Morde, Glück, Erfolg und eine literarische Sensation?

Cover-Bild von Jonas Hrens Buch "Eine Reise in den glücklichen Geist"

Was die Sauerländer Literaturlandschaft im Dezember bereithält

von Jens Feldmann

Wer im September auf dem 3. Sauerländer Literaturtagen in Grevenbrück gewesen ist, der weiß, dass das Sauerland seinen Platz auf der literarischen Landkarte mehr als verdient. Schaut man sich aber an, was wir Ihnen in dieser Ausgabe an Lesenswertem ans Herz legen wollen, natürlich auch als Geschenktipp für das näherrückende Weihnachtsfest, dann stellt sich schnell der Eindruck ein, dass sich hier eher weniger Koordinaten für das Sauerland finden lassen. Unsere Buchvorstellungen weisen interessante Berührungspunkte mit unserer Region auf: welche, die sich auf den zweiten Blick ergeben, und solche, die mit einem Augenzwinkern für erstaunte Blicke sorgen könnten. Doch dazu später mehr …

24 Türchen bringen vorweihnachtliche Krimi-Freuden …
„Wer mordet schon im Hochsauerland?“, fragte die erfahrene Krimi- Autorin Margit Kruse 2015 und nahm ihre Leser mit auf eine elfteilige mörderische Reise hierher. Zwei Jahre später zeigte auch Dirk Zandecki mit „Ausgelöscht – Tatort Kahler Asten“, dass die Sauerländer durchaus selbst Krimi können, untermauert vor allem auch durch Kathrin Heinrichs mittlerweile zehn Fälle für ihren Krimi-Helden Vincent Jakobs. Margit Kruse ist Ruhrgebietlerin, lässt jedoch nicht nur im Pott literarisch meucheln, sondern nimmt ihre Leser immer wieder gerne in die Nachbarschaft ihrer Heimatregion mit. Und so bescheren die 24 Kurzkrimis, die ihr neues Buch „Advent, Advent, die Zeche brennt“ versammelt, eine schaurig-schöne Lese-Reise für alle Krimi-Freunde. Sauerländer und „Püttologen“, die Ruhrgebietler also, leben ja in guter Nachbarschaft zueinander, da lässt man sich auch gerne mal sozusagen jenseits des eigenen Gartenzauns unterhalten.
Margit Kruse: Advent, Advent, die Zeche brennt
24 Weihnachtskrimis · 352 S. / Taschenbuch
ISBN 978-3-8392-2499-1 · LVP: 12,00 Euro

Margit Kruse: Wer mordet schon im Hochsauerland?
11 Krimis und 125 Freizeittipps · 277 S. / Taschenbuch
ISBN 978-3-8392-1780-1 · LVP: 10,99 Euro

Eine phantastisch bilderreiche Reise ins Glück
Der Mescheder Jonas Hren entführt ins Land
der Träume und des Glücks. Klar, passt im Grunde auch wieder bestens auf das Sauerland, denn abgesehen von der traumhaften Landschaft könnte Hrens Buch „Eine Reise in den glücklichen Geist“ durchaus das Wesen der Sauerländerinnen und Sauerländer zum Thema haben. Tatsächlich aber eröffnen die phantasievollen und farbensprühenden Bilder Hrens die Pforten für eine Reise ins Selbst. Jede Seite zeigt einen anderen ist ein anderer Blickwinkel, kurze Textpassagen regen den Appetit der Phantasie und der Sinne an, denn das Leben will gekostet werden. Hren möchte zu einem „Kurs in Wundern“ einladen. Ein kleiner Brückenschlag zu seinem Wirken und Arbeiten im Heil- und Freizeitzentrum Hennesee, wo er Seminare zum Malen von Seelenbildern und zum Intuitiven Malen anbietet, vor allem auch für Kinder. Hrens Studio und Atelier „Sterntaler Stimmungsbilder“ ist ein Ort der Begegnung, an dem jeder zum Staunen und zum kreativen Mitgestalten eingeladen ist. Dort, aber natürlich auch in seinem nun erschienen Buch eröffnet sich einem ein schöner Gedanke: „Glückliche Träume werden wahr, nicht weil es Träume sind, sondern nur deshalb, weil sie glücklich sind.“
Jonas Hren: Eine Reise in den glücklichen Geist.
Bilder zum Staunen und Träumen · 40 S. / gebunden
ISBN: 978-3-948496-02-9 · LVP: 29,90 Euro

Wohl dem, der seinen Shakespeare kennt …
Nun aber scheint der Brückenschlag zum Sauerland so gar nicht mehr gelingen wollen. Andreas T. Sturms Buch „Das Shakespeare- Prinzip“ tritt mit dem Anspruch an, „13 Wege zum Erfolg“ zu eröffnen. Das Werk des großen englischen Dramatikers ist nicht allein unerschöpfliche Quelle großer Kunst auf den Theaterbühnen der Welt, sondern zeitloser Spiegel zentraler Prinzipien menschlichen Handelns. Und der Mensch strebt nach Glück, nach einem erfolgreichen Sein. Der unter anderem an der ehrwürdigen Universität zu Cambridge geschulte Shakespeare- Experte Sturm weiß aus Shakespeares Werk 13 Wege abzuleiten, wie sich mit diesem ein erfolgreiches Leben gestalten lässt. Sei es die „Kunst der Mäßigung“ oder die Maxime „Tu es – mit Lust!“: Die Einblicke in Shakespeares Schaffen und Wirken, garniert mit Zitaten, Anekdoten und pointiertem historischen Wissen, eröffnen den Lesern Gedanken, die die eigene Lebensgestaltung bereichern können. Das Streben nach dem Materiellen steht dabei schlussendlich allenfalls in der zweiten Reihe. Sturms Buch ist dem Bemühen um eine glückliches Leben verpflichtet. Kein Ratgeber vom Wühltisch, sondern ein echter Appetithappen, der Lust auf das machen möchte, was der größte Erfolg ist: das zu tun, was
einem Freude bereitet.
Andreas T. Sturm: Das Shakespeare-Prinzip
13 Wege zum Erfolg · 156 S. / gebunden
ISBN 978-3948496-01-2 · LVP: 14,90 Euro

Gedankenspiel mit Augenzwinkern: Birgt das Sauerland eine
literarische Sensation?

Lassen Sie sich auf die gedankliche Spielerei einer literarischen Sensation ein, die das Sauerland in den Fokus der Literaturwissenschaft rücken könnte … Shakespeares „lost years“ gelten als Mysterium. Acht Jahre fehlen in der Biographie des Engländers. In der Shakespeare-Forschung raunt man sich zu, dass sich Shakespeare zwischen 1584/85 und 1592 im Sauerland aufgehalten haben könnte! Was aber könnte den großen Dramatiker einst ins Sauerland verschlagen haben? Es mag nur allzu wahrscheinlich erscheinen, dass Shakespeare die atemberaubende Landschaft und die charakterlich wie physisch großgewachsenen Menschen des Sauerlands inspiriert haben könnten, ja müssten. Zudem ist Shakespeare zeitlebens Katholik geblieben, lebte sozusagen als „Untergrundkatholik“: Das kurkölnisch katholische Sauerland hätte ein wunderbares Refugium für ihn abgegeben. Darüber hinaus braute man hier einen herrlich mundenden Gerstensaft, der dem in seiner Heimat geschmacklich wie in der geistigen Wirkung überlegen war. Hier in den tiefen und im besten Sinne provinziellen Wäldern des kurkölnischen Sauerlandes ließ es sich gut leben. Jenseits der Verlockungen des schönen Scheins an den herrschaftlichen Höfen konnte man hier ein autarkes Leben führen, bei dem die sinnlichen, lukullischen und sonstigen Vergnügungen nicht zu kurz kamen. Nicht zuletzt kommt den Wäldern in Shakespeares Stücken eine auffällig prominente Rolle zu. Es sind gerade die so eindrücklichen Erfahrungen im Wald, fernab der Zivilisation, durch welche der Mensch seinem Selbst wieder näherkommt und die nicht selten eine innere Wandlung auslösen. Man könnte viele heimische Wälder nennen und hätte stets die passende Kulisse für Shakespeares Worte parat. Zufall?! Falls es denn tatsächlich einer ist, zeigt sich so doch immerhin, dass die Sauerländer Wälder so urwüchsig schön sind, wie sie auch die Größten der Dichter nicht besser hätten beschreiben können … Mögliche Spuren jenes vermuteten Aufenthalts im Sauerland lassen sich aber augenfällig gehäuft im Werk des Engländers finden. Wie heißt es doch in Shakespeares „Richard II.“?! „Wo Worte selten, haben sie Gewicht“ lautet dort eine Zeile und das hat sicherlich schon so mancher Besucher des Sauerlandes als Erfahrung mitgenommen. Als wortkarg mögen sie erscheinen, die Sauerländer, wenn sie denn aber einer Sache sprachlich Ausdruck verleihen, wirkt es wahrlich nach! Hier wird unverstellte Lebendigkeit und Herzlichkeit zuvörderst gelebt, erst dann kann man das eine oder andere Wort darüber verlieren …