Quelle: Annette Etges/Wald und Holz NRW
Und warum wir jetzt besonders auf unsere Wälder achtgeben müssen
Wer davon Erleichterung sucht, den zieht es oft in die wohltuende Kühle des Waldes. Im Schatten der Bäume aufatmen, die Hitze hinter sich lassen – besonders für Menschen, die in urbanen Räumen leben, wird der Wald im Sommer zu einem beliebten Ausflugsziel. Doch wie genau funktioniert die natürliche Klimaanlage Wald?
Kühlungseffekt des Waldes auch in nahen Städten zu spüren
Der Kühlungseffekt des Waldes ist nicht nur unmittelbar im Wald zu spüren. Er zeigt sich bereits in Waldnähe und wirkt sogar über größere Entfernungen. Auch nahe gelegene Städte profitieren von den positiven Effekten der Wälder.
Wissenschaftler sprechen bei stark aufgeheizten Siedlungsräumen von „Hitzeinseln“. Selbst nachts kühlt die Luft dort oft nicht mehr ausreichend ab. Es bleibt heiß in Straßen und Gebäuden. Der Wald erscheint vielen dann als kühlende Oase inmitten der Sommerhitze.
Zwischen aufgeheizten Städten und den umliegenden Wäldern entsteht eine Luftzirkulation, durch die kühlere Waldluft bis in die Nacht hinein in die Innenstädte strömt. Jeder stadtnahe Wald wird so zu einer natürlichen Klimaanlage für uns Menschen und somit die gesamte Gesellschaft. Der Aachener Stadtwald produziert beispielsweise rund 30 Prozent des Kaltluftvolumens der Stadt Aachen.
Bäume besonders wichtig für den Kühlungseffekt
Wälder speichern Wasser und stabilisieren damit den Wasserkreislauf. Gleichzeitig reflektieren die Baumkronen einen Teil der Sonneneinstrahlung. Bäume verdunsten während der Vegetationsperiode große Mengen Wasser. Dieser als Evapotranspiration bezeichnete Prozess sorgt für zusätzliche Kühlung.
„Die Bäume schützen damit sich selbst, da auch sie bei großer Hitzeeinwirkung stark geschädigt werden können“, erklärt Dr. Christin Carl, Leiterin des Teams Wald- und Klimaschutz. „Gleichzeitig kühlen sie ihre Umgebung und leisten einen wichtigen Beitrag zum lokalen Klima,“ ergänzt Thomas Wälter, Leiter des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft bei Wald und Holz NRW.
„Durch die Speicherfunktion der Wälder können diese auch in längeren Trockenphasen noch Feuchtigkeit abgeben. Ein Grund mehr, warum es so wichtig ist, dem Wasserhaushalt der Wälder besondere Beachtung zu schenken. Unsere Försterinnen und Förster tun das beispielsweise, indem sie alte Entwässerungsgräben behutsam verschließen oder Waldmoore renaturieren“, so Wälter.
Temperaturunterschiede von mehreren Grad Celsius
Die Temperaturunterschiede zwischen Wald und Stadt können mehrere Grad Celsius betragen. In Extremfällen wurden Unterschiede von bis zu zehn Grad gemessen. Besonders stark ist der Kühlungseffekt in vitalen und intakten Mischwäldern.
Wälder wirken damit regulierend auf lokale und regionale Klimamuster. Wasserspeicherung, Verdunstung und Schattenwirkung verbessern das Klima insbesondere in Siedlungsräumen und Agrarlandschaften.
Das Ziel von Wald und Holz NRW, die Wälder des Landes zu klimastabilen Mischwäldern weiterzuentwickeln, schützt daher nicht nur vor den Folgen des Klimawandels und vor Schädlingen. Es trägt auch dazu bei, die Auswirkungen sommerlicher Hitze für die Menschen in Nordrhein-Westfalen abzumildern.
Wald als Erholungsort – bitte verantwortungsvoll genießen
Damit der Wald auch während der bevorstehenden Hitzeperiode ein sicherer Erholungsort bleibt, bittet Wald und Holz NRW zugleich um besondere Vorsicht im Umgang mit ihm.
So verlockend ein Grillabend im Grünen auch sein mag: Auf Grillen, Lagerfeuer und anderes offenes Feuer sollte im und am Wald konsequent verzichtet werden. Stattdessen lässt sich die Natur bei einem Spaziergang, einer Wanderung oder einer Fahrradtour wunderbar genießen. Offenes Feuer ist im Wald sowie in einem Abstand von weniger als 100 Metern zum Wald verboten. Dies gilt auch für die immer beliebter werdenden Einweggrills, von denen aufgrund ihrer hohen Hitzeentwicklung eine erhebliche Brandgefahr ausgehen kann.
Auch Rauchen stellt ein Risiko dar. Glimmende Zigarettenkippen verursachen immer wieder Waldbrände. Deshalb gilt im Wald vom 1. März bis zum 31. Oktober ein gesetzliches Rauchverbot. Rettungswege und Waldzufahrten müssen zudem jederzeit freigehalten werden.
Weniger bekannt ist, dass auch Fahrzeuge Waldbrände auslösen können. Heiße Auspuffanlagen oder Katalysatoren können trockenes Gras, Laub oder abgestorbene Äste entzünden. Fahrzeuge sollten deshalb ausschließlich auf befestigten Flächen abgestellt werden – nicht im Wald und nicht auf trockenen Randstreifen an Feldern. Wer einen Brand entdeckt, sollte immer sofort die 112 wählen und die Feuerwehr rufen.
Über Wald und Holz NRW
Der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen ist Teil der Landesforstverwaltung. Mit seinen 15 Regionalforstämtern ist Wald und Holz NRW flächendeckend im ganzen Land vertreten. Wald und Holz NRW kümmert sich um die Belange des Waldes, der mit rund 950.000 Hektar 28 Prozent der gesamten Landesfläche ausmacht. Dazu gehören Erhalt und Förderung des Waldes in NRW, Beratung und Betreuung des privaten und kommunalen Waldbesitzes, Bewirtschaftung von 128.000 Hektar landeseigenen Waldflächen sowie Forschung in den Bereichen Wald, Holzverwendung und Klima. Zum Aufgabengebiet zählen außerdem Umweltbildung, Naturschutz und Überwachung der Einhaltung der geltenden Rechtsvorschriften im Wald. Der Landesbetrieb zählt zum nachgeordneten Bereich des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen; zuständige Ministerin ist Silke Gorißen.
Über das Zentrum für Wald und Holzwirtschaft NRW
Das „Zentrum für Wald und Holzwirtschaft“ (ZWH) stärkt Forschung, Fachwissen und Bildung rund um den Wald und die Holzwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Als Teil von Wald und Holz NRW steht das in Arnsberg und an zwei weiteren Standorten angesiedelte ZWH für eine praxisrelevante, angewandte Forschung und den Wissenstransfer im Sinne des vereinbarten Waldpakts 2.0. und der Waldstrategie NRW.



