Da biste platt!

Plattdeutsch

Quelle: Markus Denker: Das monsterländische Platt

Viele plattdeutsche Wörter zeigen eine engere Verwandtschaft mit Niederländisch und Englisch als mit dem Hochdeutschen. Ist das Zufall? Nein!

Warum klingen Platt, Niederländisch und Englisch manchmal so, als hätten sie im selben Sprachkurs gesessen? Wer Sätze wie das plattdeutsche „Dat is mien peper“ mit dem niederländischen „Dat is mijn peper“ und dem englischen „That is my pepper“ vergleicht, merkt schnell: Das kann kein Zufall sein.

Die Gründe für die Ähnlichkeit liegen tief in der Sprachgeschichte. Zunächst einmal haben alle drei Sprachen einen gemeinsamen Vorfahren: den westgermanischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Aus ihm entwickelten sich später unterschiedliche, aber eng verwandte Sprachen. Und als germanische Stämme wie Angeln und Sachsen im 5. Jahrhundert nach England übersiedelten, brachten sie ihre Sprache dorthin mit. Daraus entwickelte sich das Altenglische.

Zweite Lautverschiebung
Die enge sprachliche Verwandtschaft von Platt, Niederländisch und Englisch hat außerdem viel mit der zweiten Lautverschiebung zu tun. Sie erfasste von etwa 600 bis 800 n. Chr. den Süden des westgermanischen Sprachgebietes und breitete sich im Laufe der Zeit Richtung Norden aus. In diesem Lautwandelprozess veränderten sich einige Konsonanten – die hochdeutsche Sprache entstand.

Wichtige Veränderungen sind: 

–  p wird zu pf, f oder ff: z.B. Pfeffer, schlafen

– t  wird zu z, ss, s oder ß: z.B. Zeit, Wasser

– k wird zu ch: z.B. machen

– d wird zu t: z.B. Tag

Zwar gibt es im Plattdeutschen je nach Region verschiedene Zungenschläge, doch grundsätzlich hat es die Lautverschiebung nicht mitgemacht. Auch das Niederländische und Englische nicht.

Deshalb heißt es auf Platt weiterhin: „Peper“, „slapen, „Tiet“, „Water“, „maken“ und „Dag“.
Im Niederländischen finden wir „peper“, „slapen“, „tijd“, „water“, „maken“ und „dag“
und im Englischen „pepper“, „sleep“, „time“, „water“, „make“ und „day“. 
Ganz klar: Plattdeutsch, Niederländisch und Englisch liegen hier deutlich näher beieinander als Hochdeutsch.

Die Grenze zwischen den Gebieten, die die zweite Lautverschiebung mitgemacht haben, lässt sich gut ausmachen: Sie verläuft quer durch Deutschland entlang der sogenannten Benrather Linie, die sich von Aaachen über Düsseldorf-Benrath bis Frankfurt/Oder zieht. Alle Dialekte südlich dieser gedachten Linie sind hochdeutsche Dialekte. Alle, die oberhalb dieser Linie gesprochen werden, nennen wir Plattdeutsch.

Einfluss der Hanse

Darüber hinaus trug auch die Hanse dazu bei, plattdeutsche Ausdrücke in anderen Sprachen zu verankern. Denn über Jahrhunderte war Platt die Handelsprache im Nord- und Ostseeraum. Bis ins 16. Jahrhundert wurden in ihr Urkunden, Verträge und Rechnungen verfasst, die Sprache in Räten und Kontoren gesprochen. Nach dem Untergang der Hanse verlor Plattdeutsch jedoch immer mehr an Bedeutung.

Natürlich gingen Platt, Niederländisch und Englisch im Laufe der Zeit eigene Wege.Trotzdem hört man bis heute die gemeinsamen Wurzeln heraus. Wer also beim Niederländischen ein bisschen mitkommt oder im Plattdeutschen englische Wörter wiedererkennt, erlebt Sprachgeschichte live. Und merkt zugleich, wie eng Europa auch sprachlich miteinander verwoben ist.