Elf Freunde – und eine Wildsau

Elf Freunde – und eine Wildsau 100 Jahre Fußball-Begeisterung in Remblinghausen

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100 Jahre Fußball-Begeisterung in Remblinghausen

Text:     Britta Melgert                          
Fotos:   S. Droste, Britta Melgert, FC Remblinghausen

Denken wir doch mal an die Zeit vor 100 Jahren! 1920 – der Erste Weltkrieg war vorüber, so langsam atmete man wieder auf im Sauerland. Die letzten Kriegsgefangenen kamen zurück in die Heimat. So auch Anton Hesse, der auf seinem langen Heimweg aus England neben wenigen Habseligkeiten eine braune Lederkugel mitbrachte. Er hatte dort auf der Insel Fußball spielen gelernt, und darauf wollte er künftig auch daheim nicht mehr verzichten. Ihm war klar: Er würde die sportlichsten Kerle seines Heimatortes Remblinghausen zusammentrommeln und einen Fußballverein gründen.

„Die 1920er Jahre waren die große Zeit der Vereinsgründungen“, weiß Ernst Halberstadt als 1. Vorsitzender des heutigen FC 1920 Remblinghausen zu berichten. „Die Menschen lechzten damals nach etwas Neuem, nach Unterhaltung, nach Spaß. Neben den Schützenvereinen, die in fast allen Orten des Sauerlandes entstanden, wurde in etlichen Dörfern fortan auch Fußball gespielt. Und natürlich fanden sich auch hier bei uns in Remblinghausen genügend Männer, um sich auf sportlicher Ebene mit den Herren der Nachbarorte zu messen. Unter dem Namen DJK, später Turn- und Sportverein Remblinghausen, wurden fortan Meisterschaftsspiele auf Kreisebene ausgetragen.“

Ein Blick in die Annalen

„Fußball entwickelte sich schnell weg vom Freizeitvergnügen in Richtung Sport. Auch die Elf aus Remblinghausen wurde von Jahr zu Jahr besser, bis der Zweite Weltkrieg das Vereinsleben auf Eis legte“, kann Halberstadt aufgrund alter Vereins-Unterlagen erzählen. Der älteste, heute noch lebende Spieler hat erst bei den Meisterschaftsspielen ab 1945 zum Erfolg der Mannschaft beigetragen.

Durch den Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 war ganz Deutschland im Fußball-Rausch. Auch für das Team aus Remblinghausen konnten immer wieder heimische Jungs motiviert werden, sich als kleiner Fritz Walter oder Franz Beckenbauer zu versuchen. „Bis hinein in die 1970er Jahre waren Schuljahrgänge mit über 30 Kindern der Normalfall, und von den Jungs gingen eigentlich alle noch vor der Ersten Heiligen Kommunion zum FC“, erinnert sich Ernst Halberstadt. „Unsere Nachwuchsarbeit war immer hervorragend, kann sich auch heute noch sehen lassen. Was früher die Bolzplätze im Dorf für die heranwachsende Jugend waren, ersetzt inzwischen unser schönes Kleinspielfeld, das jedem jungen und alten Sportler frei zugänglich ist.“

Ein besonderer Deal machte den Verein berühmt

Und so kam es in all den Jahrzehnten immer wieder zu erfolgreichen Mannschaften, die oft nur aus Remblinghauser Jungs bestanden. Immer mit dabei: Die große Schar der Fans, die nicht nur bei Heimspielen als Zwölfter Mann fungierten. „Der FC war und ist hier im Ort immer ein ergiebiges Gesprächsthema“, lacht Halberstadt, und dann kommt die alte Geschichte von der Wildsau wieder auf den Tisch. Sie ist aber auch zu schön, um in Vergessenheit zu geraten.

„Es war 1950“, so Halberstadt, „irgendwann kamen Gerüchte auf, dass der Erstligist Preußen Münster sich die Ehre geben wollte, den kleinen, sauerländischen Kreisligisten auf ein Freundschaftsspiel zu besuchen. Da stand ganz Remblinghausen Kopf.“ Die Münsteraner hatten jedoch eine Bedingung gestellt: Sie verlangten für ihr Kommen kein Geld, kein Bier, kein Trallala, sondern eine frisch geschossene Wildsau. „Natürlich konnten wir das einrichten“, schmunzelt Halberstadt, „aber durch diesen ungewöhnlichen Deal hatten wir unseren Spitznamen weg. Weit über die Mescheder Grenzen hinweg sind wir seitdem als die Wildsau-Elf bekannt. Einmalig in Deutschland!“

Landesliga und DFB-Pokal

Auch der KICKER berichtete 1986 in dicken Überschriften über die Wildsäue, die als Außenseiter im DFB-Pokal angetreten sind und dann doch die erste Hauptrunde erreicht haben. DFB-Pokal? Ja richtig, inzwischen hatte sich der FC Remblinghausen fleißig nach oben gespielt. „Wer erinnert sich nicht an die großen Jahre unter Trainer Uli Nieswand? 1978 schafften wir mit ihm unseren ersten Aufstieg in die Landesliga. Was haben wir da gefeiert“, erinnert sich Ernst Halberstadt, der selbst als Mittelstürmer für den FC aktiv war. Goldene Jahre!

Jetzt wird investiert und gefeiert

Und heute? Zwei Senioren-Mannschaften gehen für Remblinghausen ins Rennen. Und seit Jahren gibt es auch ein erfolgreiches Damen-Team, dazu sechs Jugendmannschaften und natürlich die Alten Herren. Zusätzlich ist man stolz auf die Tennis-Abteilung. Der kleine Verein von einst hat sich gemausert!

Hundert Jahre Vereinsgeschichte werden in Kürze voll – da will man Zeichen setzen. Ein neuer Kunstrasenplatz soll den Ascheplatz ablösen. Trotz wesentlicher Zuschüsse der Stadt sind erhebliche Summen vom Verein aufzubringen. Remblinghausen sammelt und spendet, aber auch Gelder von Sympathisanten aus anderen Orten werden gern angenommen. Und man will groß feiern. Ein Hoch auf alle Aktive und Ehemalige – aber auch auf Anton Hesse, der mit seiner Begeisterung und seinem braunen Lederball ein neues Lebensgefühl nach Remblinghausen brachte.

„Unsere Nachwuchsarbeit war immer hervorragend, kann sich auch heute noch sehen lassen.“

(Ernst Halberstadt)

Die allererste Mannschaft mit Trainer
Vereinsgründung im Mai 1920
Elf Freunde – und eine Wildsau 100 Jahre Fußball-Begeisterung in Remblinghausen Ernst Halberstadt
Aktuelles Damen Team
Aktuelle A-Mannschaft Herren