Quelle: Jörg Sonneborn
Wer auf dem Rothaarsteig unterwegs ist, taucht ein in eine Landschaft, die wild, ursprünglich und zugleich vertraut wirkt. Dichte Wälder, stille Wege und weite Naturflächen bilden die perfekte Kulisse für eine Begegnung mit den größten Landsäugetieren Europas: den Wisenten.
In der Wisent-Wildnis leben die beeindruckenden Tiere auf einer rund 25 Hektar großen, naturnah gestalteten Fläche mitten im Wald. Hier gibt es keine klassischen Gehege und keine Stallungen. Die Wisente verbringen das ganze Jahr unter freiem Himmel und bewegen sich in einer Umgebung, die ihrer ursprünglichen Lebensweise so nah wie möglich kommt.
Die Anlage entstand einst als Besucherzentrum des Artenschutzprojekts zur Wiederansiedlung der Wisente im Rothaargebirge. Auch wenn der weitere Verlauf des Projekts anders ausfiel als zunächst geplant, hat sich die Wisent-Wildnis seit ihrer Eröffnung im Jahr 2013 längst zu einem besonderen Ausflugsziel entwickelt.
Ein Rundweg führt durch den Wald und bringt Besucher mitten hinein in den Lebensraum der sanften Riesen. Einige Steigungen machen die Strecke zu einem kleinen Naturabenteuer, weshalb festes Schuhwerk und etwas Kondition empfehlenswert sind. Wer aufmerksam unterwegs ist, wird mit großer Wahrscheinlichkeit einen Blick auf die Tiere erhaschen. „Wenn man genügend Zeit mitbringt, dann wird man die Wisente auch sehen“, sagt Jörg Sonneborn. „Bei rund 150 Führungen ist es mir noch nie passiert, dass wir die Tiere nicht entdeckt haben.“
Doch die Wisent-Wildnis ist mehr als nur ein Ort zur Tierbeobachtung. Ein Naturspielplatz, die Waldschule für Schulklassen und Kindergärten sowie zahlreiche Sitzmöglichkeiten machen das Gelände zu einem beliebten Ziel für Familien. Nach herausfordernden Jahren geprägt von Pandemie, Straßensperrungen und den Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest blickt das Team wieder zuversichtlich nach vorn. „Jetzt stehen wir wieder vor einem Neuanfang“, sagt Sonneborn. Sein größter Wunsch: Dass auch in Zukunft viele Besucher den Weg in die Wisent-Wildnis finden und die besondere Atmosphäre dieses Ortes erleben.
Dass die Rothaarsteig-Spur „Wisent-Pfad“ und die Wisent-Wildnis heute so gut angenommen werden, ist nicht zuletzt dem Engagement vieler Ehrenamtlicher zu verdanken. Wegewarte, der Dorfverein Aue-Wingeshausen und der Wisent-Pfad-Stammtisch kümmern sich um die Pflege der Wege, Rastplätze und Veranstaltungen.
Mehr zur Wisent-Wildnis: www.wisent-wildnis.de
Der Hüter des Wisent-Pfads
Seit vielen Jahren setzt sich Jörg Sonneborn dafür ein, Menschen für die Landschaft rund um den Rothaarsteig zu begeistern. Als Wanderführer kennt er die Region wie kaum ein anderer und vermittelt Gästen nicht nur die schönsten Wege, sondern auch die Geschichten dahinter.
Quelle: Jörg SonnebornZu seinen besonderen Angeboten gehören geführte Wanderungen, Touren mit dem Dutch Oven und die beliebte Kulinarische Wanderung, die jedes Jahr zahlreiche Gäste an den Wisent-Pfad lockt. Dabei ist ihm wichtig, die Natur mit regionaler Gastlichkeit zu verbinden und Wandernde auch in die Dörfer rund um den Rothaarsteig zu führen.
Sonneborn engagiert sich außerdem im Wisent-Pfad Stammtisch, einem Kreis Ehrenamtlicher, der sich regelmäßig trifft und Projekte rund um den Weg organisiert. Für ihn lebt ein Wanderweg nicht allein von seiner Landschaft, sondern vor allem von den Menschen, die sich mit Herzblut für ihre Region einsetzen.
Kulinarische Wanderung auf dem Wisent-Pfad
Am 16. August lädt der Dorfverein Aue-Wingeshausen wieder zur Kulinarischen Wanderung ein. Entlang der rund zehn Kilometer langen Strecke sorgen neun Stationen mit regionalen Speisen und Getränken für Genuss unterwegs. Die Teilnahme ist kostenlos, der Einstieg ist an mehreren Punkten möglich. Weitere Informationen: www.aue-wingeshausen.de


