5 Fragen auf der WOLL-Bank mit Rudolf Grobbel vom Schäferhof

Quelle: Klaus-Peter Kappest

Für diese WOLL Extraausgabe „25 Jahre Rothaarsteig“ haben wir Rudolf Grobbel vom Schäferhof auf die WOLL-Bank gesetzt. Er hat von Anfang an die Entwicklung des Rothaarsteiges mit Rat und Tat begleitet.

WOLL: Herr Grobbel, wenn Sie an die Anfänge des Rothaarsteigs vor 25 Jahren zurückdenken, welche Erinnerung kommt Ihnen als Erstes in den Sinn?
Rudolf Grobbel: Die gemeinsame Euphorie. Plötzlich haben Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen an einem gemeinsamen Ziel gearbeitet. Wir wollten das angestaubte Image des Wanderns verändern und zeigen, wie attraktiv unsere Heimat ist. Dieses Miteinander hat unglaublich viel bewegt.

WOLL: Jagdhaus gilt für viele Wanderer als einer der schönsten Orte am Rothaarsteig. Was macht den Ort – und den Schäferhof – so besonders?
Rudolf Grobbel:
Vor allem die Ruhe. Wirkliche Stille ist heute etwas Seltenes geworden. Bei uns hören die Gäste den Wind in den Bäumen, das Rauschen der Blätter oder einfach gar nichts. Viele erzählen morgens beim Frühstück, dass sie seit Jahren nicht mehr bei offenem Fenster so gut geschlafen haben. Genau diese Ruhe macht Jagdhaus so wertvoll – und wir möchten, dass unsere Gäste sie genauso erleben.

WOLL: Wie hat sich das Wandern in den vergangenen 25 Jahren verändert?
Rudolf Grobbel:
Früher wollten viele den gesamten Rothaarsteig schaffen und möglichst viele Kilometer am Tag laufen. Heute nehmen sich die Menschen mehr Zeit. Sie bleiben mehrere Tage an einem Ort, genießen die Landschaft und entdecken die Region viel intensiver. Wandern ist entspannter geworden. Das ist eine gute Entwicklung.

WOLL: Gibt es eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Rudolf Grobbel:
Eigentlich sind es die kleinen Dinge. Wir haben zum Beispiel früh erkannt, wie wichtig trockene Kleidung und trockene Schuhe nach einem Regentag sind. Deshalb haben wir einen Trockenschrank angeschafft. Die Dankbarkeit der Gäste dafür war oft größer als für manches große Angebot. Solche Kleinigkeiten zeigen, dass Gastfreundschaft vor allem bedeutet, sich Gedanken über die Bedürfnisse anderer Menschen zu machen.

WOLL: Welchen Wunsch haben Sie für die nächsten 25 Jahre Rothaarsteig?
Rudolf Grobbel:
Ich wünsche mir, dass der besondere Geist erhalten bleibt. Wir haben hervorragende Gastgeber und ein gutes Miteinander entlang des Weges. Gleichzeitig brauchen wir auch in Zukunft Menschen, die mit Freude Gastgeber sind und Wanderer herzlich empfangen. Denn am Ende machen nicht Wege oder Schilder den Rothaarsteig aus, sondern die Menschen, die ihn mit Leben füllen.