
Mit der Schaufenstergestaltung nahm alles seinen Anfang: In diesem Beruf fand der heute 77-jährige, weithin bekannte Arnsberger Künstler Arno Mester seinen Einstieg und lernte sein Handwerk. Mit viel Fantasie und Kreativität statteten er und seine Kollegen damals die Schaufenster der noch zahlreichen Einzelhandelsgeschäfte aus: Figuren aus Holzleisten, Draht und Pappmaché wurden mit ausgewählten Stoffen bekleidet und inmitten farbenfroher Dekoration zu Blickfängen, die Menschen in die Läden lockten.



Zusammen mit seiner Frau Petra Kaiser, später ebenfalls bekannte Künstlerin, machte sich Arno Mester selbständig und dekorierte bald vorwiegend die großen Autohäuser, die nach der Wende stark in den Osten expandierten. Dabei kam er mit dem damaligen Chef des Arnsberger Autohauses Rosier, Heinz Rosier, in Kontakt. Dem gefielen Arnos Pappmaché-Figuren so sehr, dass er eine für seinen Garten haben wollte. Dazu musste allerdings ein wetterfester Werkstoff gefunden werden: Mit Beton begann Arnos Karriere als gefragter Künstler.
Die Kunst des Modellierens
Seine Figuren entstehen heute auf einer Rohgestalt aus Styropor und stabilisierendem, feinem Maschendraht. Darauf wird eine Betonschicht aufgebracht, um die Form zu modellieren. „Früher habe ich die Rohformen mit Stoffen bekleidet, heute mit Beton“, erklärt der Künstler. Inzwischen fertigt Arno Mester neben Skulpturen für Kunstanlässe vorwiegend Auftragsarbeiten. Auftraggeber lassen ihre Konterfeis gerne lebensecht aus Beton im Garten aufstellen. Damit die Gesichter authentisch wirken, erstellt der Künstler Gipsabdrücke, die als Vorlage für die Vorderseite des Kopfes dienen. Auch detailgetreue Feinheiten wie Hände oder Kleiderfalten entstehen auf diese Weise.
Steht man vor einem solchen Kunstwerk in Lebensgröße, ist man sofort fasziniert von seiner Ausstrahlung und Individualität. Es ist, als habe man einem Menschen aus seinem echten Leben nur einen winzigen Sekundenbruchteil entnommen. Man möchte ihm spontan die Hand reichen und „Guten Tag“ sagen. Auch der Gesichtsausdruck wirkt lebendig – nachdenklich, verträumt, heiter oder teilnahmsvoll. „Wenn ich ihn jetzt etwas frage, antwortet er bestimmt“, denkt man unwillkürlich.
Viele solcher lebensgroßen Porträts existieren heute im privaten und öffentlichen Raum weit über die Region hinaus. 2019 wurden acht von Arno Mesters Betonfiguren 30 Meter tief im Sundhäuser See in Thüringen versenkt, um dort einen Skulpturenpark als Erlebnisraum für Taucher zu schaffen.
Vor einiger Zeit begegnete der Künstler in Neheim Jo Bausch, bekannt als Tatort-Arzt aus Köln, und fragte ihn, ob er ihn modellieren dürfe. Bausch stimmte spontan zu, und sein Konterfei schmückt heute die Zufahrt zu Mesters Atelier. Auch in den wundervollen Kunstsommern, die Dr. Jürgen Richter Mitte der 90er Jahre ins Leben rief, waren Beiträge von Arno Mester zu sehen. So stand seine Henri-Figur, Klavier spielend, mitten in der Ruhr.
Richter organisierte auch die Arnsberger Phantasiewerkstatt, aus der die Betonkurse hervorgingen, die Arno Mester seit Jahren zweimal im Monat mit großem Zuspruch anbietet. An ein Rentnerdasein denkt der 77-Jährige nicht – dazu steckt noch immer viel zu viel Kreativität in ihm.



