IHK: A 46 ist zentrale Lebensader/Einkaufsstadt Neheim hat frühzeitig profitiert

„Nicht nur Wirtschaft und Industrie profitieren von der A 46“: Thomas Frye.

„Nicht nur Wirtschaft und Industrie profitieren von der A 46“: Thomas Frye.

Wichtige Impulse für Ortsentwicklung

Text: Paul Senske       

Foto: IHK

„Die A 46 ist die zentrale Lebensader fürs gesamte Sauerland, besonders die Ruhrtal-Achse profitiert in hohem Maß von der Autobahn“, sagt Thomas Frye von der IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland. „Aber nicht nur für Wirtschaft und Industrie ist die A 46 von großer Bedeutung. Sie war und ist auch ein wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung der Städte und Gemeinden der Region.“ Von daher ist es auch ein dringendes Anliegen der IHK, dass nach Velmede – Nuttlar auch die Lücken zwischen Nuttlar und Brilon/Bad Wünnenberg sowie zwischen Hemer und Neheim geschlossen werden.

Frye ist IHK-Geschäftsbereichsleiter für Standortpolitik, Innovation und Umwelt und kennt die fast 60-jährige und wechselvolle Geschichte der unvollendeten Autobahn, die bereits in den 1950er Jahren ihre Anfänge hatte. Frye hat sich auch und besonders mit dem Thema „Autobahn und Standortentwicklung“ beschäftigt. „Neheim beispielsweise hat entscheidend vom Bau der Autobahn profitiert. Die Freigabe des Teilstücks zwischen Neheim und Hüsten 1987 war ein wichtiger Impuls für die Entwicklung Neheims“, betont Frye. „Durch die Autobahn wurde der starke Verkehr aus der Stadt gezogen – die städtebauliche Neuordnung unter anderem mit Fußgängerzone begann und lockte Geschäfte an. Neheim als Einkaufsstadt hat frühzeitig und entscheidend profitiert.“

Im weiteren Verlauf führt die Autobahn in Tunnellage mitten unter den Arnsberger und Mescheder Ortsteilen Uentrop und Olpe hindurch. „Dadurch wurden nachhaltige Impulse für die Ortskernentwicklung gelegt.“ In Uentrop entstand auf dem Tunnel ein herrlicher Dorfplatz mit Sport- und Freizeitmöglichkeiten. In Olpe wird das hochwertige Baugebiet „Am Aeppelköpfchen“ mit rund 25 vorwiegend Einfamilienhäusern gebaut – in unmittelbarer Nähe der Autobahntrasse. Das prosperierende Gewerbegebiet Meschede-Enste – der gewerbliche Schwerpunkt der Wirtschafts-Region Meschede – wäre ohne die A 46 schwer vorstellbar. „Das Sauerland war immer schon eine starke Wirtschafts- und Industrieregion, die Autobahn ist für die Unternehmen von überragender Bedeutung“, erklärt Frye.

„Für Brilon ist es ein erheblicher Standortvorteil, wenn sich der Verkehr von und nach Brilon verflüssigt“ (Thomas Frye)

Das gilt natürlich auch für Brilon mit dem sehr starken Gewerbegebiet. In den 1980er Jahren war Brilon für Unternehmen weniger attraktiv. Im Lauf der Jahre hat sich der Standort aber hervorragend entwickelt. In Brilon könnte zudem am Nehdener Weg ein „innovatives“, interkommunales Gewerbegebiet unter Beteiligung von Bestwig und Olsberg entstehen – mit Aufteilung der Gewerbesteuer unter den drei Kommunen. „Das Manko ist die großräumige verkehrliche Lage. Man hatte gehofft, dass die Autobahn früher kommt“, sagt Frye. „Das Nadelöhr Bestwig ist beseitigt. Jetzt geht es um die Fortführung Richtung Brilon, weiter über Alme und Bad Wünnenberg bis zum Autobahnkreuz Wünnenberg/Haaren (A 44/A 33), die als Bundesstraßen-Lösung B 7/B 480 n vorgesehen ist. Für Brilon ist es ein erheblicher Standortvorteil, wenn sich der Verkehr von und nach Brilon verflüssigt.“

Beim Lückenschluss der Autobahn 46 zwischen Hemer und Neheim sieht der Bundesverkehrswegeplan eine Kombination aus Autobahn und Bundesstraße vor: A 46 zwischen Hemer und Menden, ab Menden bis zur A 445 in Neheim als kreuzungsfrei trassierte B 7n mit wechselseitiger Überholspur. Die IHK trägt diese Kompromisslösung mit. Gegen alle Varianten gibt es erhebliche Widerstände bei Naturschützern und Teilen der Bevölkerung in Wickede und Ense, u. a. von der Gruppeninitiative gegen den Bau der A 46 (GigA 46). Der nächste Planungsschritt ist der Abschluss der Linienfindung der B 7n. Dazu ist eine neue Umweltverträglichkeits-Studie erforderlich. Straßen NRW hat unter Bürgerbeteiligung ein Dialogforum initiiert. „Bei diesem Planungsdialog sollen alle Probleme auf den Tisch“, betont Frye. „Es geht um eine Abwägung der Mobilitätsforderungen der Wirtschaft und Bürger mit den Belangen von Umwelt- und Naturschützern. Der Lückenschluss ist nicht nur für die Wirtschaft wichtig, er würde sich auch auf die Stadtentwicklung von Hemer und Menden positiv auswirken. Auch Arnsbergs Ortsteil Voßwinkel würde erheblich profitieren.“

Als dringend und „immer wichtiger“ bewertet die IHK auch den Neubau der Landesstraße 776 vom sogenannten „Evenkopf“ nördlich Nuttlar bis zum A 46 -Zubringer B 480n südlich der A 46 (erster Bauabschnitt). Dieser Neubau soll die vorhandene und durch Nuttlar führende L 776 ersetzen und eine unmittelbare Verknüpfung mit der Autobahn herstellen. Durch den Neubau ist in der beengten Ortsdurchfahrt eine erhebliche Minderung des Durchgangs-Verkehrs zu erwarten.

Wesentlich weiter ist die L 776n bei Bad Fredeburg. Der Spatenstich für die Ortsumgehung erfolgte im Oktober 2018 und gilt als „historischer Moment“, wie es Landrat Dr. Karl Schneider ausdrückte. Die Arbeiten laufen und sollen – so die Schätzung – Ende 2022 beendet sein. Für den Kurort Bad Fredeburg sollen sich durch die Entlastung des innerörtlichen Verkehrs neue touristische Möglichkeiten ergeben.

Als vordringlich sieht die IHK auch den Bau der Ortsumgehungen in Meschede-Olpe, Meschede-Berge sowie in Eslohe-Wenholthausen. Hintergrund: Die L 541 ist eine wichtige Achse aus dem Raum Eslohe/Schmallenberg zur A 46. Die Verkehrsströme zur Autobahn haben sich in den letzten Jahren von der B 55 auf die L 541 verlagert. Die Landstraße führt aber durch Wenholthausen, Berge und Olpe, mit negativen Einflüssen auf den Verkehrsfluss sowie die Wohn- und Lebensqualität. „Durch den Neubau könnte die verkehrliche und räumliche Anbindung des Schmallenberger Sauerlandes, das eine überdurchschnittlich hohe Zeit-Distanz zur nächsten Autobahn aufweist, deutlich verbessert werden.“ Aus Sicht der Wirtschaft – so Frye – sei es bei der konkreten Streckenplanung sinnvoll, die Anbindung an die in Olpe abzweigende L 686 mit neuzuordnen und zu optimieren. Das sei für die Anbindung des Sunderner Wirtschaftsraumes von Bedeutung.

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