Die St.-Blasius-Kirche Westfeld

Wo die Kirche noch mitten im Dorf steht

Text von Heike Schulte-Belke – Fotos: Heidi Bücker

Wenn man durch den Schmallenberger Ortsteil Westfeld kommt, steht mitten im Ort an der Hauptstraße die St.-Blasius-Kirche. Eine kleine Kapelle, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde, stand nicht an dieser Stelle, sondern gegenüber auf dem Hof Clemens, neben der damaligen Schule im älteren Dorfmittelpunkt. Im Jahr 1878 musste die Kapelle wegen Baufälligkeit weichen und eine Kirche wurde errichtet – ohne Turm und mit bescheidenem Ausmaß. 1909 wurde sie durch den Anbau einer Sakristei vergrößert und mehr als fünfzig Jahre später, im Jahr 1930, wurde der Kirchturm gebaut. Bis heute ist er unverändert geblieben. Neben drei mittelgroßen Glocken ertönt in der Kirche eine kleine, die alte originale Kapellenglocke.

Seit einer umfangreichen Erweiterung im Jahr 1956 besteht die neue geräumige Dorfkirche, wie wir sie heute vorfinden, aus ihrem alten Teil, dem Turm und dem Neubau. Der alte Teil umfasst heute den kompletten Chorraum, so hat man eine Vorstellung, wie klein die damalige Kirche war. Der restliche Teil kam damals hinzu, so hat die Kirche auch eine andere Ausrichtung bekommen. 1988/89 wurde durch den ortsansässigen Orgelbauer Albers eine neue Orgel im barocken Stil gebaut. Seitdem ist die Orgelbühne hinten in der Kirche, zuvor war sie vorne links über der Sakristei. Durch große Fenster von der übrigen Kirche abgeteilt ist dort ein Mehrzweckraum entstanden, der unter anderem als Pfarrheim genutzt wird.

Zwei große Fenster aus der früheren Kirche sind rechts und links im alten Chorraum zu finden. Auf ihnen sind der heilige Blasius und der heilige Johannes der Täufer dargestellt. Ein weiteres Fenster ist im Rahmen der Renovierung 2008/09 dort neu angebracht worden und ziert die Mitte des alten Chorraums. Die Ornament-verglasung soll an die des Kirchbaus von 1878 erinnern. Darunter findet auch die Figur der Mutter Gottes ihren Platz, die früher im hinteren Teil der Kirche stand. Auch der wunderschöne Tabernakel, der links neben dem Altar sofort ins Auge fällt, stammt aus dem Jahr 1956. Er steht auf einer Stele, aus drei Sandsteinblöcken gefertigt, die zwischenzeitlich vor der Kirche standen. Ambo und Altar wurden passend dazu aus demselben Stein erstellt und bilden eine Einheit. Ein großes Kreuz, das damals den Chorraum zierte, ist im vorderen Bereich der Kirche an der Decke angebracht, ohne den Hochaltar zu verdecken.

Die sechs großen Figuren an den Chorpfeilern stammen aus der Zeit nach 1878, als die Kirche neu erbaut wurde, und sind aus altem Westfelder Bestand. Eine Besonderheit sind die Figuren der zwölf Apostel, die rechts und links im Mittelschiff zu finden sind – selten in Sauerländer Kirchen. Erst bei der letzten Renovierung im Jahr 2009 wurden sie von Georg Steden aus Züschen gefertigt, da die beiden Seitenwände der Kirche etwas leer wirkten. Alle Figuren wurden damals gestiftet. Dass für eine davon zunächst kein Stifter gefunden wurde, sollte für die Westfelder kein Problem sein. Bald wurde eine Stiftergemeinschaft gegründet, um auch die letzte Figur finanzieren zu können. Bis heute treffen sich die Mitglieder regelmäßig; so wirkt diese Idee bis heute nach und fördert seit Jahren die Gemeinschaft.

Ob der alte, original erhaltene Hochaltar auch aus der früheren Kapelle stammt, ist unklar. Darüber gibt es keine genauen Angaben und es scheiden sich die Geister. „Das wird wohl ein Geheimnis des Glaubens bleiben“, sagt Pastor Ulrich Stipp mit einem Augenzwinkern. Der Altar wurde allerdings mal erweitert. Bei der letzten Renovierung wurden beide Teile wieder zusammengefügt, die zuvor getrennt im Raum aufgestellt waren.

Unter den Apostel-Figuren sind auf zehn Seitenfenstern verschiedene Heilige dargestellt. Im hinteren Bereich der Kirche steht das Taufbecken. Die Abdeckung vom Taufstein wurde von dem aus Siedlinghausen stammenden Bildhauer und Maler Eugen Senge-Platten gefertigt. Eine weitere Besonderheit stellt das Totenbuch dar, das ebenfalls im hinteren Bereich der Kirche in einer kleinen Glasvitrine liegt. Dort werden alle Verstorbenen der Gemeinde in aufwendiger Tuscheschrift eingetragen, und immer passend zur aktuellen Kalenderwoche werden die entsprechenden Seiten aufgeschlagen.

Ein gestalterisches Wesensmerkmal der St.-Blasius-Kirche ist, dass Alt und Neu aus verschiedensten Beständen harmonisch zusammengefügt wurden.