„Familiäre Bauernbetriebe werden auch in Zukunft das Sauerland prägen.“

Kreislandwirt Stefan Belke aus Winkhausen

Text von Tiny Brouwers – Fotos: Heidi Bücker

„Die familiären Bauernbetriebe haben über die Jahrhunderte das Sauerland geprägt. Durch diese Entwicklung ist unsere Gegend auch so beliebt bei den Urlaubern. Obwohl die Landwirtschaft schwierige Zeiten erlebt, wird das auch in Zukunft so bleiben. Tierhaltung wie die von Milchkühen und Mutterkühen sowie Ackerbau, unter anderem für das Tierfutter, sind die wichtigsten Zweige, zusammen mit der bäuerlichen Forstwirtschaft“, sagt Stefan Belke aus Winkhausen.

Nicht einfach
Im November war Belke viel bei seinen Kollegen im Hochsauerlandkreis unterwegs, um über neue oder erneuerte gesetzliche Regelungen und die Zukunft der Region zu sprechen. Seit langem sieht er den Trend, dass die Bauern durch den großen bürokratischen Aufwand immer mehr zu tun haben. In Deutschland habe sich diese Entwicklung noch verstärkt, weil aus dem Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt zwei wurden: eines für die Landwirtschaft und eines für die Umwelt. Und das Umweltministerium hat in vielen Punkten andere Ansichten.„Familiäre Bauernbetriebe werden auch in Zukunft das Sauerland prägen.“ Stefan Belke nennt zwei Beispiele: „Am Niederrhein oder im Münsterland liegt die Nitratbelastung im Grundwasser wegen der vielen Tiere deutlich über den Grenzwerten. Und das beeinflusst jetzt auch die Bauern im Sauerland, obwohl die nur circa eine Großvieheinheit pro Hektar haben. Wegen der neuen Düngerverordnung können die Bauern immer weniger Gülle auf Feld und Wiesen bringen. Aber Gülle ist Nahrung für das Gras und die Pflanzen. Wenn sie unterernährt werden, können sie Nährstoffe nicht mehr binden und aufnehmen. Entzug durch Ertrag ist ein wichtiger Baustein zum Grundwasserschutz.“

Die Realität ist anders
In Rundfunk, Fernsehen und den sozialen Medien ist die Tendenz zu sehen, dass sich ganze gesellschaftliche Gruppen von der Landwirtschaft abwenden, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Gentechnik, Tierquälerei und Glyphosat sind Schlagwörter, mit denen die zerstörerische Landwirtschaft beschrieben wird. „Aber die Realität ist anders. Der moderne Pflanzenbau kann mittels GPS-Geräten genau wissen, wo man Pflanzen bis zu 40 Prozent weniger spritzen kann – alles mithilfe neuer Techniken, die wir gerne in der Landwirtschaft nutzen. Die Diskussion um das Verbot von Glyphosat muss aufhören. Wir diskutieren uns in der Europäischen Union schon seit Jahren tot in der Frage, ob es krebserregend ist oder nicht“, sagt Belke. Er weist darauf hin, dass die Bauern – auch im Sauerland – viel transparenter arbeiten als noch vor Jahren.

„In meinem Milchviehbetrieb ist der bürokratische Aufwand sehr gewachsen. Die Molkereigenossenschaft Hochwald in Thalfang hat ein Qualitätsprogramm entwickelt, in das viele Wünsche der Verbraucher in Form konkreter Maßnahmen auf dem Hof eingeflossen sind. Hochwald- Mitglieder, die an diesem Programm teilnehmen, bekommen jährlich einen Cent mehr für die Milch – für Maßnahmen zur Tiergesundheit und zum Tierwohl (45 %), für Umwelt (25 %), Energie (20 %) und Öffentlichkeitsarbeit (10 %). Ab Ende 2019 werden externe Experten in einem Audit prüfen, ob ich im Rahmen dieses Programms alles gemacht habe und diesen Extra-Cent pro Kilogramm Milch bekomme. Auf diese Art und Weise arbeiten wir im Interesse der Gesellschaft und reagieren auf Wünsche des Marktes. Diese Änderungen werden also nicht vom Staat diktiert, wir sind selbst marktgesteuert verantwortlich“, sagt Belke.

Zu wenig Aufklärung
Warum wird so wenig über die Entwicklungen in der Landwirtschaft aufklärt? „Eine gute Frage“, sagt der Winkhauser Milchbauer. „Der Frust in der Landwirtschaft war in der letzten Zeit so groß, dass viele junge Bauern – auch aus dem Sauerland – mit ihren Treckern zur Demo nach Bonn gefahren sind. Ich bin stolz, dass diese jungen Burschen den Verbrauchern von den aktuellen Entwicklungen in unseren Betrieben erzählt haben. In Juli 2020 organisieren wir unseren Tag der offenen Höfe. Und mittlerweile gibt es deutschlandweit Agrarscouts. Das sind junge Bauern, die nach einer Ausbildung in den Einkaufszentren der Städte über die moderne Landwirtschaft informieren. Und wenn bei uns im Sauerland Gäste aus Deutschland und dem Ausland an unseren Höfen vorbeispazieren, können wir diese Urlauber gerne einladen, sich die Ställe anzuschauen: Wir Bauern haben nichts zu verbergen.“

Rohmilchkäse „Der Winkhauser“ hat sich einfach so ergeben
Belke (54 Jahre) ist Milchbauer in Winkhausen, verheiratet mit Birgit. Die beiden haben drei Söhne, die alle auf dem Hof mitanpacken, wenn sie Zeit haben. Sohn Daniel möchte den Hof gerne einmal weiterführen. Belke liefert die Milch seiner 70 Kühe an die Genossenschaftsmolkerei Hochwald in Thalfang (Rheinland-Pfalz).
Freunde aus Kreuztal hatten vor acht Jahren die Idee, mit einer hochmodernen, mobilen Käserei durch die Gegend zu fahren. Seitdem wird auch in Winkhausen Rohmilchkäse gemacht, die anfangs nur in Winkhausen selbst verkauft wurde. In den letzten Jahren hat sich das Geschäft weiterentwickelt. Mittlerweile hat Belke seinen eigenen Käsekeller, in dem dieses Naturproduktreift und wo er die Käselaibe täglich pflegt. Kaufen kann man den Käse in den regionalen Markant-Supermärkten, gemischt mit westfälischem Schinken bei Feinkost Henke in Oberkirchen, oder man kann ihn bei Hotel Deimann in Winkhausen genießen.
Der Milchbauer ist Kreislandwirt bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Meschede und Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Sauerland Hellweg Lippe e. G.