
Wie ein Wanderweg zur Bewegung wurde
Vor 25 Jahren begann im Rothaargebirge eine Idee, die das Wandern in Deutschland nachhaltig verändern sollte. Der Rothaarsteig war von Anfang an mehr als ein markierter Fernwanderweg. Er war ein neues Selbstverständnis für eine ganze Region: modern gedacht, professionell umgesetzt und getragen von Menschen, die an die Kraft der Landschaft glaubten. Heute gilt der „Weg der Sinne“ als Pionier des Premiumwanderns und als Motor einer touristischen Entwicklung, die weit über das Sauerland hinaus wirkt.
Ende der 1990er Jahre galt Wandern vielerorts als altmodisch. Genau hier setzte das Projekt Rothaarsteig an: mit einer klaren Vision von Qualität, Inszenierung und emotionaler Ansprache. Touristiker, Forstleute, Kommunen und Ehrenamtliche arbeiteten erstmals regionen- und branchenübergreifend zusammen, ein Kraftakt, der neue Maßstäbe setzte. Thomas Weber erinnert sich: „Der Rothaarsteig bedeutet für mich ein wirklich modernes Wanderprodukt für moderne Bürger.“ Diese Modernisierung zeigte sich in allem: in der Gestaltung der Wege, in der Bildsprache, in der Möblierung der Landschaft und im Anspruch, Natur erlebbar zu machen, ohne sie zu verfälschen. Wandern wurde nicht neu erfunden, aber neu erzählt.
Marke, Qualität und Glaubwürdigkeit
Von Beginn an stand fest: Der Rothaarsteig sollte nicht nur ein Weg, sondern eine Marke sein. Logo, Bildsprache und Infrastruktur schufen ein wiedererkennbares Erlebnis. Gleichzeitig war klar, dass ein Premiumversprechen dauerhaft eingelöst werden muss. Rüdiger Strenger beschreibt diesen Anspruch so: „Der Rothaarsteig bedeutet für mich, dass wir weiterhin stolz sein können auf ein Produkt, das der Region ein starkes Image gegeben hat.“ Qualitätssicherung, Wegeführung und Besucherlenkung wurden kontinuierlich weiterentwickelt, immer ein Balanceakt zwischen touristischem Erfolg und Naturschutz. Dr. Harald Knoche betont die strategische Dimension: „Der Rothaarsteig hat eine stark lenkende Funktion und hilft, sensible Bereiche zu schützen.“ Trotz wachsender Besucherzahlen bleibt das Naturerlebnis zentral. Der Weg strukturiert Bewegung, statt sie zu verdrängen.
Landschaft als Erlebnisraum
Der Rothaarsteig ist zugleich Natur- und Wirtschaftsraum. Hier wird sichtbar, wie Landschaft gestaltet, genutzt und erhalten wird. Für Fotograf Klaus-Peter Kappest ist das Teil einer größeren Erzählung: „Der Rothaarsteig bedeutet für mich Heimat und eine Region mit unerschöpflichen Geschichten.“ Seine Bildsprache machte den Weg emotional erfahrbar und prägte die Wahrnehmung des Sauerlands weit über die Region hinaus. Diese Verbindung von Erlebnis, Bildung und Nachhaltigkeit wird heute neu gedacht. Klimawandel, Waldumbau und gesellschaftliche Erwartungen verändern die Rahmenbedingungen. Doch gerade darin liegt die Chance, den Rothaarsteig als lebendiges „Labor“ weiterzuentwickeln, als Ort, an dem Besucher mit allen Sinnen erleben können, wie Landschaft sich wandelt.
Ein Weg mit Zukunft
25 Jahre Rothaarsteig sind mehr als ein Jubiläum. Sie markieren den Erfolg eines Gemeinschaftsprojekts, das regionale Grenzen überwunden und eine neue Wanderkultur geprägt hat. Infrastruktur, Nachhaltigkeit und Erlebnisqualität bleiben zentrale Aufgaben, ebenso die Pflege einer Idee, die Bewegung, Natur und Identität verbindet. Der Rothaarsteig ist heute Symbol für eine Region, die gelernt hat, ihre Stärken sichtbar zu machen. Und er zeigt: Ein guter Weg endet nie. Ein guter Weg entwickelt sich immer weiter.
Dieser Bericht ist nach einem Interview für den WOLLcast Pauerland zum Thema Rothaarsteig entstanden. Thomas Weber, Rüdiger Strenger, Dr Harald Knoche und Klaus-Peter Kappest erzählen über die Erfindung, Gründung und den Erfolg des Premiumwanderweges Rothaarsteig. Im Jubiläumsjahr 2025 wird der bekannte und beliebte Wanderweg, der von Brilon im Südosten des Sauerlandes über 157,6 Kilometer bis ins hessische Dillenburg führt, in dieser und den kommenden WOLL-Magazin-Ausgaben Einzug finden. Im Sommer wird ein WOLLExtramagazin „25 Jahre Rothaarsteig“ die Geschichte und Hintergründe zum bekanntesten und beliebtesten Premiumwanderweg in Deutschland erzählen.
Thomas Weber war 2002 Tourismusdirektor der Stadt Schmallenberg und ist einer der Väter des Rothaarsteigs.
Rüdiger Strenger hat von Anfang an die Entwickung des Rothaarsteigs begleitet. Heute ist er Vorsitzender des Rothaarsteig Vereins e.V.
Dr. Harald Knoche hat den Premiumwanderweg als Gesch.ftsführer ebenfalls von Anfang begleitet.
Klaus-Peter Kappest, der Rothaarsteig-Fotograf, hat mit seinem, für damalige Verhältnisse, ungewöhnlichen Fotografiestil, das Bild des Rothaarsteigs und des Sauerlandes entscheidend geprägt.




