
Wer zieht im Hintergrund beim Sauerland-Herbst die Fäden?
Vanessa Wahle (33) aus Winterberg und Steffen Malessa (36) aus Olsberg sind beim Hochsauerlandkreis im Fachdienst Kultur/Musikschule für Organisation und Ablauf des BRASS-Festivals „Sauerland-Herbst“ verantwortlich. Wir haben die beiden jungen Sauerländer gefragt, was die Besucher beim diesjährigen „Sauerland-Herbst“ erwartet und welchen persönlichen Bezug sie zur Brassmusik oder zur Blasmusik haben.
Vom 3. bis 30. Oktober 2025 steht das Sauerland wieder ganz im Zeichen der Brassmusik. Zum 26. Mal findet der Sauerland-Herbst, eines der größten Brass-Festivals Europas, statt – mit internationalen Stars, regionalen Ensembles, ungewöhnlichen Konzertorten und einem Programm, das die Vielfalt der Blasmusik in all ihren Facetten zeigt.
„Unser Highlight ist wie immer Thomas Gansch“, verrät Vanessa Wahle vom Hochsauerlandkreis, die gemeinsam mit Steffen Malessa das Festival organisiert. „Er hat ein Orchester der Superlative zusammengestellt und sich aus allen großen Ensembles die besten Musiker ausgesucht.“ Das Konzert ist längst ausverkauft, doch das Programm bietet viele weitere Höhepunkte – von Geheimtipps bis zu großen Namen der internationalen Szene.
Festival der Vielfalt
Was den Sauerland-Herbst besonders macht? „Es ist vor allem die Bandbreite an Spielorten“, erklärt Malessa. „Wir sind mit unseren mittlerweile 20 Konzerten im ganzen Kreisgebiet vertreten – in Kirchen, Schützenhallen, Unternehmen und manchmal sogar an ganz außergewöhnlichen Orten. Irgendwann hatten wir sogar ein Konzert im Schwimmbad.“ Genau diese Mischung aus hochkarätiger Musik und authentischen Räumen macht den Charme des Festivals aus.
Neben den großen Stars spielen auch heimische Orchester eine wichtige Rolle. „Das ist ja das Schöne: Wir bringen Amateurmusik und Profimusiker zusammen“, betont Wahle. „Ich darf zum Beispiel mit meinem Orchester, den Sauerland Winds, gemeinsam mit dem Solisten Lito Fontana auftreten. Das ist für uns eine riesige Ehre.“
Auch Jugendorchester erhalten eine Bühne: Bei mehreren Konzerten gestalten sie das Vorprogramm, wodurch schon früh Verbindungen zwischen Nachwuchs und Profis entstehen.
Internationale Stars – hautnah im Sauerland
In diesem Jahr treten Ensembles wie Spanish Brass gleich an zwei Konzertorten auf und bringen mediterranes Flair ins Sauerland. Humorvoll und originell präsentiert sich Da Blechhauf’n am 24. Oktober, während die German Open am 18. Oktober acht Brassbands aus ganz Europa nach britischem Vorbild in den Wettbewerb schicken. „Das ist immer ein besonderes Erlebnis, diese Masse an Musikerinnen und Musikern auf der Bühne zu erleben“, schwärmt Wahle.
Ein unvergesslicher Abschluss erwartet die Besucher in Hallenberg: Dort verwandelt die Kapelle So & So die Schützenhalle in das „größte Wirtshaus im Sauerland“. „Sie schaffen es, Wirtshausmusik konzertant auf die Bühne zu bringen – ein Abend voller Energie und Atmosphäre“, so Malessa.
Persönliche Begeisterung und Organisation im Hintergrund
Für Vanessa Wahle ist die Arbeit am Festival auch eine Herzensangelegenheit: „Ich bin seit 24 Jahren Musikerin, eigentlich Holzbläserin, und finde es faszinierend, welche Emotionen Brassmusik transportieren kann. Das jetzt mit internationalen Stars auf kleinen Bühnen im Sauerland zu erleben, ist für mich etwas ganz Besonderes.“
Malessa hingegen kommt ursprünglich aus dem Eventbereich.
„Ich habe keinen direkten Hintergrund in der Blasmusik, aber ich liebe es, dieses Festival zu begleiten. Vor allem die Vielfalt der Spielstätten und die enge Zusammenarbeit mit den Ensembles faszinieren mich.“
Hinter den Kulissen bedeutet der Sauerland-Herbst monatelange Planung. „Wir befinden uns eigentlich das ganze Jahr über in der Vorbereitung“, erklärt Malessa. „2026 ist schon fast durchgeplant, und an 2027 arbeiten wir bereits.“ Der Moment, wenn am 3. Oktober der erste Ton erklingt, sei immer wieder bewegend: „Da fällt die Anspannung ab und wir wissen: Es hat sich gelohnt.“
Verwurzelt im Sauerland
Dass das Festival hier so erfolgreich ist, liegt auch an der starken Musiktradition im Sauerland. „Die Dichte an Musikvereinen ist hier enorm“, sagt Wahle. „Es gibt ein riesiges Netzwerk aus Volksmusikerbund, Musikschule und unzähligen Vereinen. Das macht die Region besonders.“
Workshops und pädagogische Angebote gehören deshalb fest zum Festivalprogramm: Von Kinderkonzerten über musikpädagogische Schulprojekte bis zu intensiven Workshops mit internationalen Dozenten. „So geben wir etwas an die Region zurück und stärken die Brassszene vor Ort“, betont Wahle.
Ein kulturelles Leuchtturmprojekt
Nach 26 Jahren ist der Sauerland-Herbst längst mehr als ein Festival. „Die Idee von Georg Scheuerlein, der das Festival initiiert hat, war, Blasmusik im Sauerland auf höchstem Niveau zu verankern. Ich denke, das ist gelungen“, sagt Malessa. „Heute gilt der Sauerland-Herbst als kulturelles Leuchtturmprojekt der Region.“
Und wie würden die beiden das Sauerland und seine Beziehung zur Musik in drei Worten beschreiben? Wahle lacht: „Offen, vielfältig und treu.“ Offen für neue Formate, vielfältig in Musik und Spielstätten – und treu, weil viele Besucher seit der ersten Stunde dabei sind.
Wenn im Oktober 2025 wieder tausende Besucher zu den Konzerten strömen, wenn internationale Stars mit lokalen Orchestern musizieren und wenn Schützenhallen, Kirchen und Säle erklingen, dann zeigt sich: Der Sauerland-Herbst ist mehr als ein Festival. Er ist ein Fest für die Musik, für die Region – und für alle, die Brassmusik lieben.



