50 Jahre Schmallenberg im Rückblick und Ausblick

WOLL-Interview mit Bürgermeister Burkhard König

WOLL-Interview mit Bürgermeister Burkhard König

„Ich wünsche mir, dass die Eigenständigkeit der Orte erhalten bleibt und wir als Stadt gemeinsam stark bleiben.“

Als vor 50 Jahren die Stadt Schmallenberg aus den beiden Ämtern Schmallenberg und Fredeburg gebildet wurde, war Burkhard König erst 14 Jahre alt. Nach dem Realschulabschluss begann der Westfelder Junge 1977 eine Ausbildung bei der neuen Stadt Schmallenberg. Nach dem Studium zum Diplomkaufmann kehrte er als Kämmerer zur Stadt Schmallenberg zurück. Als Beigeordneter war er danach neben Bürgermeister Bernhard Halbe der Garant für stets ausgeglichene Finanzen der Stadt Schmallenberg. 2020 trat er für die CDU als Bürgermeisterkandidat an und wurde mit fast 60 Prozent und großem Vorsprung zum Bürgermeister der Stadt Schmallenberg gewählt. 2023 verkündete er frühzeitig, dass er nicht zu einer zweiten Amtsperiode antreten werde. Zum WOLL-Interview haben wir uns mit Burkhard König auf dem Hohen Knochen, oberhalb seines Heimatortes Westfeld getroffen. Von hier hat man einen Rundumblick über die 303 Quadratkilometer große Stadt Schmallenberg. Ein Rückblick auf die ersten 50 Jahre der Stadt und einen hoffnungsvollen Ausblick auf die kommenden 50 Jahre.

WOLL: Herr König, welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Gründung der Großgemeinde Schmallenberg im Jahr 1975 – und welche Bedeutung hatte diese kommunale Neugliederung für Sie als junger Bürger?
König: Ich erinnere mich noch genau an die hitzigen Debatten um den Zusammenschluss der Ämter von Schmallenberg und Fredeburg. Viele Familien – auch meine eigenen Verwandten – waren damals emotional involviert. Rückblickend war die Neugliederung jedoch der entscheidende Schritt vom stark textilgeprägten Traditionsort hin zu einer modernen Stadt mit vielfältigem Gewerbe und lebendigen Dörfern.

WOLL: Mit der „Schmallenberger Woche“ feiert Schmallenberg in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum der Stadt. Was waren für Sie die prägendsten Höhepunkte in den vergangenen Jahren?
König: Besonders beeindruckt haben mich immer die Feste, bei denen ganze Vereine und Unternehmen zusammenkamen – von den Schützenfesten bis zu großen Kulturveranstaltungen in der Stadthalle. Gerade die enge Verzahnung von Wirtschaft, Stadt und Bürgerschaft macht nicht nur die Schmallenberger Woche zu gesellschaftlichen Höhepunkten.

WOLL: Familienunternehmen wie FALKE prägen Schmallenbergs Image. Wie sehr haben sie die Stadtentwicklung beeinflusst?
König: Falke und all die anderen Familienunternehmen sind unverzichtbar. Einst arbeiteten zwei Drittel aller Beschäftigten in der Textil- und Bekleidungsbranche. Heute setzen zahlreiche inhabergeführte Industrie-, Handwerks-, Hotel- und Dienstleistungsbetriebe die Erfolgsgeschichte fort. Diese Vielfalt hat für Vollbeschäftigung und eine stabile Finanzlage gesorgt. Die Basis unserer heutigen Stärke.

WOLL: Sie traten 2020 mit konkreten Zielen an. Welche Akzente konnten Sie setzen?
König: Zukunftsweisend konnten wir neue Wohn- und Gewerbegebiete ausweisen. Ich nenne beispielhaft die Gewerbegebiete „Meisenburg“ und die Erweiterung im Gewerbepark Hochsauerland in Bad Fredeburg. Dazu kommen neue Wohngebiete in der Kernstadt und Bad Fredeburg, aber auch in Dörfern, zum Beispiel Westfeld, Bracht und Dorlar. Zugleich haben wir die Lückenbebauung in 84 Orten ermöglicht, um Dorfstrukturen zu erhalten. Gelungen sind auch viele kleinere Dinge: die Abschaffung der doppelten Straßennamen, der krisenfeste Ausbau der Wasserversorgung mit dem Neubau der Transportleitungen durch das Henne-Rartal und Lennetal, die Entscheidung zur Stärkung unseres Schulstandortes mit dem Neubau des Kubiz, die Unterstützung der ärztlichen Versorgung mit dem städt. Förderprogramm, um nur einige wenige zu nennen. Diese Balance zwischen Wachstum und dörflicher Identität macht mich besonders stolz.

Bürgermeister Burkhard König

WOLL: Bürgernähe und Beteiligung sind Ihnen wichtig. Wo war das spürbar?
König: Vom integrierten Stadtentwicklungskonzept bis zu Themenwanderwegen haben wir den Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern immer gesucht. Inbegriffen waren Info-Runden zu Glasfaser, Wirtschaftswegen und Sportplatz-Sanierungen. Ihr Feedback floss direkt in Entscheidungen ein. Das ist für mich ein unerlässlicher Motor guter Politik.

WOLL: Welche Fortschritte gab es bei Infrastruktur und Digitalisierung?
König: Im Glasfaserausbau haben wir zunächst die schlecht versorgten Außenbereiche erschlossen und werden bis 2027 rund 90 Prozent Abdeckung erreichen. Parallel haben wir 16 Kilometer vormals maroder Wirtschaftswege instandgesetzt. So sichern wir Mobilität und Internet gleichermaßen. Dass ist ein essentieller Standortvorteil.

WOLL: Klimaschutz und erneuerbare Energien sind oft umstritten. Wie ist der Stand bei Windkraft und Photovoltaik?
König: Dank Regionalplan und enger Abstimmung mit Landes- und Bundespolitikern beschränken wir Windenergie auf 1,5 Prozent unserer Fläche. So schaffen wir Planungssicherheit und akzeptable Belastungsgrenzen. Freiflächen-PV und Batteriespeicher stehen als nächste Themen an. Hier müssen wir, wie überall, Wirtschaftlichkeit und Naturschutz sorgfältig abwägen.

WOLL: Sie haben Krisen wie Hochwasser und COVID-19 gemanagt. Welche Learnings ziehen Sie?
König: Notstromaggregate für Rathaus, Feuerwehr und Wasserwerk, Notfallpläne für Lieferketten sowie verstärkte Cybersicherheit waren essenziell. So haben wir Ausfälle minimiert und die Versorgung gesichert. Krisenvorsorge ist kein Luxus, sondern Pflicht jeder Kommunalverwaltung.

WOLL: Wie hat sich der Tourismus gewandelt, und was treibt Sie hier an?
König: Vom einfachen Fremdenzimmer zum modernen Wander- und Erlebnisangebot mit 800.000 Übernachtungen: Wir setzen auf Themenwanderwege, geführte Touren und attraktive Events. Mit dem E-Bike konnte das Schmallenberger Sauerland für eine ganz neue Gruppe erschlossen werden. Die Kooperation von Stadt, Touristikern und Gastgebern ist der Schlüssel, um nachhaltig Gäste zu begeistern.

WOLL: Welches persönliche Fazit ziehen Sie am Ende Ihrer Amtszeit – und wem danken Sie?
König: Ich bin stolz auf den Ausbau von Wohn- und Gewerbeflächen, die Gesundheitsförderung in der Verwaltung und die große Einigkeit im Rat. Mein Dank gilt den Ratsfraktionen, den Kollegen in Verwaltung und Bürgerschaft sowie meiner Frau für den Rückhalt zuhause.

WOLL: Was ist Ihre Abschiedsbotschaft an Ihren Nachfolger?
König: Bleiben Sie im engen Dialog mit allen Orten und Vereinen, fördern Sie Eigeninitiative und halten Sie die Balance zwischen Fortschritt und Tradition. So bleibt Schmallenberg lebendig und stark.

WOLL: 2075 feiert Schmallenberg sein 100-jähriges Bestehen. Wie stellen Sie sich die Stadt dann vor?
König: Ich wünsche mir eine Stadt, in der Ortsidentität und Digitalisierung Hand in Hand gehen, wo KI und neue Mobilitätsformen Alltag sind, ohne dass unsere dörflichen Strukturen und die Vereinsgemeinschaft darunter leiden. Dass wir als lebendige Gemeinschaft gemeinsam Zukunft gestalten, darauf freue ich mich.

WOLL: Was haben Sie sich persönlich für den Ruhestand vorgenommen?
König: Mehr Zeit für Familie, die Pflege unseres Waldes, etwas Zeit für ein bisschen Fentern in meiner kleinen Schreinerwerkstatt und Radfahren. Vielleicht habe ich Zeit, den ein oder anderen Artikel über unsere Heimat zu schreiben. Gesundheit und Muße stehen ganz oben auf meiner Wunschliste.

WOLL: Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Ihnen für die restlichen Tage im Amt des Bürgermeisters der Stadt Schmallenberg und für den Ruhestand alles Gute!