
Tradition und Herkunft: Grundlage für die Zukunft
1250 Jahre Westfalen – dieses Jubiläum bot den Anlass für ein außergewöhnliches Opernprojekt. Mit „WIDUKIND“ widmen sich die Autorin und Regisseurin Birgit Kronshage (Text) und der Komponist Thomas Lutz (Musik) der legendären Gestalt des Sachsenherzogs, Gegenspieler Karls des Großen. Am Freitag, 5. September, gastierte die 2022 in Enger uraufgeführte Westfalen-Oper in der Stadthalle Schmallenberg – nach Höxter erst der zweite Aufführungsort.
Oper als Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart
Die Inszenierung will ein Kapitel europäischer Geschichte zwischen Machtpolitik und persönlichem Zweifel in die Gegenwart holen. Widukind wird nicht als heroischer Kämpfer, sondern als zweifelnder Mensch gezeichnet – einer, der seine Angst vor dem Unbekannten überwindet und damit zum Symbol für Verständigung wird. Den dramaturgischen Höhepunkt bildet der symbolische Handschlag zwischen Karl und Widukind: kein Zeichen der Niederlage, sondern ein humaner Sieg über Gewalt.

Klangwelten zwischen Mittelalter und Moderne
Thomas Lutz beschreibt seine Musik als „Innovation durch Kombination“. Mittelalterliche Melodik, spätromantische Klangflächen, Pop- und Rock-Anklänge, Choralfragmente und elektronische Elemente verschmelzen zu einem zugänglichen Klangbild. Das Detmolder Kammerorchester unter Leitung von Olivia Lee-Gundermann begleitete das über zweistündige Werk mit bemerkenswerter Klangdichte. Arien, Duette und Chorszenen wechselten mit gesprochenen Passagen, die den historischen Kontext erläuterten.

Für szenische Bewegung sorgte die Breakdance-Crew „Last Action Heroes“ aus Bad Oeynhausen – eine originelle Idee, die den Mittelalterstoff mit urbaner Gegenwartskultur verband.
Besetzung mit Reibungspunkten
Für Diskussionen sorgte die Besetzung der Hauptrolle: Mit Yewon Kim verkörperte eine Frau den Sachsenherzog Widukind – wohl eine bewusste Provokation, die nicht alle überzeugte. Trotz glänzendem Auftritt wirkte die Rolle in Kostüm und Interpretation für kritische Zuschauer irritierend. In weiteren Rollen glänzten Benjamin Werth (Karl), George Gamal (Abbio), Carlos Matos (Elimelech), Rita ElAchkar (Geva), Sabine Paßow (Seherin) und Jörn Schümann (Alebrand).

Beifall und Begeisterung
Das Schmallenberger Publikum – über 300 Besucher – belohnte Ensemble und Orchester mit langanhaltendem Applaus und Standing Ovations. Wäre nicht zeitgleich das 500-jährige Jubiläum der Schützenbruderschaft St. Jodokus gefeiert worden, wären sicher noch mehr Gäste in die Stadthalle gekommen.

Veranstalter war die Kulturelle Vereinigung Schmallenberger Sauerland e. V. in Kooperation mit der Stadt Schmallenberg.





