DER ZAUBER EINER KAMPFKUNST

DER ZAUBER EINER KAMPFKUNST Wenn der Großmeister spricht, hören die Schüler aufmerksam und gebannt zu

DER ZAUBER EINER KAMPFKUNST Wenn der Großmeister spricht, hören die Schüler aufmerksam und gebannt zu

Wenn der Großmeister spricht, hören die Schüler aufmerksam und gebannt zu

TEXT & FOTOS: Inga Bremenkamp

„Karate ist kein Sport. Karate ist eine Kampfkunst. Es geht darum, durch Bescheidenheit und Ruhe im Mittelpunkt zu stehen. Hier geht es nicht um den Pokal. Nicht um den Wettkampf. Hier geht es darum, seine Mitte zu finden und anderen dabei zu helfen“, erklärt Bruder Marcus, der in Meschede als Karate-Großmeister seit über 15 Jahren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Kampfkunst lehrt.

DAS ZIEL, KÄMPFE ZU VERMEIDEN

„Fast alle spielen Fußball. Auf dem Schotter kann man sich aber mächtig wehtun. Beim Karate ist das anders. Da verletzt man sich nicht ganz so schnell. Deshalb mache ich das. Und: Es macht Spaß, richtig viel Spaß“, sagt der 6-jährige Jonah, einer der Weißgurte unter den Karateschülern von Bruder Marcus. In der Kampfkunst geht es laut dem Großmeister immer darum, den Kampf zu vermeiden. Karate sei eine reine Selbstverteidigung und stets eine Reaktion auf ein Verhalten eines anderen Menschen. „Ich wollte Karate machen, damit ich mich selbst verteidigen und schützen kann“, erklärt Noah, der Zwillingsbruder von Jonah, der sich seit seinem Start in den Kursen von Bruder Marcus sicherer und stärker fühlt.

NA, WO WILL DIE FLIEGE DENN HIN?

„Ich selbst habe sehr früh mit der Kampfkunst angefangen und hatte selbst einen Meister aus Japan. Ich weiß, wie man Kinder trainiert und was wichtig ist. In den ersten Probestunden beobachte ich die Neulinge zunächst und schaue, was der- oder diejenige braucht“, berichtet der Großmeister des Benediktiner Klosters in Meschede, der seine Mönchskutte zweimal pro Woche gegen den Karateanzug teilt, um seine jüngsten Schüler zu unterrichten. „Joschua ist mit dem blauen Gürtel aktuell der Weiteste unserer Kindergruppe. Als er hier anfing, war er ein richtiger Träumer. Wenn er eine Fliege gesehen hat, ist er mehr oder weniger hinterhergeflogen und hat geschaut, wo die Fliege denn wohl hin will. Ich habe Joschua lange gelassen und ihm seinen Raum gegeben. Eines Tages hat’s dann ‚Klick‘ gemacht und er ist abgegangen wie eine Rakete. Er ist jetzt richtig gut“, lobt Bruder Marcus seinen Schützling, der während unseres Interviews ganz spontan den ersten Teil des Trainings angeleitet und durchgeführt hat.

LIEBE, EHRE, RESPEKT & EHRLICHKEIT

„Mir ist wichtig, dass hier jeder jedem hilft. Dass die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen und früh selbst zu unterrichten“, sagt Bruder Marcus, der seine Schule auf vier Säulen aufbaut: Liebe, Ehre, Respekt und Ehrlichkeit. Dass diese Säulen nicht nur ein theoretisches Konstrukt sind, sondern in der Karateschule aktiv gelebt werden, wird direkt am Eingang der neuen Räumlichkeiten direkt neben dem Klosterladen und der Kirche deutlich. „Sensei, Konnichiwa“, erklingt aus jedem Mund der jungen Schüler, die ihrem Großmeister vor der Umkleidekabine begegnen und sich vor ihm verbeugen. „Die Worte bedeuten so etwas wie ‚Guten Tag, Lehrmeister‘ und zeigen, gekoppelt mit der Verbeugung, ihren Respekt. Respekt und Höflichkeiten sind wie die Disziplin in der Kampfkunst etwas sehr Bedeutsames“, erklärt der 42-Jährige, der mit der Kampfkunst selbst vor 33 Jahren begonnen hat und seine Schüler auf ihrem Weg ab und zu absichtlich auf eine harte Probe stellt.

DURCH NIEDERLAGEN WACHSEN

„Jeder Schüler möchte Schritt für Schritt einen höheren Rang, sprich einen speziell eingefärbten Gürtel, erreichen. Zweimal im Jahr stehen Prüfungen an, die ich als Großmeister selbst abnehmen darf. Mir ist wichtig, dass meine Schüler auch lernen, mit vermeintlichen Niederlagen umzugehen. Ich lasse jeden eigentlich durch mindestens eine Prüfung fallen, um ihnen zu zeigen, dass das nichts Schlimmes ist. Mir ist wichtig, dass sie lernen, dass sie auch in Momenten des Versagens nicht alleingelassen werden und optimistisch in die Zukunft blicken, indem sie sich sagen, dass sie die Prüfung dann halt beim nächsten Mal meistern werden“, berichtet der Karatelehrer, der weiß, dass die Kampfkunst in vielen Lebenslagen helfen kann. „Ich selbst war als Kind schwer asthmakrank. Die spezielle Atmung der Karatekunst hat mir geholfen, nach zwei, drei Jahren ohne Sauerstoffmaske auszukommen und mich über das Training immer weiter aufzubauen. Das hat mich natürlich so begeistert, dass ich nie wieder aufhören mochte“, berichtet Bruder Marcus, der mich gemeinsam mit seinen Schülern, ihrem auffällig höflichen Verhalten und ihrer Liebe zur Kampfkunst verblüfft und ein Stück weit verzaubert hat. ‚Sayonara‘ – auf Wiedersehen.

 „Mir ist wichtig, dass die Schüler lernen, dass sie auch in Momenten des Versagens nicht alleingelassen werden und optimistisch in die Zukunft blicken.“ Karatelehrer Bruder Marcus



DER ZAUBER EINER KAMPFKUNST Wenn der Großmeister spricht, hören die Schüler aufmerksam und gebannt zu
DER ZAUBER EINER KAMPFKUNST Wenn der Großmeister spricht, hören die Schüler aufmerksam und gebannt zu
DER ZAUBER EINER KAMPFKUNST Wenn der Großmeister spricht, hören die Schüler aufmerksam und gebannt zu