5 Frage auf der WOLL-Bank an Tobias Schütte

Tobias Schütte - 5 Fragen auf der WOLL-Bank

Der Musiker und Komponist Tobias Schütte aus Oberkirchen, heute in Berghausen wohnend, erhielt zahlreiche Aufträge für Bühnenmusiken und Engagements, unter anderem am Grillo- und Aalto-Theater in Essen, und gab Konzerte in Deutschland und Europa. Neben seinem Mitwirken in diversen Ensembles und Bandformationen arbeitet Schütte als Dirigent und musikalischer Leiter sowohl bei Theaterproduktionen als auch für Blasorchester und Big Bands. Er war von 2014 bis 2018 Lehrbeauftragter an der Universität Dortmund, Fachbereich Musik und ist Teil des künstlerischen Beirates der „Jungen Bläserphilharmonie NRW“. Für den Landesmusikrat und die Junge Bläserphilharmonie NRW komponierte er eine sechsteilige, fünfzehnminütige Komposition für Klarinette und sinfonisches Blasorchester. Für den Musikverein Berghausen und seine Heimatstadt Schmallenberg komponierte er jeweils eine Festouvertüre. Aus Anlass dieser Sonderstrecke im WOLL-Magazin haben wir mit Tobias Schütte über die Blasmusik im Allgemeinen und speziell bei uns im Sauerland gesprochen.

WOLL: Sauerland und Blasmusik. Was fällt Dir bei diesen Schlagworten spontan ein?

Tobias Schütte: Gemeinsames Musizieren, generationsübergreifende Geselligkeit, lebendige Blasmusik-Tradition, tolle Konzerte und vor allem: ausgelassene Freude!

WOLL: Wann hast Du das erste Blasmusikinstrument in die Hände bekommen?

Tobias Schütte: Das muss 1987 oder 1988 gewesen sein. Ganz genau kann ich das nicht mehr sagen. Es war die Posaune – und ich spiele sie bis heute. Aber die Art und Weise, wie ich zu diesem Instrument gefunden habe, finde ich bis heute ziemlich lustig. Wenn sich Kinder heutzutage für ein Blasinstrument interessieren, werden sie zu einem aufwändigen Instrumentenkarussell eingeladen. Hier können die Kinder unter fachkundiger Betreuung über einen längeren Zeitraum jedes Instrument des Blasorchesters ausprobieren, um sich schlussendlich von den eigenen Wünschen geleitet, für ein geeignetes Instrument entscheiden zu können. Bei mir hingegen verhielt es sich so: Der damalige, leider schon verstorbene Dirigent des „Musikvereins Gleidorf“, Heinrich Hömberg, schaute mir kurz ins Gesicht und befand, dass die Posaune das absolut richtige Instrument für mich sei. Er drückte mir ohne Verzögerung ein bereitliegendes Instrument in die Hand und sagte in etwa: „Hier. Bitte schön. Dann spiel mal.“ Ich habe dem Instrument dann tatsächlich relativ schnell ein paar, sagen wir … interessante Geräusche entlocken können. Aber ich war davon fasziniert und bin es bis heute. Vielen Dank dir, lieber Heinrich, für deine musikalische Weitsicht vor fast 40 Jahren! Ich habe dann später viele Jahre im Musikverein Oberkirchen gespielt und tolle musikalische Erfahrungen gemacht, die mich bis heute prägen.

WOLL: Was unterscheidet einen Sauerländer Blasmusikverein von einer internationalen Brass-Band oder einem Brass-Orchester?

Tobias Schütte: Alle mir bekannten Orchester – ob lokal oder international – sind auf ihre Art besonders. Dabei spielt die lokale Verordnung gar keine so große Rolle. Bei vielen Orchestern – ob im In- oder Ausland – stehen neben dem fortwährenden Ausbau der musikalischen Qualität auch gesellige und traditionelle Auftritte auf der Agenda. Dies ist ein bewährtes Konzept, denn diese Vereine finanzieren sich zum großen Teil auf diese Art und Weise. Will man auf internationalem Niveau musizieren, muss zwangsläufig irgendwann die ausschließliche Priorität im Ausbau der musikalischen Qualität liegen. Im Sauerland findet man das alles vom Prinzip her so vor. Es gibt hier Vereine, die hauptsächlich Konzerte und Orchesterwettbewerbe im Blick haben, sowie andere, die eher die Tradition pflegen und auch viele, die beides gleichzeitig tun. Deshalb tue ich mich schwer damit, klare Unterschiede zwischen Orchestern zu benennen, die maßgeblich von der Verortung der Orchester abhängen.

WOLL: Welche Komposition oder welches Musikstück hast Du beim Stichwort Blasmusik sofort im Ohr? Welches Musikstück kannst Du jederzeit und überall sofort pfeifen?

Tobias Schütte: Ein einziges Musikstück? Unmöglich zu sagen. Wenn ich darüber nachdenke, geht es mir höchstwahrscheinlich wie allen, die – ganz egal wo und wann – in einem eher traditionellen Musikverein musizieren: Die bekannten Polkas und Märsche mit ihren eingängigen Melodien kommen mir quasi gleichzeitig in den Sinn. Da gäbe es bei mir eher eine ganze Auswahl von Stücken. Ich werde nach diesem Interview sehr viel Zeit brauchen, um all die Ohrwürmer wieder zu verscheuchen.

Es gibt allerdings ein großes Werk für sinfonisches Blasorchester, das mich aus unterschiedlichen Gründen sehr geprägt hat. Es sind die „Armenischen Tänze“ von Alfred Reed, welche ich im Jahr 1995 in der „Jungen Bläserphilharmonie NRW“ erstmalig gespielt habe. Ich war wie elektrisiert – und auch wenn ich über die Jahre viele, mindestens ebenso tolle Werke kennenlernen durfte, so hat dieses Werk doch auf eine besondere Weise seine Spuren bei mir hinterlassen. Viele Jahre später habe ich dieses Werk zum Abschluss meines Studiums dirigiert. Die „Armenischen Tänze“ kenne ich tatsächlich in- und auswendig.

WOLL: Was sind Deine aktuellen Projekte?

Tobias Schütte: Ich dirigiere seit einigen Jahren die oben bereits erwähnte „Junge Bläserphilharmonie NRW“, ein Orchester, welches vom „Landesmusikrat NRW“ organisiert und getragen wird. Hinzu kommt das Bayer-Blasorchester (BBO), welches einmal wöchentlich im Erholungshaus in Leverkusen probiert. Des Weiteren leite ich das „Essen Jazz Orchestra“, eine Big Band, die projektweise probt und hauptsächlich im Ruhrgebiet und Rheinland konzertiert. Im nächsten Jahr kommt auch ein lokal angesiedeltes Ensemble hinzu: die „Sauerland Winds“ – ein wirklich tolles Orchester, das sich aus den heimischen Musikvereinen rekrutiert und schon seit vielen Jahren mit hervorragenden Konzerten auf sich aufmerksam macht. Ich freue mich schon sehr darauf!