PD Dr. Dominic Dellweg
PD Dr. Dominic Dellweg Foto: Heidi Bücker

Von Hermann-J. Hoffe

Schmallenberg (28.04.20) – PD. Dr. Dellweg, Leiter der Pneumologischen Abteilung am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg, hat zusammen mit den Kollegen Thomas Voshaar und Martin Hetzel vom Verband Pneumologischer Kliniken (VPK) aktuelle Empfehlungen zur Behandlung sogenannter „respiratorischer Komplikationen“ bei akuter Virusinfektion außerhalb der Intensivstation, herausgegeben. Hintergrund dafür ist die heftig geführte Diskussion in der Corona-Krise über einen möglichen Engpass an Beatmungsplätzen auf den Intensivstationen (IS).

Die Autoren der Empfehlung kommen zu dem Schluss, dass nach bisherigen Erfahrungen ein Teil der im Krankenhaus mit typischen Symptomen der Infektion aufgenommenen Patienten auch bei nachgewiesener Pneumonie keiner invasiver Beatmung bedarf. Vielmehr können und sollen, so lange es die Stabilität der Patienten unter enger Überwachung erlaubt, diese mittels Sauerstoffgabe oder einer nicht-invasiven Beatmung (NIV) behandelt werden. Konkret: nur eine sehr begrenzte Anzahl der mehr oder weniger stark erkrankten Covid-19 Patienten sollte an ein invasives Beatmungsgerät angeschlossen werden. Wörtlich heißt es: „Auf der anderen Seite gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Viruspneumonie durch Sars-CoV-2 unter invasiver Beatmung einen besseren Verlauf nimmt. Spontanatmung mit und ohne nicht-invasiver Beatmungsunterstützung sollte so lange wie möglich und unter Berücksichtigung bekannter Kriterien der Krankenversorgung erhalten werden“. PD. Dr. Dellweg und seine Kollegen hoffen, dass der Stellenwert der nicht-invasiven Beatmungstherapie auch bei der Anschaffung und Verteilung von Beatmungsgeräten durch die Regierung im jetzigen Krisenfall Berücksichtigung finden sollte.

Beatmungstheraphie auf dem Prüfstand

Um eine Übertragung des Virus vom erkrankten Patienten zum medizinischen Personal und danach vom Pflegepersonal zu anderen Patienten zu verhindern, kommt es, wie schon vielfach berichtet wurde, auf die Schutzkleidung und hier besonders auf eng anliegende Masken an. Wörtlich: „Bei respiratorischen Komplikationen ist der Übertragungsweg der verursachenden Viren praktisch immer aerogen, das heißt die Aerosole müssen eingeatmet werden. Der Übertragungsweg über die Hände ist nachrangig. Die größte Gefährdung geht vom hustenden Patienten aus.“ Um das medizinische Personal sicher zu schützen, müssen besondere Maßnahmen durchgeführt werden. In einer aktuellen eigenen Untersuchung zu diesem Thema, die gerade publiziert wird (Dellweg et al.; DOI https://dx.doi.org/10.21203/rs.3.rs-21269/v1 ) wurde mittels radioaktiven Aerosolen die Dichtigkeit der Masken mit einem entsprechend präparierten Kunstkopf untersucht. Dabei zeigt sich, dass die normalen chirurgischen Halbmasken, aber auch die oft zitierten FFP2 und FFP3 Masken, nur eine Dichtigkeit von maximal 70 % erreichen. Eine leckagefreie NIV-Beatmungsmaske mit 2 Filtern zur Reduktion des Ein- und Ausatemwiderstandes ermöglicht den größten Infektionsschutz (über 90 % bei dichtem Anliegen).

Hustende Patienten größte Gefahr

Die Autoren führen in ihrer Empfehlung noch weitere Gründe an, warum eine Behandlung außerhalb der Intensivstationen vorteilhaft ist. Nach der klinischen Erfahrung können viele Patienten außerhalb der IS mit einer NIV behandelt werden. Dies ist die primär zu bevorzugende Beatmungsform bei Viruspneumonien. Wörtlich: „Nach bisherigen Erfahrungen braucht ein großer Teil der Patienten mit SARS-CoV-2 Pneumonien auch nur vorübergehend eine Atemunterstützung. Die Beatmung dieser Patienten außerhalb der IS schützt wertvolle Ressourcen und hilft somit Sekundärschäden durch Platzmangel für die typischen intensivpflichtigen Patienten zu vermeiden.“  „Fast alle Patienten aus unserer Region konnten wir bereits wieder entlassen“, so Dr. Dellweg. Im Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft kümmert man sich jetzt aber auch um Patienten aus den stärker Betroffenen Regionen Deutschlands. Solidarität ist wie immer in einer Krise auch hier gefragt.