Wie erreicht man eine Autobahn, die noch gar nicht gebaut ist?

Wie erreicht man eine Autobahn, die noch gar nicht gebaut ist? Die Baustraßenplanung der A 46

Wie erreicht man eine Autobahn, die noch gar nicht gebaut ist? Die Baustraßenplanung der A 46

Die Baustraßenplanung der A 46

Text:  Carla Wengeler

Foto: Margret Liese

Da es sich bei dem neuen Teilstück der Autobahn von Velmede nach Nuttlar um eine Neubaustelle handelt, stellte sich nach der Phase der Straßenplanung die Frage, wie die Mitarbeiter des Baus überhaupt zu Baustelle gelangen können.

Um zu verstehen, wie Straßen.NRW die Wege zu dieser Großbaustelle geplant hat, muss man über die wesentlichen Entscheidungskriterien Bescheid wissen, die zwingend zu berücksichtigen und somit nicht zu vernachlässigen sind. Eine Baustraße muss mitunter für sehr schwere und sehr lange LKWs ausgelegt sein. Außerdem müssen diese Straßen bei jeder Witterung, vor allem auch im Winter, nutzbar sein, was voraussetzt, dass die Straßen asphaltiert sind. Darüber hinaus darf eine solche Baustraße nur eine Steigung von maximal zwölf Prozent haben, größere Steigungen/Gefälle bergen die Gefahr, dass schwere Baustellenfahrzeuge nicht einsetzbar sind. Um paralleles Arbeiten zu ermöglichen, muss eine lange Baustraße auch Begegnungsverkehr zulassen. Damit ist gemeint, dass die Straßen über Ausweichbuchten verfügen, da die meisten Baustraßen lediglich als Sackgassen ausgebildet werden können. Der Verkehr, der zur Baustelle hingeführt wird, muss folglich auch wieder zurückgeführt werden.

Zur weiteren Grundidee der Planung gehört auch, den Baustellenverkehr aus den Wohngebieten fernzuhalten, damit man die Schmutz-, Lärm- und Verkehrsbelastung so gering wie möglich halten kann. Aus diesem Grund wurden die Baustraßennetze nicht von Velmede oder Bestwig aus über die Ruhr geplant, abgesehen davon, dass die Straßen in den Wohngebieten auch nicht für bis zu 60 Meter lange LKWs, die bis 220 Tonnen schwer und 6,50 Meter breit sein können, ausgelegt sind.

Schlussendlich hätte Straßen.NRW auf nur eine öffentliche Gemeindestraße, den Föckinghauser Weg zurückgreifen können. Dieses wurde jedoch verworfen. Die Basis der zentralen Baustraßennetze im Bereich der Talbrücke Nuttlar sowie zu den Talbrücken Schormecke und Bermecke ergab sich in der Regel durch Wirtschafts- und Forstwege, die dann so verstärkt und angepasst wurden, dass sie die Belastung durch die Baustellenfahrzeuge auch aushalten konnten. In welchem Umfang Straßen.NRW diese Baustraßen wieder zurückbauen muss, regelt sich individuell mit den jeweiligen Grundstückbesitzern.

Es ist ebenfalls sehr wichtig, sich sämtliche Zufahrten zu den einzelnen Baustellen vor Beginn des Baus rechtlich absichern zu lassen, damit einer professionellen Zusammenarbeit mit den Grundstücksbesitzern nichts im Wege steht. In diesem konkreten Fall waren die Baustellennetze Bestandteil des Planfeststellungsbeschlusses. Außerdem muss auch dafür gesorgt werden, dass das Regenwasser von den Baustraßen kontrolliert abgeleitet werden kann. Hierfür wurden eigens temporäre Sickerbecken mit einem Fassungsvermögen bis zu 30 Kubikmeter erstellt. Das erste von drei Baustraßennetzen, die insgesamt eine Länge von 13 Kilometern hatten, begann beim bisherigen Ende der A 46, der Abfahrt Bestwig. Die Baustraße (ca. 3 km lang) für diesen Teilabschnitt wurde im künftigen Trassenverlauf der A 46 geplant. Es wäre umständlicher und auch teurer gewesen, für jedes Bauwerk ein einzelnes Netz von Baustraßen aufzubauen. Somit konnten auch die Eingriffe in die Natur gering gehalten werden. Das zweite Baustraßennetz wurde rund um die Talbrücke „Nuttlar“, die höchste Talbrücke in ganz NRW, aufgebaut. Allein hierfür wurden rund 3,5 km an Strecke benötigt. Das letzte größere Baustraßennetz wurde dann für das Ende der Autobahn in Nuttlar und dem damit verbundenen Zubringer aufgestellt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Baustraßenplanung ein Zusammenspiel zwischen den Abteilungen Planung und Bau ist. Etwas, was in 2D auf der Karte möglich erscheint, ist in 3D auf der realen Strecke vielleicht gar nicht umzusetzen. Planung ist also das eine, aber ohne die Kenntnis der künftigen Baustelle würde vieles nicht so funktionieren, wie es sollte. Es gibt nicht die eine Lösung für die Anlage von Baustraßen. Jede Baustelle hat ihre sehr speziellen Besonderheiten. Eine detaillierte Planung ist somit unerläßlich.

Baustraßenplanung – ein Zusammenspiel von Planung und Bau

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