Spontan war sie wirklich nicht, die Idee, mal wieder an einem Gottesdienst teilzunehmen in dieser so ganz anderen Zeit.

Soll man, soll man nicht? Wie läuft das alles ab, was gibt es zu beachten und bekommt man überhaupt einen Platz hinsichtlich der zugelassenen Besucherzahlen? Was für Eindrücke entstehen bei dieser besonderen Form des Miteinanders? Wenn man es nicht ausprobiert, erfährt man es nicht!

Sonntagmorgen, 10 Uhr: der Platz vor der St. Alexander Pfarrkirche in Schmallenberg füllt sich, aus allen Richtungen kommen Gläubige herbei, der strahlende Sonnenschein verbreitet eine angenehme Atmosphäre. Im Eingangsbereich der Kirche stehen zwei Ordner, die für die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen zuständig sind. Zuerst einmal muss jeder seine Daten angeben, wie derzeit überall in öffentlichen Räumen, das ist Pflicht, um mögliche Infektionsketten zurück zu verfolgen. Anschließend kann man auf vorgesehenen Sitzplätzen Platz nehmen, in jeder zweiten Reihe am jeweiligen Rand der Bank. Lediglich beim Eintreten ist Maskenpflicht, während des Gottesdienstes ist diese Maßnahme jedem Besucher selbst überlassen.

Überrascht bin ich über die Besucherzahl: bei einer Obergrenze von 70 Teilnehmern sind die Plätze zu Beginn des Gottesdienstes bis auf den letzten Platz ausgefüllt.

10.30 Uhr: Der Gottesdienst beginnt. Der Ablauf ist etwas anders und ungewöhnlich, dennoch nicht unangenehm. Was am meisten fehlt ist der Gesang. Eine Messe ohne Gesang war für mich im Vorfeld eher „abschreckend“, doch durch angenehme Orgelstücke wurde das sehr gut kompensiert. Ein Stück weit konnte man durch das Zuhören sogar gut entschleunigen, wie es mir nach dem Gottesdienst auch von einer Besucherin bestätigt wurde. Gemeinsames Beten ist hingegen erlaubt, so bekommt man dann doch ein Gefühl des Miteinanders. Auf Messdiener verzichtet man derzeit und auffallend anders ist auch der Empfang der heiligen Kommunion, der am Sitzplatz erfolgt. Priester und Kommunionhelfer kommen zu jedem, der die heilige Kommunion empfangen möchte an die Bank und auch hier wird der nötige Abstand eingehalten. Auf den Spendendialog wird verzichtet, der wurde zuvor vom Altar herunter allgemein an alle gerichtet. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch das wurde gut geregelt. Und derzeit ist es nun mal so, dass man nach Alternativen sucht und auf Kompromisse eingehen muss.

Meine persönlichen Empfindungen: Alles in allem habe ich persönlich nicht viel vermisst. Es war anders, aber das ist der aktuellen Situation geschuldet und ich halte mir optimistisch vor Augen, dass es vorübergehend so ist und nicht von Dauer. Unsere Welt ist derzeit in allen Bereichen völlig umgekrempelt und anders, aber solange man auf wichtige Dinge nicht ganz verzichten muss, ist das doch ein guter Weg. Jeder, der irgendetwas in Angriff nimmt, was ihm am Herzen liegt ist doch auf Änderungen und unabänderliche Maßnahmen, aber auch auf mögliche Risiken vorbereitet und kann selbst entscheiden, ob er diese in Kauf nimmt oder lieber nicht.

Für Dechant Georg Schröder ist es wichtig, dass das jeder selbst für sich entscheidet. Seit dem 10. Mai besteht wieder die Möglichkeit, an öffentlichen Gottesdiensten in einzelnen Gemeinden im Pastoralverbund teilzunehmen. Eine große Verantwortung für Priester und auch sie mussten sich erst einmal mit dem Ablauf vertraut machen. Eine gewisse Nervosität war anfangs da, bei Priestern ebenso wie bei den Besuchern. Aber auch das scheint sich zu legen, es wird „normaler“ und die Menschen trauen sich. Auch kommen von Woche zu Woche mehr Orte dazu, die Gottesdienst feiern – die Entscheidung darüber hat Georg Schröder den einzelnen Gemeindeverantwortlichen selbst überlassen.

Stimmen von außen: Die Stimmen nach dem Gottesdienst am 22. Juni 2020 waren durchweg positiv. „Ich bin das erste Mal wieder hier, es war schön“, bringt es eine Schmallenbergerin auf den Punkt. „Ich komme jetzt wieder öfter“.

Der Schmallenberger Alfons Brüggemann kommt wieder regelmäßig zum Gottesdienst und sagt: „Es ist zwar völlig anders als gewohnt und war anfangs komisch, vor allem weil ich gern singe und mir das besonders fehlt. Aber Regeln gibt es schließlich überall und die Dinge lockern sich immer mehr. Man gewöhnt sich an alles und ich habe den Eindruck, es kommen mittlerweile mehr Leute, man wird lockerer gegenüber der Situation.“

Eine andere Schmallenbergerin, die schon öfter teilgenommen hat, bestätigt: „Das erste Mal war gewöhnungsbedürftig, das zweite Mal habe ich es als etwas ganz Besonderes empfunden, würdig und sogar entschleunigend“.

Für Pastor Ignatius Möncks, der an diesem Tag die Messe in Schmallenberg erstmals in dieser Form gestaltete, war ebenfalls alles gewöhnungsbedürftig. Für ihn waren die weiten Abstände der Mitfeiernden ungewohnt und auch ihm fehlte in erster Linie der Gesang. Bewegt war er hingegen über die Austeilung der Kommunion: „Wir sind mit der Kommunion zu den Mitfeiernden hin gegangen statt dass sie nach vorn kommen mussten. Der Kommunionempfang erhält dadurch nochmal eine besondere und bewusstere Form der Begegnung.“ Auch war für ihn eine besondere Atmosphäre der Ruhe zu spüren, was wohl zeigt, dass es für viele Menschen schon eine gewisse Normalität hatte.

Die Menschen möchten wieder Gottesdienst feiern, das wurde deutlich. „Zumindest ist es EINE der möglichen Teilnahmen an unserer Gemeinschaft von Glaubenden und Suchenden in diesen ungewöhnlichen Zeiten. Ich freue mich aber auch wieder auf gut gefüllte Messen mit gemeinsamen Gesang“, sagte Ignatius Möncks und spricht damit sicher allen aus der Seele.

Dechant Georg Schröder feiert wieder regelmäßig Messen in den Gemeinden. Wie empfindet er diese Art des Gottesdienstes? „Am meisten fehlt mir der Gesang, wie so vielen anderen auch“, sagt er. „Das versuchen wir durch Orgelstücke und gemeinsame Gebete zu ersetzen, man muss andere Ideen einbringen“. Es waren viele Überlegungen und Ideen erforderlich, um einen Gottesdienst so gut und ansprechend wie möglich zu gestalten. Und auch wenn eine Gemeinschaft nicht wie gewohnt möglich ist, so ist man doch auf einem guten Weg und hofft darauf, dass bald alles wieder „normal“ läuft.