Quelle: Stilwohn
Wer im Sauerland vermietet, kennt die Rechnung: Eine Ferienwohnung in Winterberg
oder am Sorpesee ist an gut hundert Tagen im Jahr belegt, ein privates Gästezimmer
vielleicht an vierzig Nächten. Das Möbel darin steht also die meiste Zeit still –
und muss trotzdem mehr aushalten als das Bett im eigenen Schlafzimmer. Denn es wird
von Menschen benutzt, die es nicht kennen, nicht schonen und nach drei Nächten
wieder abreisen.
Das führt zu Anforderungen, die beim Kauf selten jemand nennt.
Erstens: Das Möbel muss zwei Zustände beherrschen, nicht einen.
Ein Zimmer, das elf Monate im Jahr als Arbeitszimmer, Nähzimmer oder Abstellraum
dient, kann kein Doppelbett vertragen. Eine Polsterliege mit durchgehender
Liegefläche löst das, weil sie tagsüber als Sitzmöbel funktioniert und nachts eine
vollwertige Liegefläche bietet – ohne Umbau, ohne Auszugsmechanik, die nach zwei
Saisons klemmt. Was in der Hotellerie seit Jahrzehnten Standard ist, ist in privaten
Gästezimmern noch die Ausnahme; Liegen für Beherbergungsbetriebe sind genau dafür gebaut.
Zweitens: Die Bettwäsche muss irgendwo hin.
Das ist die Frage, an der die meisten Gästezimmer scheitern. Zwei komplette
Garnituren, Decken für kalte Nächte, ein Reservekissen – im Sauerland kommen Gäste
im Januar wie im Juli, und die Bettwäsche für beide Jahreszeiten muss im Raum
bleiben. Ein Bettkasten unter der gesamten Liegefläche nimmt auf, wofür sonst ein
Schrank gebraucht würde. In einem Fachwerkzimmer mit 14 Quadratmetern ist das kein
Komfortdetail, sondern der Unterschied zwischen „Gästezimmer“ und „Zimmer, in dem
auch mal jemand schläft“. Möbel mit Stauraum unter der Liegefläche sparen den Schrank, den der Grundriss ohnehin nicht hergibt.
Drittens: Die Maße stehen vor der Einrichtung fest.
Sauerländer Altbauten und ausgebaute Dachgeschosse haben zwei Eigenheiten, die jeder
kennt, der schon einmal ein Zimmer unterm Dach möbliert hat: Dachschrägen und
Fensterbänke, die tiefer sitzen, als der Katalog annimmt. Entscheidend ist dann nicht
die Länge des Möbels, sondern seine Höhe an der Wandseite. Eine Liege ohne Kopfteil
passt unter die Schräge, eine mit hohem Kopfteil steht 30 Zentimeter weiter im Raum –
und plötzlich geht die Zimmertür nicht mehr ganz auf. Wer misst, sollte deshalb nicht
nur Länge und Breite notieren, sondern die Höhe der Schräge an der Stelle, an der das
Kopfende stehen soll.
Viertens: Nachbestellen können.
Ein Punkt, der erst nach Jahren auffällt. Wer zwei Zimmer nacheinander einrichtet –
erst das eine, zwei Jahre später das andere –, will denselben Bezugsstoff. Bei
Lagerware ist die Farbe dann meistens ausgelaufen. Bei Fertigung nach Bestellung
bleibt der Stoff verfügbar, dafür dauert die Lieferung länger als der Griff ins
Lager. Das ist ein Tausch, kein Vorteil: Wer kurzfristig einrichtet, fährt mit
Lagerware besser; wer plant, mit Fertigung nach Maß.
Was das für Vermieter im Sauerland praktisch heißt
Die Region vermietet überwiegend kleinteilig: Ferienwohnungen im eigenen Haus,
Pensionen mit einer Handvoll Zimmern, Gästezimmer auf dem Hof. In dieser
Größenordnung gibt es keinen Einrichtungsetat und keinen Einkäufer, sondern eine
Entscheidung, die für zehn Jahre hält. Drei Fragen führen dabei weiter als jeder
Katalogvergleich:
– Was passiert mit dem Zimmer in den Monaten, in denen niemand darin schläft?
– Wo liegt die Bettwäsche, wenn das Zimmer anders genutzt wird?
– Wie hoch darf das Möbel an der Wandseite sein, damit die Schräge nicht stört?
Wer diese drei Antworten hat, kommt mit einer schlichten Polsterliege mit Bettkasten weiter als mit einem Möbel, das im Prospekt größeraussieht.
Zum Autor: Stilwohn ist die deutsche Marke der Rentier Sp. z o.o., eines
Möbelherstellers mit eigener Produktion. Gefertigt wird nach Bestellung in der
gewählten Breite und Bezugsfarbe; geliefert wird versandkostenfrei nach Deutschland.



