Der Sauerländer-Verein Esperanza setzt Corona-Nothilfeprogramm für Menschen im Hochland Guatemalas auf

Foto: Pixabay
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„In Häusern, in denen jemand Hunger leidet, hängt eine weiße Flagge und es sind einige weiße Flaggen in den Dörfern im Hochland von Guatemala zu sehen“, sagt Estuardo Palacios. Er ist der guatemaltekische Projektpartner der drei NRW-Vereine Esperanza e.V. aus dem Sauerland, OYAK e.V. aus dem Siegerland und der Freundeskreis Guatemala e.V. aus dem Münsterland.

Guatemala ist doppelt betroffen durch das Coronavirus Covid-19 – einerseits fehlt es an der nötigen medizinischen Ausstattung zur Behandlung von schwer Erkrankten, und andererseits führt der
Lockdown dazu, dass die Nahrungsmittel knapp und teuer werden, so dass viele Menschen an Hunger leiden.

„Uns erreichen verzweifelte Anfragen aus unseren Projektdörfern, ob wir in dieser Notsituation helfen können“, sagt Timo Peters, 1. Vorsitzender von Esperanza e.V. aus Bestwig. Seit mehr als 25 Jahren unterstützen die Vereine Bildungsprojekte in Guatemala, aber eine solche Notsituation gab es bisher noch nicht.

Daher haben sich die drei Vereine entschieden ein Nothilfeprogramm in Höhe von zunächst rund 20.000 Euro aufzusetzen. Es soll die Produktion von Mund-Nase-Masken, ein Kurzarbeitergeld für die Bauarbeiter der Schulbauprojekte sowie ein Programm zur Lebensmittelbeschaffung für betroffene Projektdörfer beinhalten. „Der guatemaltekische Staat und die internationale Gemeinschaft helfen zwar auch, aber das kommt bei den Menschen im Hochland nicht an,“ sagt Estuardo Palacios, der seit Wochen sein Haus nur noch für die täglichen Besorgungen verlässt aus Angst selber
zu erkranken. Das nächste ordentlich ausgestattete Krankenhaus mit Beatmungsmöglichkeiten ist mehr als 100 Kilometer entfernt und wie die medizinische Situation aktuell dort aussieht, weiß er nicht.

„Wir werden die Dörfer, die sich an uns wenden, finanziell unterstützen, damit sie Nahrungs- und Hygienemittel für die Bedürftigen im Ort besorgen können“, erläutert Timo Peters. Da die Vereine die Dörfer aus den Schulbauprojekten gut kennen, kommen die Gelder auch an und werden entsprechend verwendet. „Wir achten darauf, dass das Dorfkomittee alles selber organisiert vom Einkaufen über Transport bis hin zur Verteilung und alles entsprechend dokumentiert.“ Die ersten beiden Dörfer Vasconcelos und Nueva Esperanza wurden schon mit rund 700 Euro unterstützt. Das reicht für die 60 Betroffenen für einige Wochen. Wie es danach weiter geht, bleibt abzuwarten. „Diese Anfragen werden erst der Anfang sein, da auch die Guatemalteken, wie wir in Deutschland, bis zu einem Impfstoff noch mit Einschränkungen des öffentlichen Lebens leben müssen. Das trifft die Ärmsten der Armen am Härtesten.“ An eine Fortführung der Schulbauprojekte ist momentan nicht zu denken.

„Wir in Deutschland haben die erste Welle noch gut überstanden. Jetzt geht es auch in die Länder zu schauen, die aufgrund von Armut und sehr schlechten Gesundheitssystemen viel schlimmer dran sind, und dort zu helfen“, sagt Dr. Peter Liese, 2. Vorsitzender von Esperanza und Mitglied im Europaparlament. Er hatte Esperanza in den 1990ziger Jahren zunächst als medizinisches Hilfsprojekt gestartet. „Es wäre schön, wenn die Menschen auch in dieser schwierigen Situation andere unterstützen würden. Der Virus ist unter uns und betrifft alle Menschen weltweit. Daher müssen wir
miteinander solidarisch sein.“