Arbeiten, wo andere wandern

Wer auf dem Rothaarsteig unterwegs ist, nimmt meist zuerst die Aussicht, die gut ausgebauten Wege oder die Bank am richtigen Platz für eine Pause wahr. Dass diese Infrastruktur zuverlässig funktioniert, ist das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit im Hintergrund. Für den nördlichen Abschnitt des Rothaarsteigs ist unter anderem die Landschaftspflegeabteilung der Caritaswerkstätten St. Martin in Brilon im Einsatz, die von Moritz Büsing geleitet wird. Sein Team kümmert sich um Bänke und Schutzhütten, stellt Wege nach Sturm- und Forstarbeiten wieder her und kontrolliert regelmäßig die Einrichtungen entlang des Weges.

In der Werkstatt arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen zusammen, darunter Menschen mit geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen sowie Teilnehmer von Arbeitserprobungen. Für Büsing steht dabei nicht nur das Ergebnis im Mittelpunkt, sondern auch die Erfahrung, mit der eigenen Arbeit etwas zu bewirken. „Wir versuchen, Arbeit so zu gestalten, dass sie positiv besetzt ist, dass ich das, was ich über den Tag schaffe oder mache, als etwas Positives erlebe“, sagt er. Die Teams arbeiten mitten in der Natur und begegnen regelmäßig Wanderinnen und Wanderern, die sich bedanken oder das Gespräch suchen. „In dem Moment bekommen wir häufig positives Feedback, und das finde ich total wichtig, dass die Menschen Arbeit als etwas kennenlernen, wo sie positiv wirken können“, erklärt Büsing. „Wer sein Schaffen als positiv erlebt, kann daran wachsen und sich neue Horizonte erarbeiten.“ Ein Ziel: Vielleicht irgendwann den Schritt in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu schaffen.

Von der Bank bis zur Loipe
Die Aufgaben führen das Team an viele besondere Orte. Auf dem Ginsterkopf wurden zuletzt Bänke neu verankert, wofür sogar im Fels gearbeitet werden musste. „Das sind besondere Arbeiten, die richtig Spaß machen, weil es nicht nur eine spannende Aufgabe ist, sondern man dort oben auch einen unfassbar schönen Ausblick über das Sauerland und die Bruchhauser Steine hat.“

Auch außerhalb der Wandersaison bleibt das Team aktiv. Im Winter werden Loipen vorbereitet, Beschilderungen erneuert, Winterwanderwege freigehalten und verschiedene Forstarbeiten übernommen. Dabei spielt die Arbeit in der Natur eine besondere Rolle, denn die Beschäftigten erleben direkt, wofür ihr Einsatz gebraucht wird. Dass die Anleiter dabei nicht nur organisieren, sondern selbst mitarbeiten, gehört selbstverständlich dazu: „Wir sagen nicht: „Macht ihr mal!“, sondern gehen voran, egal wie ungemütlich das Wetter auch mal sein mag.“

Seit fast zehn Jahren leitet der gelernte Gartenbautechniker die Landschaftspflegeabteilung der Caritaswerkstätten St. Martin in Brilon. Den Wechsel aus dem klassischen Gartenbau in die Werkstattarbeit hat er nie bereut. „Man ist hier stärker auf den Menschen fokussiert.“ Für ihn ist genau das entscheidend: Menschen eine Aufgabe zu geben, bei der sie ihre Fähigkeiten zeigen und sehen können, was sie gemeinsam geschaffen haben.