Heringhausen. Dort, wo die kleinen Tannen steh´n …

Heringhausen. Dort, wo die kleinen Tannen steh´n … In der „Hauptstadt der Weihnachtsbäume“ lässt es sich gut leben

Heringhausen. Dort, wo die kleinen Tannen steh´n … -- In der „Hauptstadt der Weihnachtsbäume“ lässt es sich gut leben

In der „Hauptstadt der Weihnachtsbäume“ lässt es sich gut leben

Text: Christel Zidi
Fotos: S. Droste

„Bestwig liegt vor uns, Ramsbeck liegt hinter uns. Wir liegen als Sahnestück genau dazwischen.“ Treffender könnte die Definition des Heringhäuser Ortsvorstehers kaum sein, denn das Dorf an der Valme ist ganz eindeutig etwas Besonderes. Von Ortsvorsteher Ulrich Bathen und Ortsheimatpfleger Uwe Mertens erfuhren wir einige Fakten aus dem 820-Seelen-Dorf, die aufhorchen lassen.

Die Hauptstadt der Weihnachtsbäume

Unübersehbar wird Heringhausen ringsum von Weihnachtsbaumkulturen eingerahmt. „Seit den 1950er-Jahren hat sich das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen immer stärker entwickelt. Rund um Heringhausen wurden alle landwirtschaftlichen Flächen zur Weihnachtsbaumkulturen aufgeforstet“, berichtet Ulrich Bathen. Mit beachtlichem Erfolg: Ein großer Teil der 2019 knapp 30 Millionen in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume kommt aus Heringhausen, der „Hauptstadt der Weihnachtsbäume“, berichten Ulrich Bathen und Uwe Mertens. Viele der Bäume werden ins Ausland exportiert, vorrangig in die Niederlanden. Manche Bäume werden auch weltweit verschickt und landen gar im Salon eines arabischen Scheichs, wo sie möglicherweise statt mit Strohsternen mit Goldschmuck und Diamanten behängt werden.

Wenn es Richtung Advent geht, wächst die Zahl der Einwohner Heringhausens auf rund 1000. Mit dabei sind dann die vielen Erntehelfer, die in den Baumkulturen beschäftigt sind. Aber nicht nur direkt in den Baumkulturen herrscht Hochbetrieb, auch mit der Produktion von Allerheiligen- und Adventsgestecken sind viele heimische Betriebe in dieser Zeit zusätzlich beschäftigt.

In der Vorweihnachtszeit ist Heringhausen weniger ein Durchfahrtsort denn ein Zielpunkt. Dann nämlich wird das Valmedorf zwischen Bestwig und Ramsbeck zum Ziel zahlreicher Weihnachtsbaum-Liebhaber. Der Weihnachtsbaumkauf wird hier zum Event: „Die Gäste holen hier ihren Weihnachtsbaum, schlagen ihn oft sogar selbst. Verbunden ist das dann oft mit geführten Touren, Ponyreiten, Glühwein- und Kaffetrinken, Eiserkuchen essen. Für jeden ist also etwas dabei“, erzählt uns Dachdeckermeister Ulrich Bathen.

Eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft

Weihnachtsbaum-Anbau und -Verkauf prägen den Ort – ganz klar. Aber Heringhausen hat noch viel mehr zu bieten. Allen voran heben Bathen und Mertens die gut funktionierende Dorfgemeinschaft hervor. Stolz ist man über den neuen Kinderspielplatz, der 2019 im Rahmen des Leader-Projekts neu gestaltet wurde. Der Spielplatz grenzt an das „Alte Bähnchen“, den Bergmannspfad auf der anderen Seite der Valme, auf dem früher Erz von Ramsbeck nach Bestwig transportiert wurde. Die Lok auf dem Kinderspielplatz und eine Infotafel erinnern an die alte Funktion. Heute führt dort ein Wander- und Fahrradweg vorbei. Ein weiteres Projekt der Gemeinschaft ist der Kindergarten „Zwergenstübchen“, der in Eigenleistung gebaut wurde.

14 Vereine gibt es im Dorf. Unter anderen zählen dazu: der Schützenverein mit 420 Mitgliedern, der TuS Valmetal (gemeinsam mit Ramsbeck), die Freiwillige Feuerwehr und der Karnevalsclub Mühls. Letzterer bietet eine Eigenheit: Der alljährliche Karnevalsumzug findet hier nicht am Rosenmontag statt, sondern bereits am Sonntag davor. Bei der anschließenden Karnevalsparty mit rund 500 Jecken geht es in der Schützenhalle stets hoch her.

Die Dorfgemeinschaft fungiert als Dachverein, jeweils ein Vertreter der anderen Vereine ist vertreten. Bei größeren Veranstaltungen trifft man sich in der Schützenhalle, übrigens „der schönsten in der Gemeinde“, wie Uwe Mertens betont. Dort wird bereits zu Pfingsten das Schützenfest gefeiert.

Auf einen Verein muss unbedingt noch gesondert hingewiesen werden. Und zwar auf den

Ziegenzuchtverein

Während die meisten Flächen rund um den Ort mit kleinen Tannen und Fichten bedeckt sind, sticht eine Fläche daraus hervor: die „Ziegenweide“. Bevor die Fläche vor einiger Zeit renaturiert wurde,  standen auch dort Baumkulturen. Der Ziegenzuchtverein, nun schon über 90 Jahre alt, lässt dort 16 Medeloner Ziegen weiden. Die sich dort überaus wohl fühlen, denn im letzten Jahr wurden dort zwei Zicklein geboren.

Die Tradition des Ziegenzüchtens hängt mit dem Ramsbecker Bergbau zusammen. Von Heringhausen aus wurden viele der Bergleute mit Nahrungsmittel versorgt: Kartoffeln, Zwiebeln etc., aber eben auch Ziegenmilch und Ziegenkäse. Neun feste Mitglieder hat der Ziegenzuchtverein. Nachfolger werden jeweils aus dem Familienkreis gewählt. Aber: „Die Mitgliedschaft wird aber nicht an Frauen weitergegeben“, bemerkt Ulrike Bathen, die Ehefrau des Ortsvorstehers bedauernd. Schon ihr Großvater gehörte dem Verein an.

Schnadegang

Traditionen sind wichtig für ein gesundes Dorfleben. 2014 fand der Jubiläums-Schnadegang zum 700jährigen Bestehen des Ortes statt. Damals wurden die alten Grenzen abgewandert, entlang der Orte, die bis 1907 zur Steuergemeinde Heringhausen gehörten: Andreasberg, Dörnberg, Halbeswig, Grimlinghausen (heute Nierbachtal) und Ziegelwiese, „In diesem Jahr, im September, soll erstmals auf den heutigen Grenzen gelaufen werden“, berichtet Uwe Mertens.

Nächste Ziele

Eine weitere Dorfverschönerung steht in den nächsten Jahren an: Im Rahmen des Leader Projekts soll die Valme renaturniert werden. „Da freue mich schon drauf“, sagt Ulrich Bathen, „Wenn es so ähnlich wie in Ramsbeck werden würde, fände ich das ganz toll.“ Keine Rivalität, kein Gezicke zwischen den Nachbarorten ist da raushören. „Wir haben gelernt, uns mit den Nachbarorten zu freuen“, ergänzt Uwe Mertens, „nicht nur im Fußball, sondern allgemein.“

Bei dieser Grundhaltung verwundert es nicht, dass viele junge Heringhäuser im Dorf bleiben wollen. „Hier gibt es keinen Leerstand. Wenn eine Familie ein Haus verkaufen möchte, ist das in kürzester Zeit in der Hand eines neuen Eigentümers“, berichtet Bathen. Die Anfrage nach Häusern ist recht groß. Bleibt ihnen zu wünschen, dass sich der Wunsch nach einem Neubaugebiet bald erfüllt.

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