Der Kantor und die Orgelpfeifen

Der Kantor und die Orgelpfeifen Peter Volbracht ist der Herr über 3.650 Orgelpfeifen in der Hüstener Petrikirche

Der Kantor und die Orgelpfeifen Peter Volbracht ist der Herr über 3.650 Orgelpfeifen in der Hüstener Petrikirche

Peter Volbracht ist der Herr über 3.650 Orgelpfeifen in der Hüstener Petrikirche

Text: Anne von Heydebrand

Fotos: Tom Linke

Peter Volbracht sagt, dass er noch nicht mal Blockflöte spielen könne. Für ein „Alle meine Entchen“ müsse er vermutlich eine halbe Stunde üben. Ein Klassik-Konzert auf einem Instrument mit 3.650 (!) verschiedenen Pfeifen beherrscht er allerdings aus dem Effeff. Peter Volbracht ist seit 20 Jahren der Kantor der Gemeinde St. Petri und der Herr über eine der vielseitigsten Orgeln im Paderborner Erzbistum.

Das ist jedoch nicht immer so gewesen. Die Orgel war vor der Renovierung in die Jahre gekommen. 1937 wurde sie von der Orgelbaufirma Feith gebaut. Dicker Staub hatte sich im Laufe der Zeit in jede Ritze gesetzt. Die Technik im Spieltisch war veraltet und es gab immer wieder Aussetzer beim Spielen. Außerdem gab es Nebengeräusche, die manchmal sogar das Orgelspiel übertönten. Keine guten Bedingungen für Peter Volbracht. Orgelkonzerte mit Gastorganisten waren so gut wie undenkbar. 2014 wurde schließlich entschieden, dass es so nicht weitergehen kann. Gemeinsam mit der Firma Rieger aus Österreich erarbeitete der Kirchenvorstand ein neues Konzept.

560.000 Euro kosteten der Umbau und die Renovierung der Orgel. Viel Geld, doch ein Neubau wäre fast doppelt so teuer geworden. „Tatsächlich wurde erst überlegt, ob wir eine ganz neue Orgel bekommen, aber das wollten wir auch aus Respekt gegenüber der alten Orgel nicht“, erklärt der Kantor und ergänzt, dass bei den Planungen auch eine Menge Glück im Spiel gewesen sei. Die Chor-Orgel ist nämlich „secondhand“ und war vorher ein Teil der Orgel im Regensburger Dom. Dennoch gab es im Vorfeld viele kritische Stimmen, die mittlerweile jedoch verstummt sind. „Kultur kostet immer Geld. Aber wir sind eine Pastoralvereinigung mit Schwerpunkt ‚Musik‘. Ich glaube, dass die Orgel in dem Zusammenhang eine gute Investition war“, meint der 45-Jährige.

Der Umbau war jedoch ein echter Kraftakt, wie sich Peter Volbracht erinnert. Die halbe Kirche wurde 2018 zur Werkstatt umfunktioniert. Alle Orgelpfeifen mussten ausgebaut, gereinigt und neu intoniert werden. Außerdem wurden Spiel- und Orgeltische neu gebaut. Insgesamt dauerten die Arbeiten über ein Jahr,  36 Mitarbeiter waren involviert.

Erwartungen an die Orgel übertroffen

„Ich komme aus dem Schmunzeln immer noch nicht heraus. Unsere Erwartungen wurden alle übertroffen. Alle Mängel wurden beseitigt und nun haben wir hier eine der vielseitigsten Orgeln im ganzen Erzbistum“, schwärmt Peter Volbracht beim Anblick der glänzenden Pfeifen der Hauptorgel. Sie steht am Ende des Kirchenschiffs auf einer Empore und bildet eine perfekte Symbiose mit der neuen Chor-Orgel und dem ebenfalls neu hinzugekommen Solo-Werk. „Die Arbeit hier hat mir schon immer Spaß gemacht, aber es ist kein Vergleich zu früher. Wir können jetzt endlich richtige Orgelkonzerte veranstalten. Das hat vorher überhaupt keinen Sinn gemacht“, erzählt Peter Volbracht. Jetzt kommen die Gastorganisten gerne in die Petrikirche. Kein Wunder, denn mit vier Klaviaturen, 60 Registern und 3.650 Pfeifen ist die Orgel nun doppelt so groß wie das Original von 1937.

„Ich bin immer bis zum letzten Ton geblieben.“

Für Peter Volbracht ist damit ein echter Wunsch in Erfüllung gegangen und wenn er auf seine Anfänge blickt, dann scheint es fast Schicksal zu sein, dass er als Kantor in seiner Heimat arbeiten darf. Hier begann nämlich auch seine Geschichte als Organist, denn schon als kleiner Junge war er von der Orgelmusik begeistert. Vor allem die Arnsberger Kirchenmusiker Gustav Biener und Gerd Schüttler haben ihn geprägt. „Ich bin mit meiner Familie jeden Sonntag in die Kirche gegangen und war so begeistert von der Musik. Ich habe den Organisten über die Schulter geschaut und bin immer bis zum letzten Ton geblieben“, erinnert sich Volbracht an die Zeit zurück. Mit 14 Jahren begann er dann seine Ausbildung als Kirchenorganist bei seinem Vorbild Gustav Biener und schloss die C-Prüfung zwei Jahre später bei Hartwig Diehl ab. Peter Volbracht studierte anschließend Kirchenmusik in Essen und obwohl die Jobchancen alles andere als rosig waren, bekam er tatsächlich eine Stelle in seiner Heimat. Ein glücklicher Zufall – oder doch Schicksal? – Peter Volbracht ist noch heute dankbar für diese Fügung.

Neben der Orgelmusik, liegt ihm allerdings auch die Chorarbeit und die Singschule am Herzen, die er mit seiner Frau Bernadette leitet. 150 Kinder betreuen sie dort mit zwei Mitarbeiterinnen. „Die Arbeit mit den Kindern ist besonders toll. Es ist so schön zu sehen, mit welcher Freude sie zu den Proben kommen. Sie sind unsere Zukunft und natürlich hoffen wir, dass sie eines Tages in den Erwachsenenchor wechseln“, erzählt Volbracht und wer weiß, vielleicht können die Kinder ihm bis dahin auch noch „Alle meine Entchen“ beibringen.

„Wir hier eine der vielseitigsten Orgeln im ganzen Erzbistum.“ (Peter Volbracht)

Der Kantor und die Orgelpfeifen Peter Volbracht ist der Herr über 3.650 Orgelpfeifen in der Hüstener Petrikirche
Der Kantor und die Orgelpfeifen Peter Volbracht ist der Herr über 3.650 Orgelpfeifen in der Hüstener Petrikirche
Der Kantor und die Orgelpfeifen Peter Volbracht ist der Herr über 3.650 Orgelpfeifen in der Hüstener Petrikirche