Quelle: Hermann Hoffe
„Das Sauerland wird deutlich besser wahrgenommen als noch vor einigen Jahren“
Anne Jacobi ist Lehrstuhlinhaberin und Professorin für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing an der Fachhochschule Südwestfalen am Standort Meschede. Dort leitet sie den Bereich „Marketing und marktorientierte Unternehmensführung“. Ein aktuelles Forschungsprojekt aus dem Jahr 2025 beschäftigt sich mit der Lebensqualität im Sauerland. Die Ergebnisse zeigen: Die Region wird heute deutlich positiver wahrgenommen als noch vor einigen Jahren, kämpft bei jungen Menschen außerhalb des Sauerlands jedoch weiterhin mit einem Imageproblem.
WOLL: Frau Prof. Dr. Jacobi, was hat Sie ursprünglich dazu bewegt, sich auf Marketing zu spezialisieren?
Prof. Dr. Anne Jacobi: Ich habe in Münster Betriebswirtschaftslehre und Marketing studiert. Schon während des Studiums hat mich Marketing begeistert, weil hier wirtschaftliche Zusammenhänge und menschliches Verhalten eng miteinander verknüpft werden. Nach dem Studium habe ich viele Jahre bei der Firma Henkel in Düsseldorf gearbeitet, unter anderem im Vertrieb, Produktmanagement und später auch als Senior Financial Analyst. Während meiner Familienzeit habe ich promoviert und bin anschließend über einen Lehrauftrag an die Hochschule gekommen. Seit 2003 lehre ich an der FH Südwestfalen in Meschede und habe dort den Bereich Marketing mit aufgebaut.
WOLL: Ihre Studie zur Lebensqualität im Sauerland zeigt insgesamt sehr positive Ergebnisse. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Stärken der Region?
Prof. Dr. Anne Jacobi: Die größten Stärken sind die hohe Lebensqualität, die Natur, die Sicherheit und die vergleichsweise moderaten Lebenshaltungskosten. Spannend war für uns, dass das Sauerland heute deutlich besser wahrgenommen wird als noch 2012. In unserer Studie wurde die Region inzwischen als einer der beliebtesten Wohnorte in Nordrhein-Westfalen genannt, direkt hinter Städten wie Köln, Düsseldorf und Münster. Über 90 Prozent der befragten Sauerländer bewerten die Lebensqualität ihrer Region als hoch. Besonders Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Familienfreundlichkeit und Sicherheit werden als große Vorteile wahrgenommen.
WOLL: Trotzdem sprechen Sie bei jungen Menschen außerhalb der Region von einem Imageproblem. Woran liegt das?
Prof. Dr. Anne Jacobi: Viele junge Menschen außerhalb des Sauerlands kennen die Region schlichtweg zu wenig. Sie verbinden das Sauerland oft nur mit Natur oder Tourismus, wissen aber kaum etwas über die innovativen Unternehmen und die beruflichen Möglichkeiten hier. Dabei suchen gerade junge Menschen heute gezielt nach Orten mit hoher Lebensqualität. Entscheidend sind dabei Faktoren wie Wohnqualität, Freizeitangebote, Sicherheit und berufliche Perspektiven. Das Sauerland hat hier eigentlich sehr gute Voraussetzungen. Genau diese Vorteile müssen jedoch stärker kommuniziert werden.
WOLL: Warum ist Ihnen der Praxisbezug in der Lehre so wichtig?
Prof. Dr. Anne Jacobi: Weil eine Fachhochschule aus meiner Sicht Wissenschaft und Praxis verbinden muss. Deshalb arbeite ich eng mit Unternehmen aus der Region zusammen und führe regelmäßig Praxis- und Marktforschungsprojekte mit Studierenden durch. Die Studierenden lernen dadurch nicht nur Theorie, sondern sammeln bereits während des Studiums wertvolle Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben. Gleichzeitig profitieren auch die Unternehmen von neuen Ideen und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
WOLL: Was macht das Sauerland für Sie persönlich lebenswert?
Prof. Dr. Anne Jacobi: Für Familien bietet das Sauerland eine hohe Lebensqualität. Man kann direkt vor der Haustür in die Natur gehen, Sport treiben oder sich draußen bewegen. Außerdem schätze ich die Menschen und Unternehmen hier in der Region sehr. Ich bin selbst in Brilon groß geworden und kenne das Sauerland seit vielen Jahren. Gerade diese Mischung aus Natur, Gemeinschaft und wirtschaftlicher Stärke macht das Sauerland für mich besonders lebenswert. Wichtig ist, dass Unternehmen, Kommunen und Institutionen gemeinsam daran arbeiten, dieses Bild noch sichtbarer zu machen.


