
Schutzmaßnahmen gegen die Schweinepest im Sauerland
Morgens um halb sieben zwischen Schanze und Schmallenberg ziehen Nebelschwaden über die Wiesen des Rothaargebirges, irgendwo knattert ein Traktor über einen Feldweg. Auf den ersten Blick wirkt im Schmallenberger Sauerland alles wie immer: Wälder, Weiden, Wanderwege und die Ruhe der Mittelgebirgslandschaft. Und doch ist etwas neu. Entlang vieler Wege ziehen sich inzwischen Wildschutzzäune durch die Landschaft.
Für manche Wanderer sind sie ungewohnt. Für Landwirte, Jäger und Behörden sind sie jedoch ein Zeichen von Verantwortung.

Warum ein Zaun?
Die Zäune wurden errichtet, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest ASP einzudämmen. Die Tierseuche ist für Menschen ungefährlich, stellt für Haus- und Wildschweine jedoch eine erhebliche Bedrohung dar. Es geht dabei nicht darum, Angst zu verbreiten, sondern Verantwortung für Kulturlandschaften auch außerhalb des Sauerlandes zu übernehmen. Ohne Gegenmaßnahmen könnte sich die Schweinepest ungehindert vom Sauerland über Westfalen hinaus ausbreiten. Ziel ist es, ein Übergreifen des Virus auf die großen Schweinezuchtregionen zu verhindern. Gelangt der Erreger dorthin, drohen Massenkeulungen von Hausschweinen sowie internationale Exportverbote für deutsches Schweinefleisch.
Wie hoch sind die Kosten?
Die Gesamtkosten für den Zaunbau trägt das Land Nordrhein-Westfalen. Pro Kilometer Zaun entstehen Kosten von rund 16.000 Euro. Der neue Schutzzaun mit einer Länge von etwa 300 Kilometern verursacht damit Gesamtkosten von knapp fünf Millionen Euro.
Die Maßnahmen zum Zaunbau zeigen, wie schwierig es ist, alle Beteiligten zu berücksichtigen. Die Zäune verlaufen teilweise direkt an Wanderwegen oder durch beliebte Naherholungsgebiete. Wanderer berichten von umzäunten Ruhebänken, fehlenden Toren und schwer zugänglichen Wegen. Auch Pferdehalter und Hundebesitzer erleben Einschränkungen im Alltag.
Ein Stromschlag für die Schweine?
Besonders diskutiert wird die stromführende Litze im unteren Bereich des Zauns. Teilweise verläuft diese auf der Innenseite, an anderen Stellen auf der Außenseite der Zäune. Auf schmalen Wegen oder in dicht bewachsenen Bereichen ist das nicht immer sofort erkennbar. Spaziergänger und Hunde könnten dadurch unbeabsichtigt mit der Leitung in Berührung kommen und einen Stromschlag erleiden. Viele Bürger wünschen sich hier eine bessere Lösung.
Auch die Waldwege leiden mancherorts unter den Arbeiten. Fahrzeuge für den Zaunbau und die oft täglichen Kontrollen hinterlassen besonders bei Regen tiefe Spurrillen und matschige Wege. Für den Tourismus ist das eine zusätzliche Herausforderung in einer Region, die stark vom Naturerlebnis lebt.
Trotz aller Diskussionen überwiegt bei vielen Beteiligten ein Gedanke: Vorsorge ist besser als eine weitere deutschlandweite Krise. Sollte sich die Afrikanische Schweinepest dauerhaft ausbreiten, wären die Folgen für Landwirtschaft, Tierhaltung und zahlreiche Betriebe deutlich gravierender.
Der Wildschutzzaun ist deshalb weit mehr als nur Draht und Pfähle. Er steht sinnbildlich für den Versuch, Heimat und Landwirtschaft zu bewahren, mit Pragmatismus und Zusammenarbeit. Am unbeschwerten Naturerlebnis muss noch gearbeitet werden.


