Vom Kreuzberg und seiner Kapelle in Wormbach geht eine besondere Faszination aus

von Ursula Wiethoff-Hüning

…nicht nur am 20. März 2020! Die geschichtlich bedeutsame und sehenswerte romanische Kirche St. Peter und Paul in Schmallenberg-Wormbach ist weithin bekannt. Dass es auf der naheliegenden Anhöhe, dem Kreuzberg, eine kleine beschauliche Kapelle gibt, ist vielen erst richtig bewusst, seitdem der Sturm Kyrill 2007 den kompletten Fichten-Baumbestand hinweggefegt und den Blick auf das kleine Kirchlein freigegeben hat, das bis dahin versteckt und fast vergessen zu sein schien.

Aus Dankbarkeit von drei Soldaten nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 errichtet, liegt die Kreuzbergkapelle am Ende des Kreuzweges, der von Wormbach auf den Hügel führt. In ungefähr 20 Minuten kann man sie zu Fuß problemlos erreichen. Kapelle und Kreuzwegstationen blieben trotz Kyrill weitgehend unbeschadet. Der Rundumblick vom Kreuzberg ins sogenannte Haverland und in Richtung Schmallenberger Sauerland ist fantastisch.

In den Jahren 2011 und 2012 wird die Kapelle grundlegend renoviert, sodass die täglich geöffnete Kreuzbergkapelle heute wieder ein beliebtes Wanderziel im Schmallenberger Sauerland ist. In den Jahren 2012 und 2013 installiert der Künstler Erwin Wiegerling an der Kapelle eine illuminierte Stahlskulptur, die sogenannte Himmelsleiter, die einen deutlich spirituellen Akzent setzt und diese Kapelle in den Fokus rückt, und das nicht „einfach so“. Viele glauben, dass es mit der Lage und der Bedeutung der Kreuzbergkapelle etwas Besonderes auf sich hat!

Verbindung zu Stonehenge

Bereits in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gelangt die Kapelle durch Veröffentlichungen von Prof. Dr. Heinz Kaminski, Gründer und damaliger Leiter der Volkssternwarte Bochum, zu einer gewissen überregionalen Berühmtheit. Er vermutet, dass auf dem Kreuzberg in vorchristlicher Zeit eine Kultstätte und Sonnenwarte war, sozusagen eine prähistorische Sternenkultstätte, die unseren Vorfahren vor Tausenden von Jahren als Beobachtungsstätte des Himmels gedient habe und mit der wichtige Ereignisse des Himmelsjahres wie die Tag-und-Nacht-Gleiche festgestellt wurden, vergleichbar mit dem südenglischen Stonehenge – Stonehenge und Wormbach liegen beide auf dem 51. Breitengrad –, nur mit natürlichen Landmarken statt der weltberühmten Megalithen.

Ausgangspunkt der Überlegungen Kaminskis ist seine Deutung der Ausmalung der Wormbacher Kirche mit heidnischen Symbolen der Tierkreiszeichen, für ihn eine einzigartige Entdeckung, kunsthistorisch überaus interessant. Diese sind im Gewölbe von St. Peter und Paul so ausgerichtet, wie sie zu Frühlingsbeginn am Himmel zu sehen sind. Für Kaminski ist die Gewölbemalerei ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Wormbacher Kirche an einer Stelle errichtet worden ist, die vor der Christianisierung zur Himmelsbeobachtung gedient hat. Kombiniert mit weiteren Hinweisen schlussfolgert er, dass der Höhenzug der Egge besonders geeignet sei, um himmlische Ereignisse wie Sonnenaufgänge zu beobachten. Insbesondere an den Äquinoktien, den beiden Kalendertagen des Jahres, an denen Tag und Nacht etwa gleich lang sind und die den astronomischen Beginn von Frühling und Herbst definieren.

Der Bochumer Professor nimmt an, dass an den Äquinoktien die Sonne direkt über einem markanten Geländepunkt aufgeht, einem kleinen Hügel namens Hardt. Überprüfen kann er seine Vermutung aufgrund des blickversperrenden Fichtenwaldes nicht, und sein Vorschlag, den Wald zu fällen und Ausgrabungen zu machen, wird abgelehnt. Seit Kyrill kann diese Vermutung definitiv bestätigt werden, sodass in den nachfolgenden Jahren Frühaufsteher zum Frühjahrsäquinoktium (19., 20. oder 21.3.) zur Kreuzbergkapelle wandern, um den Sonnenaufgang zu bewundern – und tatsächlich geht die Sonne dann genau im Osten über dem Hardt auf, wenige Minuten lang eine faszinierende Beobachtung.

Faszination Kreuzberg Bislang fehlen jegliche Beweise, dass auf dem Bergrücken der Egge tatsächlich ein prähistorisches Observatorium gestanden hat. Es werden keine prähistorischen, menschlichen Bauwerke gefunden, die auf eine solche Nutzung hinweisen. Dennoch wird die Theorie von einigen Autoren aufgegriffen und weitergeführt. Knorr und Thiele gehen in ihrem Buch „Der Himmel ist unter uns“ (2003) so weit, zu sagen, dass die Wormbacher Kirche mit ihren Grundmaßen und den Maßen der Friedhofsmauer identisch mit den Abmessungen von Stonehenge sei. All dies ist nicht wissenschaftlich untermauert, zeigt jedoch wenige Minuten lang eine überaus interessante Beobachtung, die von Wormbach und dem Kreuzberg ausgeht.

Unabhängig davon, ob und welche Vermutungen über eine prähistorische Nutzung des Kreuzbergs nun wahr oder doch nur Wunschdenken sind: Fest steht auf jeden Fall, dass der Kreuzberg im Zusammenhang mit der Wormbacher Kirche eine besondere Ausstrahlung besitzt – nicht nur zur nächsten Frühlingsgleiche, in diesem Jahr am 20. März. So wird die Anlage in Wormbach auch im letzten Jahr zu einem der 43 Sauerland-Seelenorte gewählt – Orte von besonderer, auch spiritueller Kraft und Bedeutung im Sauerland!