Chor-Musik „made in Sichtigvor“

Chor-Musik „made in Sichtigvor“ Die Mixed Voices begeistern seit drei Jahrzehnten

Chor-Musik „made in Sichtigvor“ Die Mixed Voices begeistern seit drei Jahrzehnten

DieMixed Voices begeistern seit drei Jahrzehnten

Text:             Britta Melgert                          

Fotos:           Oliver Beckmann

Wer donnerstags abends in Sichtigvor spazieren geht, der hört vielleicht Stimmen – zumindest im Bereich des alten Pfarrhauses. Dort treffen sich die Sängerinnen und Sänger von Mixed Voices zum Probenabend. Die einen kommen zu Fuß aus dem Ort angelaufen, andere reisen von auswärts an. Riesen-Hallo und lautes Lachen schallen herunter vom Dachgeschoss, bis dann plötzlich Musik erklingt. Und man überlegt, ob man einfach dort stehenbleiben sollte, um ein kostenloses Konzert zu erleben…

„Es kommt oft vor, dass ich nach einem langen Arbeitstag abgeschlafft und ruhebedürftig nach Hause komme“, erzählt Volker Hopfenhoff, der zweite Vorsitzende des Chors.  „Aber den Probenabend lasse ich mir auf keinen Fall nehmen; der tut mir immer richtig gut.“ Auch Barbara Bögge-Schröder schätzt das Singen in den Abendstunden. „Es ist ein wunderbares Hobby, und dazu genieße ich die tolle Gemeinschaft.“

Chorleiterin Elvira Steinwachs weiß, wovon die Rede ist. „Beim Singen entspannt man nach einem langen Tag ideal, es macht sogar regelrecht glücklich. „Das, was heute die neuesten Forschungen bestätigen, wissen wir schon lange, auch ohne die Wissenschaft zu bemühen“, lacht sie.

Aufwärmtraining wie beim Sport

Und so stimmen sie sich ein, machen Atemübungen, beginnen mit einem Lied in mittlerer Tonlage. „Das ist wie beim Sport“, erklärt Iris Schnelle, die erste Vorsitzende des Vereins. „Da gehört das Warmmachen ja auch zum Schutz des Körpers. Und in der Musik müssen halt unsere Stimmbänder geschützt werden. Und wenn dann Lunge, Kehlkopf, Stimmlippen und unsere körperlichen Resonanzräume gut vorbereitet sind, dann geht es richtig los.“

„Unser Repertoire ist sehr breit gefächert; es reicht von Popsongs bis hin zur Klassik oder Kirchenmusik“, erzählt Barbara Bögge-Schröder. Diese Abwechslung bedeutet aber auch oft eine große Herausforderung. Es ist ein unglaublich befriedigendes Gefühl, wenn man sich nach monatelangem Üben zum Beispiel den „Lobgesang“ von Mendelssohn Bartholdy erarbeitet hat. Dieses Mammutwerk haben wir seinerzeit gemeinsam mit zwei weiteren Chören in den Kirchen dreier Städte aufgeführt – ein wahrlich gewaltiges Erlebnis!“

Hoher Anspruch – starke Gefühle

„Aber dann gibt es auch mal Konzerte mit Musicalsongs oder bekannten Rock-/Pop-Klassikern“, ergänzt Iris Schnelle. „Wenn es die Zeit zulässt, gönnen wir nicht nur uns selbst, sondern auch unserem Publikum die große Freude eines Mitsingkonzerts, wie kürzlich in Belecke. Doch auch diese Lieder trällert man nicht einfach so dahin. Dazu ist viel Probenarbeit erforderlich, denn unser Anspruch ist hoch.“ Barbara Bögge-Schröder ergänzt: „Die Neue Aula war an zwei Abenden restlos ausverkauft. Das gibt uns ein unheimlich stolzes, glückliches Gefühl.“

Stolz und Glücksgefühl – davor steht jedoch immer der große Auftritt. Und allein schon beim Wort Lampenfieber fangen alle an zu lachen und überbieten sich mit Aussagen wie „Ich habe dann immer Bauchweh“, „Das ist grausam“ oder „Ich denke mir dann oft, warum ich mich nicht lieber einfach ins Publikum setze“. Aber das legt sich nach den ersten Liedern. „Ganz wichtig ist der Kontakt mit dem Publikum. Mit den Augen singen, das ist wichtig“, weiß Iris Schnelle, und Barbara Bögge-Schröder bestätigt „Da kommt unglaublich viel zurück, sodass wir ruhiger werden. Und ab dann können wir wahre Leidenschaft beweisen – und das Konzert richtig genießen.“

Ein „geiler“ Chor – mit Lampenfieber

Elvira Steinwachs weiß: „Lampenfieber verliert man nie! Ich kann mich ja mit meiner langjährigen Erfahrung durch die Leitung diverser Chöre inzwischen als Semi-Profi bezeichnen, aber die Anspannung ist trotzdem bei jedem Auftritt wieder da. Es kann so viel passieren, schließlich singen wir unsere Stücke auf der Bühne stets auswendig und ganz ohne Notenblätter. Aber ich weiß natürlich, dass wir gut geprobt haben und dass alles, von der Choreographie bis hin zu den Lichteffekten, in guten Händen liegt. Trotzdem bin ich manchmal echt baff, wie super alles klappt, wenn es darauf ankommt. Die Patzer aus den Proben sind meist wie ausgebügelt. Dann denke ich: Wow, habe ich doch einen geilen Chor!“

Volker Hopfenhoff sieht das gelassener. „Jeder gibt auf seiner Position das Beste, und wenn dann ganz selten doch mal etwas Unvorhergesehenes passiert, geht davon die Welt ja auch nicht unter. Dann gibt es halt ein paar herzliche Lacher, sowohl auf der Bühne als auch im Publikum. That’s life!“

Man sagt, der Applaus sei der Lohn des Künstlers. Volker Hopfenhoff sagt Sahnehäubchen dazu. Und alle sind sich einig, dass die positive Energie vom händeklatschenden Dankeschön die Konzentration und Anspannung der Sängerinnen und Sänger endgültig auflöst. „Ein wunderbares Gefühl“, so ist man sich einig, und Iris Schnelle verrät, dass danach natürlich immer tüchtig gefeiert werden muss, um die monatelange Arbeit würdig abzuschließen.

Blick nach vorne und zurück

Nach dem Konzert ist immer auch vor dem Konzert. Das Musical „Messiah“ von Tore W. Aas steht als nächste große Herausforderung auf dem Plan. Auch Birgit Schwietzer, die seit 25 Jahren dabei ist, freut sich sehr darauf und kann aus Erfahrung sagen: „Man wächst mit den Stücken. Das kriegt unsere Chorleiterin immer gut hin mit uns.“ Etliche der Voices sind von Anfang an dabei, als der Chor 1989 aus den Überresten der Capella Parvula entstand, und sie können das nur bestätigen.

30 Jahre – und kein Ende in Sicht. Während andere Chöre unter Mitgliederschwund leiden, wächst Mixed Voices kontinuierlich. Und mixed, also bunt gemischt, ist nicht nur das Repertoire, sondern auch die Zusammensetzung der Sängerinnen und Sänger. Von 18 bis 70 Jahren sind alle vertreten: Männer und Frauen, Dorfbewohner und Auswärtige, Neulinge und alte Hasen.

Wer nun künftig donnerstags in den Abendstunden vor dem Sichtigvorer Pfarrhaus steht, um fasziniert den Stimmen zu lauschen, soll gern zum Mitsingen unters Dach kommen. Singen macht Freude und entspannt. Das sagt die Wissenschaft … und die Mixed Voices wissen es schon lange.

Chor-Musik „made in Sichtigvor“ Die Mixed Voices begeistern seit drei Jahrzehnten
Chor-Musik „made in Sichtigvor“
Die Mixed Voices begeistern seit drei Jahrzehnten
Chorleiterin Elvira Steinwachs