Das Bier aus Grevenstein – und was es für Meschede bedeutet

Dr. Volker Kuhl

Quelle: Brauerei C. & A. VELTINS GmbH und Co. KG

Wer Meschede verstehen will, muss hinausfahren. Weg vom Stadtkern, hinein ins Tal nach Grevenstein. Dorthin, wo sich seit Generationen ein Unternehmen entwickelt hat, das weit über das Sauerland hinaus bekannt ist und zugleich fest in seiner Heimat verankert geblieben ist: die Brauerei C. & A. Veltins.

Grevenstein ist nicht einfach ein Ortsteil. Es ist Identität, Herkunft, Haltung. Und genau daraus speist sich die besondere Rolle, die VELTINS heute für die Stadt Meschede und die gesamte Region einnimmt: als Gewerbesteuerzahler, als stabiler Arbeitgeber, als gesellschaftlicher Anker und als Unternehmen, das bewusst den verlässlichen Weg gesucht hat.

Wachstum mit Maß – und mit Haltung
Seit rund fünf Jahrzehnten steht VELTINS für eine Entwicklung, die im deutschen Biermarkt alles andere als selbstverständlich ist: kontinuierliches Wachstum in einem insgesamt rückläufigen Markt. Einen Großteil dieser Zeit hat Dr. Volker Kuhl (61), seit 1995 im Unternehmen und heute Sprecher der Geschäftsführung, aktiv mitgeprägt. „Wir haben jeden Tag unsere Aufgabe, die Brauerei weiterzuentwickeln, stabil zu halten und, wenn es möglich ist, auch im schwierigen Marktumfeld noch Wachstum zu erzielen“, sagt Veltins-Geschäftsführer im Gespräch.

Wachstum allerdings nicht um jeden Preis. Die strategische Ausrichtung des Hauses folgt seit Jahrzehnten einer klaren Linie. Dr. Kuhl: „Wir wollen nicht die Größten sein, sondern ein gesundes Unternehmen bleiben.“ Diese Haltung zieht sich durch alle Entscheidungen – von Investitionen über Produktentwicklung bis hin zur regionalen Präsenz.

Grevenstein als Herz – Meschede als verlässlicher Partner
Formal gehört Grevenstein seit der kommunalen Neugliederung 1975 zur Stadt Meschede. Emotional ist der Ort bis heute eigenständig geblieben. Zahlreiche Beschäftigte stammten aus Grevenstein und den umliegenden Dörfern, viele Familien sind seit Generationen mit der Brauerei verbunden. Gleichzeitig ist die Verbindung zur Stadt Meschede eng und verlässlich gewachsen. In Fragen der Infrastruktur, der Wasserwirtschaft oder bei betrieblichen Erweiterungen beschreibt Dr. Kuhl das Verhältnis als konstruktiv und partnerschaftlich. „Wir haben bei der Stadt Meschede immer ein offenes Wort gefunden, es hat niemals etwas gegeben, was die Entwicklung der Brauerei behindert hat.“

Heimat als unternehmerische Strategie
„Bier braucht Heimat.“ Dieser Satz ist bei VELTINS keine Werbebotschaft, sondern ein strategischer Grundsatz. Während andere Brauereien früh den internationalen Markt suchten, blieb VELTINS bewusst regional verankert. Dr. Kuhl: „Uns ist jedes Schützenfest hier im Sauerland, das 40 oder 50 Hektoliter macht, wichtiger als ein 40-Fuß-Container Bier für den Export.“ VELTINS versteht sich als Heimatunternehmen – mit klarer Verantwortung für Region, Menschen und Traditionen. Dieses Selbstverständnis prägt auch die Kommunikation der Marke. „Wir sehen uns als Heimatunternehmen. Wir kommen von hier, wir sind hier beheimatet und wir legen größten Wert darauf, hier präsent zu sein.“

Erfolg durch Kontinuität und Bauchgefühl
Der Aufstieg der Sauerländer Brauereien, der Wandel vom Exportbier zum Pils, die bewusste Positionierung als Premiummarke – all das wurde früh erkannt. Nicht allein durch Marktforschung, sondern durch Erfahrung und Gespür. „Bier ist ein emotionales Produkt. Dauerhaft erfolgreiche Entscheidungen trifft man nur, wenn man auch ein Bauchgefühl für den Markt entwickelt.“ Diese Kontinuität in der Führung und im Denken sieht Dr. Kuhl als entscheidenden Erfolgsfaktor. „Wenn Sie ständig die Menschen austauschen, Entscheidungen treffen, dann fehlt irgendwann das Gefühl für Markt, Region und Marke.“

Arbeitgeber mit Verantwortung
VELTINS ist einer der wichtigsten Arbeitgeber im Raum Meschede. Trotz veränderter Rahmenbedingungen gilt die Brauerei als attraktiver Betrieb – sowohl für Fachkräfte als auch für Auszubildende. „Wir haben nach wie vor eine gute Ausgangsbasis als Arbeitgeber“, betont der VELTINS-Geschäftsführer, „auch wenn sich der Ausbildungsmarkt deutlich verändert hat.“ Dabei geht es längst nicht mehr nur um den Arbeitsplatz selbst, sondern um das Gesamtumfeld. „Heute muss vieles zusammenspielen: Arbeitsbedingungen, Umfeld, Entwicklungsmöglichkeiten – das ist anders als früher.“

Blick nach vorn – mit Bodenhaftung
Auch der Blick in die Zukunft bleibt bei VELTINS bewusst realistisch und optimistisch zugleich. Die Eigentümerfamilie denkt generationenübergreifend, nicht in Quartalszahlen. Es ist nicht die erklärte Zielsetzung, maximalen Profit zu machen, sondern das Unternehmen stabil und gesund an die nächste Generation zu übergeben. Dabei wird auch die enge Verbindung zwischen Stadt und Unternehmen künftig eine tragende Rolle spielen. „Geht es der Brauerei gut, geht es der Stadt auch ein Stück besser“, ist Dr. Kuhl überzeugt.

Ein Stück Meschede – aus Grevenstein heraus
VELTINS ist ein Unternehmen aus Grevenstein. Aber es ist zugleich ein Unternehmen für Meschede: wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell. In einer Zeit des Wandels steht die Brauerei exemplarisch für einen Weg, der aus der Region heraus denkt und genau darin seine Stärke findet. Oder anders gesagt: Wer Meschede porträtiert, kommt an Grevenstein nicht vorbei. Und wer Grevenstein versteht, versteht ein Stück Sauerland.

Brauerei C. & A. VELTINS GmbH und Co. KG – 59872 Meschede-Grevenstein – www.veltins.de

Gründung: 1824
Mitarbeiter: 754 (2025)
Umsatz: ca. 460 Mio. € (2025)
Jahresausstoß: ca. 3,37 Mio. Hektoliter Bier und bierbasierte Getränke (2025) Nationaler Marktanteil (gesamt): ~6,6 % (2025)
Marktanteil NRW (Pils): ~14,1 % – Platz 2 im nordrhein-westfälischen Biermarkt
Sortenspezifische Positionen: Veltins Pilsener: ~2,32 Mio. hl (~2/3 des Gesamtvolumens), Hellbier „Pülleken“: +13,6 % Absatzwachstum (2025), Alkoholfreie Produkte: +10,4 % in Menge (2025)