
Elisabeth Vielhaber: Mit Roggenkraft und Sauerländer Herz
Wenn im Sauerland eine Mühle rauscht und der Duft von frisch gebackenem Roggenbrot durch die Täler zieht, dann steckt dahinter oft eine Familie, die ihr Handwerk seit Generationen lebt. In Sundern allerdings trägt diese Tradition neuerdings ein starkes weibliches Gesicht: Elisabeth Vielhaber, offiziell als als Bäckerin des Jahres 2025 ausgezeichnet. Eine Ehrung, die sie selbst zunächst kaum glauben konnte. Ein Anruf am Freitagabend, der eher nach Scherz als nach bundesweiter Anerkennung klang.
Doch die Freude wuchs, und mit ihr der Stolz eines ganzen Teams. Denn Vielhaber versteht den Titel nicht nur als persönlichen Erfolg, sondern als Auszeichnung für alle, die täglich in Backstube, Mühle, Verkauf und Verwaltung ihr Bestes geben. „Es ist eine Bestätigung, dass unser Weg richtig ist“, sagt sie.
Roggen – das Sauerländer Gold
Während andere Trends hinterherlaufen, setzt die junge Unternehmerin auf das, was hier seit Jahrhunderten wächst: Roggen. „Esst Roggenbrot! Das ist das Sauerländer Produkt schlechthin“, sagt sie voller Überzeugung. Nachhaltiger geht es kaum: Bis zu sieben Landwirte aus der Region liefern das Getreide direkt vom Feld in die hauseigene Mühle. Reinigung, Mahlung, Backstube: alles Tür an Tür. Das Sauerland, wie es ehrlicher kaum sein kann.
Dass sie nicht nur Bäckerin, sondern auch Müllerin und Brotsommelière ist, hat dabei Tradition. Vater, Großvater, Urgroßvater, alle beherrschten beide Handwerke. „Ein Schweizer Uhrwerk“ nennt sie die Mühle. Komplex im Detail, bodenständig im Ergebnis. Die Leidenschaft für das Korn zeigte sich auch in ihrer Meisterprüfung – aus ihr entstand die Marke „ROG.ME“, jugendlich, frech, innovativ.
Innovation mit Sauerländer Bodenhaftung
Brot ist für sie kein altes Lied – es ist Zukunft. Und die will gestaltet werden. Ob Roggenkekse, kreative Produkte zu regionalen Anlässen oder Projekte wie das Grundschulprogramm „Emma und Roggelino“, das Kindern den Weg vom Korn bis zum Brötchen erklärt: Vielhaber nimmt ihr Handwerk mit in die nächste Generation. „Wir sind nicht verstaubt, wir sind top aktuell“, sagt sie.
Innovation heißt für sie aber auch: Zuhören. Die besten Ideen kommen oft aus der Mannschaft, oder direkt von den Kunden, wie beim „Bullen-Augen-Berliner“ zur Soester Kirmes. Agil bleiben, schnell reagieren, neugierig bleiben, so stelle sie sich modernes Bäckerhandwerk vor.
Unternehmen als Gemeinschaft
Mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt das Unternehmen inzwischen. Ein mittelständischer Sauerländer Fels in der Brandung. Dass alle sich einbringen können, ist Vielhaber wichtig. Darum entstand gemeinsam ein Leitbild: Vertrauen und Ehrlichkeit, Spaß und Teamgeist, Freundlichkeit und Wertschätzung. Werte, die gelebt werden sollen – in der Backstube, in der Mühle, vor allem aber in den Filialen vor Ort.
Kommunikation ist dabei der Schlüssel. Regelmäßige Gespräche, klare Strukturen, aber auch Raum für Ideen. Die Tür der Chefin steht offen, aber nicht rund um die Uhr. „Ich bin auch nur ein Mensch“, sagt sie, mit der Offenheit, die im Sauerland geschätzt wird. Und dennoch: Wenn abends das Telefon klingelt, weil eine Filiale ein Problem hat, dann ist Familie Vielhaber da. Eben „parat“, wie man hier sagt.
Ausbildung: Zukunft formen
Fünfzehn Auszubildende lernen derzeit in drei Berufen: Bäcker, Fachverkauf und Büromanagement. Wer Engagement zeigt, wird gefördert, bis hin zu Auslandspraktika wie dem vierwöchigen Aufenthalt einer Verkäuferin in Dublin. Vielhaber betont, wie wichtig es ist, jungen Menschen Chancen zu geben. Und rät ihnen, Neues auszuprobieren, herauszufinden, was wirklich Freude macht: „In seinem Element zu sein. Das ist der Schlüssel“.
Fragt man sie nach ihrer Motivation, nennt sie keine Umsätze, keine Filialzahlen. Sondern strahlende Gesichter im Team. Momente, in denen Mitarbeitende merken, dass sie etwas bewegen können. Dann weiß sie: „Die Arbeit lohnt sich.“ Große Pläne macht sie selten. Fünf Jahre schaut sie voraus, nicht zehn. Wichtiger ist ihr, dass das Unternehmen flexibel bleibt, dass Prozesse klarer werden und Mitarbeiter Verantwortung übernehmen können. Befähigen statt bevormunden – das ist ihr Weg.
Vielleicht war es Zeit, dass eine junge Frau diesen Titel ins Sauerland holt. Eine Unternehmerin, die Tradition lebt und Zukunft gestaltet. Und die zeigt, dass Roggen, Teamgeist und ein bisschen Sauerländer Sturheit oft die besten Zutaten sind.
Herzlichen Glückwunsch, Elisabeth Vielhaber – Bäckerin des Jahres 2025.



