Der Künstler Thomas Jessen aus Eslohe

Fünf Fragen auf der WOLL-Bank

Text von Andrea Gödde-Kutrieb – Foto: Heidi Bücker

Das Wetter ist so, wie es sich für einen Spätherbst im Sauerland gehört – grau und regnerisch! Das hat uns aber nicht davon abgehalten, ein Interview auf der WOLL-Bank zu führen. Diesmal sitzt Thomas Jessen mit uns auf der Bank. Als Künstler, Jahrgang 1958, ausgebildet an der Kunstakademie Düsseldorf und der Cité Internationale des Arts in Paris, hat er seit langem einen Namen in der Kunstszene, ist in namhaften Galerien und in Ausstellungen im nationalen und internationalen Raum vertreten. Neben Gemälden kreiert er Kirchenfenster und Konzeptionen für Kirchengebäude. All das entsteht in seinem Atelier am Rande von Eslohe – vis-à-vis vom DampfLandLeute-Museum, im alten Bahnhof des Ortes.

WOLL: Thomas, manche Menschen sind ganz erstaunt darüber, dass du als namhafter Künstler doch so „normal“ bist. Was erdet dich hier im Sauerland?
Thomas Jessen:
Das kann man selber natürlich schwer beantworten, aber ich glaube, es sind die Menschen. Ich liebe Menschen, bin gerne mit ihnen zusammen und höre auch gerne zu. Die Menschen im Sauerland sind mir als gebürtigem Westfalen sehr nah. Man kennt mich hier, hält ein Pläuschchen beim Einkaufen oder auf Festen. Ich bin im Vereinsleben aktiv und genieße das sehr. Wahrscheinlich erdet mich das tatsächlich.

WOLL: Und was inspiriert dich für deine Arbeit?
Thomas Jessen:
Es sind die Landschaft und die Natur. Die Berghänge, nicht schroff, sondern fast wie mit Bedacht in die Landschaft gestreut, das findet man sonst nirgendwo. Ich bewege mich gern in der Natur und finde hier ganz viel Input. Für mich ist es zum Beispiel ein großes Glück, Pilze zu sammeln. Der ganze Vorgang, das Wandern, Suchen, Finden, Riechen und Schmecken. Dabei wird mir der Sinn des Lebens ganz deutlich.

WOLL: Andere nutzen das Malen zum Abschalten vom normalen Alltag, wie und womit erreichst du das?
Thomas Jessen:
Ich mache Musik. Ich spiele Trompete im Blasorchester St.Peter und Paul, außerdem bin ich Mitglied der Parforcehornbläser Homert. Beides ist eine tolle Sache und unterscheidet sich völlig von meiner Arbeit im Atelier, bei der ich sehr mit mir beschäftigt und im Tunnel bin. Wie aus vielen einzelnen Instrumenten ein großes Ganzes entsteht, und die Gruppendynamik dabei zu spüren, das ist schon faszinierend. Ich erinnere mich an unseren Auftritt mit den Parforcehornbläsern vor gut einem Jahr im Kölner Dom. Das war Gänsehaut pur. Für uns Musiker, aber auch für die Zuhörer.
Ein tolles Erlebnis.

WOLL: Wärst du nicht Maler geworden, wärst du heute …
Thomas Jessen:
… vielleicht Filmregisseur. Damals hatte ich das noch nicht auf dem Schirm. Aber das hat ja auch was mit Kunst zu tun. Ich muss sagen, dass ich schon sehr schnell nach Studienbeginn in Düsseldorf gespürt habe, dass Kunst für mich das Richtige ist.

WOLL: Lieber Thomas, vielen Dank für das Interview.