Kommt es (tatsächlich) zum Kundenschwund?

Kommt es (tatsächlich) zum Kundenschwund? Bestwigs Betriebe gehen mit Qualität und Service in die Zukunft

Kommt es (tatsächlich) zum Kundenschwund? Bestwigs Betriebe gehen mit Qualität und Service in die Zukunft

Bestwigs Betriebe gehen mit Qualität und Service in die Zukunft

Text: Britta Melgert
Fotos: Britta Melgert, S. Droste

Von der Verlängerung der A 46 erwartet man sich eine gewisse Entlastung der alten B 7. Doch bedeutet weniger Durchgangsverkehr auch weniger Kundschaft für Bestwigs Geschäfte? Entstehen vielleicht gerade durch eine Reduktion des Verkehrs neue Chancen für die Unternehmen vor Ort? Wir wollten mal wissen, welche Erwartungen vorherrschen.

Olaf Badelt, 1. Vorsitzender der Werbegemeinschaft Bestwig, blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Für viele unserer Betriebe wird sich nicht viel ändern. Ich glaube kaum, dass es zu nennenswerten Schließungen kommen wird“, meint er und bemüht die Statistiken: „Bis zu 23.000 Fahrzeuge durchqueren Velmede, Bestwig und Nuttlar aktuell Tag für Tag. Seien wir ehrlich – darunter ist recht viel reiner Durchgangsverkehr. Natürlich werden die Tankstellen angefahren. Der eine oder andere Autofahrer nutzt die Chance auf einen schnellen Einkauf in den Discountern am Wegesrand. Hungrige Urlauber sind eine wichtige Kundengruppe in den Imbissen und Bäckereien. Aber für einen Einkauf bei einem Großteil unserer Geschäfte kommen die Kunden gezielt hierher. Das wird sich kaum ändern, nur weil die Autobahn an Bestwig vorbeiführt.“

Einkaufserlebnis ohne Stau

So sehen das auch Derya Eroglu und Josef Klauke vom Möbel Markt Bestwig. „Wir leben von unseren Stammkunden. Das sind die Menschen aus dieser Gegend. Spontankäufe, nur weil wir auf dem Weg liegen, gibt es hier eher nicht“, weiß Geschäftsführerin Eroglu, und Josef Klauke ergänzt: „Wir können uns sogar vorstellen, dass das Einkaufserlebnis in Bestwig für die Menschen aus den umliegenden Orten wieder attraktiver wird, wenn man hier nicht ständig mit Staus rechnen muss.“

Ähnlich sieht das auch Mirko Hockel von Elektro-Maschinen Hegener. „Urlauber oder Pendler kaufen bei uns vielleicht mal ein Ladekabel fürs Handy, aber selbst das kommt selten vor.“ Für ihn ist ein anderer Gedanke wichtig: „Tagtäglich vergeuden unsere Kundendienst-Mitarbeiter wertvolle und teure Zeit hier im zähen Verkehr. Wenn wir nun eine Veränderung erleben, entlastet uns das immens.“

Mit Stammkunden in die Zukunft       

Auch kleinere Betriebe befürchten keinen Umsatzeinbruch. „So gut wie alle Kunden, die in unser Blumenhaus kommen, kenne ich mit Namen“ erzählt Stefan Wigge. „Wir haben treue Stammkunden, die auch aus den umliegenden Dörfern direkt zu uns kommen.“ Der Familienbetrieb betreibt auch eine Filiale in einem Olsberger Supermarkt, daher kann er berichten: „Als die dortige Umgehungsstraße fertig wurde, hat uns das dort eher geholfen. Warum sollte das hier in Bestwig also anders werden?“

Dirk Baums, Inhaber des Waffengeschäftes Melches, sieht die Lage ebenfalls entspannt. „Unsere Laufkundschaft ist marginal. Es gibt sogar Kunden, die unser Geschäft in der letzten Zeit gemieden haben, weil der Verkehr sie störte. Ich freue mich daher schon lange auf die Fertigstellung des neuen Autobahn-Teilstückes.“ Dorothee Lauff sieht für ihren Lotto- und Schreibwarenladen ebenfalls nur Vorteile. Gerade freitags sind die Kunden oft genervt. „Viele fahren doch lieber schnell nach Meschede oder Eversberg, um den Lottoschein abzugeben oder sich die neueste WOLL zu holen. Ich bin sicher, dass das hier besser wird.“

Mit Qualität und Ambiente Kunden begeistern

Etwas verhaltener äußern sich dagegen einige Gastronomen. Birsel Arapoglu vom Café Vier Jahreszeiten denkt, dass insbesondere das spontane Anhalten auf einen Kaffee oder ein Eis fehlen könnte. „Aber der Großteil unserer Kunden lebt ohnehin direkt in der Nähe.“

Ingo Krey vom Highway Man setzt auch weiter auf seine Stammkundschaft. „Unser Einzugsgebiet reicht durch unsere Ausrichtung auf amerikanische Gerichte und passendes Ambiente weit über Bestwig hinaus“ weiß er, und ergänzt: „Letztlich setzt sich Qualität immer durch.“

Mehr Übernachtungen dank Marketingkonzepten

Das bestätigt auch Tourismusdirektor Norbert Arens. „Bestwig zählt jährlich rund 100.000 Übernachtungen. Die 23 heimischen Übernachtungsbetriebe, z. B. das Bergkloster, das Schullandheim, Fort Fun, Gasthöfe und Hotels werden durch das neue Autobahnstück kaum betroffen sein.“

Mit durchdachten Marketingkonzepten wolle man die Bestwiger Region weiter interessant halten. „Wir kommen mehr über unsere Themen an die Gäste als über unsere Orte. Da locken beispielsweise der Ruhrtal- und der Sauerlandradring oder unsere Wanderwege.“ In die Zukunft blickend verrät er, dass verstärkt mit Naturerlebnissen wie Höhlen, Steinbrüchen und Bergwerken geworben werden soll. „Dafür sind ein paar Minuten mehr oder weniger für die Anfahrt aus dem Ruhrgebiet oder den Niederlanden nicht wirklich entscheidend.“

Geschäftsschließungen habe es immer gegeben und werde es weiter geben. Auch den Trend des Einkaufs im Internet könne man ja nicht aufhalten. Dieses jedoch der Autobahnerweiterung anzulasten, hält Arens für falsch. „Gut, niemand weiß, was passieren wird, aber in zehn Jahren sind wir schlauer!“

„niemand weiß, was passieren wird, aber in zehn Jahren sind wir schlauer“

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Olaf Badelt, 1. Vorsitzender der Bestwiger Werbegemeinschaft
Josef Klauke und Derya Eroglu vom Möbel Markt Bestwig
Stefan Wigge vom Blumenhaus Wigge
Dirk Baums, Waffen Melches
Dorothee Lauff im eigenen Lotto- und Schreibwarenladen
Birsel Aropglu vom Café Vier Jahreszeiten
Ingo Krey, Highway Man
Tourismusmanager Norbert Arens vor Werbetafel am Bestwiger Bahnhof