Brückenplanung

Brückenplanung - eine Meisterleistung der konstruktiven Ingenieure

Brückenplanung - eine Meisterleistung der konstruktiven Ingenieure

– eine Meisterleistung der konstruktiven Ingenieure

Text: Christel Zidi

Wir planen mal ein paar Brücken, bestellen die Baufirmen und kurze Zeit später stehen die Bauwerke da. Na, ganz so einfach ist es natürlich nicht. Nicht nur beim Bau, sondern bereits in der Planungsphase müssen sehr viele Vorschriften und Richtlinien beachtet und die richtigen Wege eingehalten werden. Hört sich nach viel Büroarbeit an – ist es auch. Aber in erster Linie ist die Planung der 11 Brücken – mit Nuttlarer Talbrücke als Krönung – eine herausragende Ingenieursleistung

Wer sich einen Bauingenieur vorstellt, denkt zuerst ein (digitales) Reißbrett, viele technische Zeichnungen, an einen Bauhelm und Sicherheitsschuhe für Besichtigungen auf der Baustelle. All das gibt es im Büro von Gerhard Buddenkotte natürlich auch. Aber bevor es soweit ist, dass eine Baustelle besichtigt werden kann, müssen zahlreiche Planungen gemacht, Genehmigungen eingeholt werden. Der leitende konstruktive Ingenieur, der seit 1984 für Straßen.NRW tätig ist, muss Bauwerksentwürfe unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit aufstellen. Zu seinem Aufgabengebiet gehört die Vorbereitung der Ausschreibung und technische Beratung bei der Vergabe von Bauaufträgen. Auch mit der Prüfung statischer Berechnungen und der Bauüberwachung während der Bauausführung ist er befasst. Schnell wird klar: Das ist wirklich eine ganze Menge Projekt-Arbeit. Und eines steht auch fest: Jemand, der all das unter einen Helm, äh Hut bekommt, muss schon ein recht kluges Köpfchen sein …

Der Bedarfsplan

„Vordringlicher Bedarf im Rahmen der letzten Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans“ – so stand es in den Unterlagen der Bundesregierung. Das Planfeststellungsverfahren wurde 2006 eingeleitet, 2008 lag dann der Beschluss vor. Das Planungsrecht erhielt der Landesbetrieb Straßenbau NRW. Ein Recht, das mit viel Arbeit einhergeht. Aber – und das muss einmal deutlich gesagt werden: Das Team von Straßen.NRW ist – soweit wir das erleben durften – ruhig, besonnen und überaus emsig. Soft Skills, die genau die richtigen sind, für diese Art von Tätigkeiten.

Strecken-Vorentwurf

Beim Strecken-Vorentwurf werden zunächst verschiedene Varianten ausgearbeitet. Bei der Talbrücke Nuttlar ging es z. B. um die Stützenstellung, Bauweise und Topologie. Die Straßenplaner lieferten ein Lageplan mit Querschnitten und Höhenplänen. Erste Bohrungen wurden anhand des Geländeverlaufs durchgeführt. „In dieser Phase haben wir Überlegungen angestellt wie: Welchen Abstand sollen die Pfeiler haben, alle 50 oder 70 Meter? Durchführung im Bogenbau? Oder soll ein anderes Verfahren angewandt werden?“ berichtet Buddenkotte aus dieser Zeit. In den Unterlagen für den Vorentwurf ist der Erläuterungsbericht enthalten, das Streckengutachten, Gutachten zu Einzelproblematiken. Die Auswirkung auf die Umwelt wurden untersucht, ein Plan zur Landschaftspflege gemacht, zu Schadstoffemissionen und vieles mehr. Nicht zuletzt auch natürlich eine Kostenschätzung. Im Fall der oben erwähnten Talbrücke wurden drei Varianten erstellt, aus denen der Fachgutachter die Vorzugsvariante auswählt.

Wenn dieser Vorentwurf vollständig und geprüft ist, wird er zunächst zur Zentrale nach Gelsenkirchen geschickt – zur Prüfung. Diese leitet den Entwurf an das Land NRW weiter – zur Prüfung. Vom Land geht es zum Bundesverkehrsministerium – zur Prüfung – und zur Genehmigung. Dann geht es auf demselben Weg wieder zurück. Der genehmigte Entwurf geht vom Ministerium zum Land… und so weiter. Bis er wieder bei Straßen.NRW in Meschede gelandet ist. Der genehmigte Entwurf ist die Grundlage des Planfeststellungsverfahrens. Und er ist verbindlich für den Planungsträger bei der weiteren Entwurfsausarbeitung.

Entwurfsplanung

Wenn der Bauvorentwurf genehmigt ist, geht es ins Detail. Die Wahl ist auf eine Brücke in Stahlverbundbauweise gefallen. Erkundungsbohrungen werden durchgeführt, in Tiefen von 50 bis 60 Metern. Dort wo später die Brücke steht, ist besonders auf Sicherheit zu achten. Externe Geologen untersuchen den Boden auf Stör- und Verwitterungszonen.

Gerhard Buddenkotte zeigt uns den Bauwerksentwurf: „Das war für mich mein größtes Bauwerk.“ 11 Pläne stehen in roten Mappen im Regal seines Büros. Aufgaben, die ihn auch in seiner Freizeit nie ganz losließen. „Wenn ich abends zuhause saß, ging mir doch oft die ein oder andere Sache noch durch den Kopf.“ Seine Urlaube hat er sich sicherlich redlich verdient, aber nicht immer in voller Länge abfeiern können. Er erinnert sich, dass während dieser Anfangsphase Fragen zum Windverhalten des „Vorschubschnabels“ aufkamen. Um alle Gefahren auszuschließen, mussten Tests mit einer verkleinerten Ausgabe eines solchen Teils im Windlabor in Bochum durchgeführt werden. Selbstverständlich nicht ohne das Beisein des Leitenden Konstruktiven Ingenieurs, auch wenn der eigentlich im Urlaub hatte. „Eine spannende Angelegenheit“, erinnert er sich und zeigt uns am Computer stolz die Animation.

Ein ganzes „Gestaltungs-Handbuch“ sorgte dafür, dass die Brücken insgesamt einen guten, ästhetischen Eindruck machen. „Einheitlichkeit ist sehr wichtig, um einen guten, visuellen Gesamteindruck zu erhalten“, erläutert Buddenkotte. Kleine Unterbrechungen der Einheitlichkeit – wie bei den „rostigen“ beiden Pfeilern der Bermecke-Brücke bei Velmede – sind als künstlerischer Hingucker gedacht. Sie sollen Fichten symbolisieren.

Wenn der Entwurf steht, muss er genehmigt werden. Natürlich wieder über Zentrale, Land, Bund …

Planfeststellung

Das Planfeststellungsverfahren gliedert sich in das Anhörungsverfahren und die Feststellung des vorgenannten Plans. Das Anhörungsverfahren dient der Information von Trägern öffentlicher Belange, der Naturschutzverbände und privat betroffener Dritter über die Inhalte des Vorhabens. Der Plan wird zunächst offengelegt. Über Einwände, die nicht aus dem Weg geräumt werden konnten, wird von der Planfeststellungsbehörde entschieden. Zu diesem Zeitpunkt kann gegen den Planfeststellungsbeschluss kann Klage bei den Verwaltungsgerichten erhoben werden.

Neue Bundesstraßen dürfen erst gebaut werden, wenn der Plan vorher festgestellt ist. Grob gesagt, soll im Vorfeld dafür gesorgt werden, dass alle Bewilligungen vorliegen, alle rechtlichen Fragen vorher geklärt sind und möglichst alle Parteien zufrieden sind. Alle anderen Rechtsvorschriften in diesem Zusammenhang werden durch dieses Verfahren dann ersetzt. Viele Gesetze, viele Vorschriften und Richtlinien… besser, man klärt es vorher.

Ausführungsplanung und Bau

Wenn die Entwurfsgenehmigung und der Planfeststellungsbeschluss vorliegen, die Finanzen gesichert und der Grund erworben ist, werden die Bauleistungen ausgeschrieben. Die Ausschreibung wird europaweit ein ¾ Jahr veröffentlicht. Bis zur Vergabe dauert wiederum noch ½ Jahr. Die jeweilige Niederlassung von STRASSEN.NRW vergibt die Baumaßnahme nach Prüfung und Wertung der Angebote an eine bauausführende Firma. Im Fall der Talbrücke Nuttlar war das die Firma Bögl aus der Pfalz. Die gesamte Baumaßnahme unterliegt aber weiter der Bauaufsicht von STRASSEN.NRW

Auf viele Dinge muss dabei geachtet werden, vieles im Blick behalten werden. Das Zusammenspiel vieler Abteilungen ist unabdinglich. Das ist leichter gesagt, als getan, wenn sich herausstellt, dass einige Anforderungen konträr zueinander stehen. Also muss als gut abgewägt werden. Der Skill „Besonnenheit“ ist hier Bedingung. Abschließend sagt uns Gerhard Buddenkotte: „Es war für mich eine herausragende Maßnahme“. Definitiv eine herausragende Maßnahme und eine Meisterleistung, ganz besonders eine der konstruktiven Ingenieure.

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Wir planen mal ein paar Brücken, bestellen die Baufirmen und kurze Zeit später stehen die Bauwerke da. Na, ganz so einfach ist es natürlich nicht. Nicht nur beim Bau, sondern bereits in der Planungsphase müssen sehr viele Vorschriften und Richtlinien beachtet und die richtigen Wege eingehalten werden. Hört sich nach viel Büroarbeit an – ist es auch. Aber in erster Linie ist die Planung der 11 Brücken – mit Nuttlarer Talbrücke als Krönung - eine herausragende Ingenieursleistung
Brückenplanung – eine Meisterleistung der konstruktiven Ingenieure