Der Street-Fotograf Christopher Reuter – immer auf der Suche nach dem besonderen Moment!

Foto: Klaus-Peter Kappest
Foto: Klaus-Peter Kappest

von Ursula Wiethoff-Hüning

Er ist wieder da, in seiner Heimat: Christopher Reuter. Nach mehr als zehn Jahren in Köln macht er sich nun vom Sauerland aus auf den Weg in die großen, turbulenten Städte der Welt, um Menschen in authentischen Situationen zu fotografieren, auf Straßen und Plätzen. Im Gespräch mit WOLL erzählt Christopher Reuter von seinem interessanten Beruf, seiner großen Leidenschaft!

WOLL: Christopher, die Street-Fotografie ist eine nicht so bekannte Form der Fotografie, aber auf jeden Fall große Kunst. Was macht sie aus?
Christopher:
Die Street-Fotografie ist ein megainteressantes Genre! Die Situation des Augenblicks ist entscheidend, die ungeschönte Realität: Ich fotografiere das Leben da, wo es authentisch ist, und versuche, den Menschen in alltäglichen Situationen abzubilden, die Dinge zu sehen, die nicht jeder sieht, und Situationen festzuhalten, die nicht so offensichtlich sind, und all das im städtischen Umfeld.

WOLL: Du bist echter Sauerländer. Da liegt Street-Fotografie nicht so nahe …
Christopher:
Das stimmt allerdings. Es war ein längerer Weg dorthin: Als Jugendlicher habe ich hier viel Breakdance gemacht und hatte schon mit 14 Jahren die Chance auf ein tolles Musikprojekt mit Bravo, Viva und RTL. Diese Erfahrungen haben mich nach meinem Schulabschluss erstmal weg von hier, in die Stadt getrieben, wo man viele Optionen hat, wo es turbulent ist. Eine Zeitlang habe ich mit meiner Frau, die ich in diesem Genre kennengelernt habe, in Siegen gelebt, dann in Köln. Wir haben dort viel im Bereich Choreografie gemacht und für einige TV-Projekte gearbeitet. Dort konnten wir uns über Jahre als Choreografen etablieren.

Foto: Klaus-Peter Kappest
Foto: Klaus-Peter Kappest

Fotografieren war in dieser Zeit eher ein Hobby für mich. Im Urlaub habe ich meine Kamera immer dabei und kann nur abschalten, wenn ich fotografieren darf. Auf einer Urlaubsreise vor vielen Jahren habe ich dann plötzlich mit der Street-Fotografie begonnen und erkannt, dass mir ein Bild, das ich nicht lange retuschiert habe, viel besser gefällt als ein perfektes. Die Emotion in dem Bild ist viel höher, obwohl es weniger Zeit und Aufwand braucht. Das „ungeschönte“ Bild erzählt viel, da ich mich frage, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Ich möchte das Gesicht ohne Filter!

WOLL: Du hast es mehrfach ins „Jahrbuch der besten Straßenfotografen“ geschafft. Wie hast du es so weit gebracht? Woraus schöpfst du deine Motivation?
Christopher:
Ich habe mir in den letzten zehn Jahren alles selbst beigebracht, nachdem ich einen Grundkurs Fotografie besucht hatte, um meine Kamera kennenzulernen. Und dann: Immer wieder etwas tun, tausende Male wiederholen, sich überwinden, mit dem Ziel: Dieses Bild will ich unbedingt haben! Man kann lernen, für das eine, besondere Foto Dinge zu sehen, die nicht jeder sieht. Es gibt auch einen ästhetischen Anspruch in der Street-Fotografie, wie etwas auszusehen hat: Ein gutes Bild zeichnet sich zum Beispiel durch eine starke Linienführung, Schatten- und Lichtkontraste oder durch besondere Charaktere in außergewöhnlichen Posen aus.

Fotografieren hängt auch mit eigener Verfasstheit zusammen. Wenn ich auf die Straße gehe, ist immer wieder ein wenig Angst dabei. Wie reagieren die Menschen? Was sind das für Situationen, denen ich heute begegne? Ich versuche, mich in Deutschland so zu verhalten, dass es keinen Ärger gibt, und so zu fotografieren, dass keiner zu erkennen ist. In Italien und Spanien ist es leichter zu fotografieren. Ich hatte dort schon unfassbar schöne Augenblicke.

Eine Motivation ist aber auch, die Zeit festhalten zu dürfen. Wir leisten ja auch einen kulturellen Beitrag für nachfolgende Generationen, indem wir das Leben so festhalten, wie es ist. Es ist sozusagen künstlerisch umgesetzter Journalismus, den wir Street- Fotografen betreiben. So erkläre ich das auch den vielen Menschen, denen ich begegne: „Hey, ich mache Kunst, bin Künstler, ich lebe davon!“

WOLL: Erschöpft sich, fotografisch gesehen, im Laufe der Jahre nicht auch einmal eine Stadt wie Köln?
Christopher:
Wenn ich neue Inspiration haben möchte, bin ich am liebsten in Gegenden unterwegs, die ich überhaupt nicht kenne und die völlig fremd für mich sind. Das bietet einem die deutsche Stadt, die man kennt, natürlich nicht mehr. Ich muss mehr Zeit investieren, um ein schönes Bild einzufangen. Ich brauche ein anderes Land, eine andere Stadt, die ich vorher noch nicht so gesehen habe. Daher plane ich mehrere Fotoreisen im Jahr. Marrakesch zum Beispiel ist rein optisch ein Eldorado, eine andere Welt, die natürlich auch Schattenseiten hat und sehr gefährlich ist; aber fotografisch ist es dort toll, wo Kulturen aufeinanderprallen. Marrakesch ist bunt, die Farben kommen in den Bildern rüber: Viel Licht, harte Schatten und Lichtkontraste – das brauche ich für das, was ich tue.

WOLL: Wie kam es zur Rückkehr ins Sauerland?
Christopher:
Jetzt, mit Kind, ist das Leben auf dem Land viel angenehmer als mit beengtem Wohnraum in der Stadt. Wir sind nun hier im Sauerland unterwegs, gehen raus in die Natur und das alles ist unfassbar schön: der Bergsee bei Siedlinghausen, die Bruchhauser Steine! Ich mag auch Erdtöne, liebe es, wenn der Wald vernebelt ist, auch das Nostalgische im Bild. Das Sauerland hat so viel zu bieten. Das habe ich früher gar nicht so gesehen.

Foto: Klaus-Peter Kappest
Foto: Klaus-Peter Kappest

WOLL: Welche Perspektive siehst du beruflich für dich?
Christopher:
Derzeit bin ich auch noch zwei Mal pro Woche in Köln, habe dort ein Fotostudio und arbeite für eine Kölner Designerfirma, mache jedes Jahr zwei Ausstellungen, habe einen Online-Shop für die Prints und plane Fotoreisen.

Seit ein paar Jahren habe ich ein weiteres Standbein, das ich im Sauerland gut ausbauen kann: Ich bin auch Hochzeitsfotograf und sehe mich dort vermehrt in der Zukunft, weil darin sehr viel Potential liegt. Ich arbeite darauf zu, dass es 30 bis 40 Hochzeiten pro Jahr werden. Wie in der Street- Fotografie geht es auch hier darum, den entscheidenden Augenblick zu spüren, emotional authentisch zu erzählen. Das sind Hundertstelsekunden, in denen du die Kamera richtig eingestellt haben musst. Und du brauchst das Quäntchen Glück dabei – sehr spannend!

WOLL: Das hört sich vielversprechend an! Danke für dieses interessante Gespräch und wir wünschen dir weiterhin den authentischen Blick mit deiner Kamera.

Christopher fotografiert verliebte Paare und Familien in ganz Deutschland. Auf den folgenden Webseiten findet ihr weitere Informationen und ein ausführliches Portfolio seiner Paarfotoshootings und Hochzeitsreportagen.
www.dashochzeitskonzept.com
www.instagram.com/chris_reuter_hochzeitsfotograf