Den Kyrill-Pfad erleben

Ein Sauerländer Seelenort

Text: Carla Wengeler – Foto: Heidi Bücker

In Schmallenberg-Schanze befindet sich der Kyrill-Pfad, ein Ort von Tod und Neugeburt. 2007 tobte sich der Orkan Kyrill in unseren Wäldern aus und niemand, der dieses Ereignis mitbekommen hat, wird es vergessen. Kyrill mit seiner enormen Wucht ist zum Maßstab für alle folgenden Stürme geworden und hat die Sauerländer Wälder mit einem ausgeprägten Narbengewebe zurückgelassen. In Schanze kann man auf einem Kilometer beispielhaft erleben, wie gewaltig Natur sein kann. Die nicht geräumte Sturmholzfläche habe ich einmal genauer unter die Lupe genommen, um zu entdecken, was einen solchen „Seelenort“ eigentlich ausmacht.

Aufwärmen

Der Kyrill-Pfad ist einer von 43 Sauerländer Seelenorten. Um ihn so richtig wahrnehmen zu können, folge ich der „Ankommen-Anleitung“ von Michael Gleich. Im ersten Schritt geht es ums Aufwärmen und darum, die Sinne zu schärfen. Es ist kalt und windig, als ich mich vom Parkplatz aus in Richtung Kyrill-Pfad aufmache. Die Blätter der Bäume rascheln im Wind, ansonsten ist es so gut wie still.

Ausweiten

Zeit für das Ausweiten. Am Pfad angekommen, wird es ganz einfach, die Gedanken verstummen und sich stattdessen einfach treiben zu lassen. Brücken, Planken und Trampelpfade führen durch Kyrill-Historie. Es geht hoch und runter, nach links und nach rechts, wie in einem Labyrinth, eigens von der Natur geschaffen.

Nachspüren

Am Ende des Pfades bin ich hoffnungsvoll gestimmt. Denn obwohl dort Bäume wie Mikadostäbe tot auf dem Boden liegen und inzwischen modrig geworden sind, merkt man, wie dazwischen neues Leben entsteht. Sprösslinge, Knospen und leuchtend grüne Blätter zeigen, dass sich die Natur erholen kann – auch von Stürmen wie Kyrill.

Man wird ganz unbewusst ruhiger, wenn man solch einen Seelenort besucht. Die Ausstrahlung dieser Orte ist etwas ganz Besonderes und lädt dazu ein, einmal in sich hineinzuhorchen und zu reflektieren.