weitere internationale Top-Ten-Platzierungen unterstrichen die erfolgreiche Entwicklung.

Hinzu kamen Erfolge der Frauenmannschaft in der Rad-Bundesliga sowie Medaillen auf der Bahn und bei Deutschen Meisterschaften. REMBE | rad-net ist damit längst mehr als ein Team mit einem Namen aus dem Sauerland. Die Mannschaft steht für ein regional getragenes Modell, das jungen deutschen Fahrern den Weg in den internationalen Radsport ermöglichen soll. Unterstützt von heimischen Unternehmen, Partnern und engagierten Organisatoren hat sich aus dem früheren Team Sauerland ein Rennstall entwickelt, der auch auf internationaler Bühne Beachtung findet.

Von der Idee zur Bewegung
WOLL hat diese Entwicklung von Beginn an begleitet – nicht nur berichtend, sondern auch mit Ideen, Ansporn und einer gehörigen Portion Sauerländer Zuversicht. Bereits 2016 entstand in Eslohe die Vision, ein leistungsfähiges Radsportteam aufzubauen und die Region stärker als Radsportland zu positionieren.

Es folgten Berichte über junge Talente, Auftritte bei der Deutschland Tour, eigene Veranstaltungen und immer wieder die Frage: Warum sollte das Sauerland nicht eines Tages Gastgeber der Tour de France sein? Was vor zehn Jahren beinahe vermessen klang, erscheint heute zumindest nicht mehr völlig unrealistisch.

Die Region hat inzwischen mehrfach bewiesen, dass sie anspruchsvolle Strecken, begeisterte Zuschauer und verlässliche Partner zusammenbringen kann. Die erste viertägige Sauerland-Rundfahrt war der nächste große Schritt. Vielleicht führt eines Tages tatsächlich eine Etappe der Tour de France durch das Land der tausend Berge. Und vielleicht fällt dann sogar im Sauerland der Startschuss zu einem jener Renntage, an denen die gesamte Radsportwelt zuschaut.

Ein Radsportland in jeder Richtung
Die Qualität des Sauerlandes lässt sich allerdings nicht allein am Profisport messen. Rennradfahrer finden mehr als 70 ausgewiesene Touren – von der entspannten Runde bis zur sportlichen Herausforderung mit mehreren tausend Höhenmetern. Mountainbiker nutzen ein weit verzweigtes Wegenetz, moderne Trailcenter und mehrere Bikeparks. Winterberg und Willingen gehören zu den bekanntesten deutschen Adressen für Mountainbike, Downhill und Freeride. Mit dem Green Hill Bikepark in Schmallenberg-Gellinghausen ist ein weiterer attraktiver Treffpunkt hinzugekommen, der abwechslungsreiche Strecken für unterschiedliche Fahrkönner bietet. Der Trailground Brilon ergänzt das Angebot durch naturnahe Trails verschiedener Schwierigkeitsgrade.

Hinzu kommen Gravelrouten über Wald- und Wirtschaftswege, familienfreundliche Radwege in den Tälern und Angebote für Tourenfahrer und E-Biker. RuhrtalRadweg, SauerlandRadring, MöhnetalRadweg, Lenneroute und zahlreiche Strecken entlang der Seen erschließen die Region auch für Menschen, die nicht gegen die Uhr fahren wollen.

Genau diese Vielfalt macht das Sauerland zu einem Radsportland in jeder Richtung: leistungsorientiert und genussvoll, international und heimatverbunden, auf Asphalt ebenso wie auf Schotter oder anspruchsvollen Trails.

Denn große Radsportgeschichten müssen nicht immer in Paris beginnen. Manchmal beginnen sie an einem Tisch in Eslohe und führen über Brilon, Arnsberg und Winterberg hinauf zum Kahlen Asten.