Ein Schrebergartenverein ist so bunt wie seine Mitglieder

Text: Melina von Hofman – Fotos: Klaus-Peter Kappest

Man munkelt, dass Schrebergärten der Inbegriff der deutschen Gartenkultur sind. Die kleinen Obst-, Gemüse- und Blumenoasen findet man in vielen Gemeinden, gerade in größeren Städten. Diese kleinen grünen Ministädtchen bilden einen generations-übergreifenden und internationalen Treffpunkt und sind Orte voller Gartenbegeisterung.

Wie aus der Gartenfachzeitschrift

So mancher Hals wird lang, wenn man an einem Gemüsebeet vorbeigeht, das aussieht wie aus einer Gartenfachzeitschrift. Keiner gibt es zu, aber ein bisschen Wettbewerb ist bestimmt auch mit dabei. Wer hat die schönste Laube, die dicksten Äpfel oder die schönsten Rosen? Die Besucher und Pächter können sich in jedem Fall an dieser Vielfalt erfreuen und beim Bestaunen kann man in der Vereinshütte nebenbei ein kleines, kühles Bierchen genießen. Man hört Damen auf ihren Terrassen beim Kaffeekränzchen über Bienen philosophieren. Die Bio-Gärtnerin schwört auf Permakultur und gießt in geblümten Gummistiefeln die Erdbeeren, während nebenan der gute alte Gartenzwerg wachend über den Platz schaut. So ein Schrebergartenverein ist bunt: seine Blumen genauso wie seine Mitglieder. Das Vorurteil ‚spießig‘ kann man getrost außer Acht lassen. Ob Schulbusfahrer, Ärztin, Maklerin, Lehrer, Rentner oder Verkäuferin, hier ist man – meist täglich – gärtnerisch vereint anzutreffen.

Die Früchte der Arbeit

Der Höhepunkt des Gartenjahres liegt im Spätsommer, wenn der fleißige Gärtner seine Ernte bestaunen kann und sich auf das Einmachen und Einfrieren vorbereitet. Manch Nicht-Botaniker wundert sich mit fragendem Blick, warum sich der beherzte Gärtner freiwillig solch eine Mühe macht. Doch spätestens im tiefsten Sauerländer Winter, nach einem Spaziergang im ersten Schnee, bei einem deftigen Grünkohl-Kartoffel-Eintopf mit einer groben Mettwurst vom Metzger nebenan, wenn der Gärtner mit stolzer Brust verkündet, dass das „Grünzeug“ aus seinem eigenen Bio-Garten kommt, wird man dieses arbeitsintensive Hobby verstehen. Es ist Handarbeit, die mit Genuss und netten Freundschaften belohnt wird. Ob der Vegetarier oder Veganer sein urbanes Genussglück auf Social-Media-Plattformen postet, die italienische Großfamilie gemeinsam Erbsen pult oder Harry die Gläser mit der Erdbeermarmelade beschriftet – das Motto lautet immer stolz: „aus eigener Ernte“.

Schrebergartenanlage in Schmallenberg

Seit über 70 Jahren gibt es in Schmallenberg eine Schrebergartenanlage. Der Schmallenberger Gartenverein liegt in der schönen Wohnsiedlung „an der Robbecke“, mitten im romantischen Ort. Die Anlage besteht aus 23 Parzellen mit je 300 Quadratmetern. Hier können Groß und Klein ihrem Hobby nachgehen und ihren grünen Daumen beweisen.

Ein kleines grünes Glück

Wer jetzt Lust bekommen hat, auch eine Parzelle zu pachten, und die Vereinsarbeit (ungefähr acht Stunden im Jahr) nicht als Last ansieht, meldet sich am besten bei seiner Gemeinde oder beim Schrebergartenverein seiner Stadt. Hier kann man mit netten Menschen Zeit verbringen und gleichzeitig ein tolles und gesundes Hobby ausüben. Besuchen Sie einfach mal eine Kleingartenanlage, und wenn Ihnen danach die schönen Bilder nicht aus dem Kopf gehen und Sie plötzlich in Gartenzeitschriften oder im Internet nach Gestaltungsmöglichkeiten stöbern, hat Sie das Gartenfieber erwischt. So war es bei mir vor vier Jahren. Mit viel Glück stehen Sie nicht zu lange auf einer Warteliste und finden sich in Zukunft öfters in der Raiffeisen oder im Gartenmarkt wieder als auf dem Sofa vor dem Fernseher. Die Jahrespacht richtet sich nach Wohnort und Gartengröße. Im Sauerland dürfen Sie schon für 140 Euro Unkraut jäten, an der Ostsee können es auch mal 800 Euro sein. Großstädte langen mit bis zu 5.000 Euro kräftig zu.

Weitere Vorteile

Lange Transportwege fallen weg, Lebensmittelverschwendung ist kein Thema, Verpackung gleich null, Pestizide werden nicht eingesetzt und bio ist es sowieso. Ein Kleingärtner achtet auf seinen ökologischen Fußabdruck und will zu Hause gesund genießen. Wie sagte schon Goethe: Was hat ein Gärtner zu reisen?

Kontakt Kleingartenverein
Eichenweg 25 · 57392 Schmallenberg
Tel.: 02972 / 6771