Der Architekt Joseph Ferber und das Domquartier

Der Architekt Joseph Ferber und das Domquartier Der Architekt Joseph Ferber aus Allagen (1874 – 1951) Fast 70 Jahre nach seinem Tod ist sein Geist in Warstein wieder spürbar

Fast 70 Jahre nach seinem Tod ist sein Geist in Warstein wieder spürbar

Text: Christel Zidi
Fotos: Architekturbüro Dieckmann & Hohmann, Walter Eilhard,
Ferdi Ferber

Das Ende des 19. Jahrhunderts hat viele bekannte Architekten hervorgebracht. Große Schaffende, deren Werke noch immer bewundert werden können, die sie aber längst überdauert haben.  Einer der bedeutendsten im Raum Warstein war der Architekt Joseph Ferber aus Allagen.

Wenn man ein Porträt von Joseph Ferber betrachtet, fallen seine klaren offenen Gesichtszüge sogleich auf. Die Augen wirken sachlich-nüchtern und wie in die Ferne, in die Zukunft gerichtet. Ein wenig Visionär, ein großer Macher. Er hat im wahren Sinne des Wortes den Grundstein für viele, in ganz Westfalen und speziell dem Sauerland bekannte Bauprojekte gelegt.

1874 wurde Franz Joseph Ferber in Allagen Wisor als siebtes von elf Kindern geboren. Zunächst ließ er sich zum Kettenschmied ausbilden. Er war noch Teenager, als ihn der Neubau der Pfarrkirche zu Allagen so faszinierte, dass er Architekt werden wollte. Also ging er mit Anfang 20 nach Soest, absolvierte ein Architektur-Fernstudium in Braunschweig.

Besonders prägend waren für ihn die Jahre von 1902 bis 1906. In dieser Zeit wurde er von dem renommierten Soester Architekten und Dombaumeister Wilhelm Sunder-Plaßmann mit ersten großen Bauprojekte betreut: den Neubau der Kapelle Muttergottes in der Not, den Bau des Mariannenhospitals- und den Neubau der Wallfahrtsbasilika Mariä Heimsuchung. Alle diese Bauwerke sind in Werl zu besichtigen. 1904 übernahm er die Bauleitung zur Errichtung der Allager Schule. 1906 – nach dem Wegzug Wilhelm Sunder-Plaßmanns nach Münster – gründete Joseph Ferber ein eigenes Büro in Soest. Einen guten Ruf hatte er sich schon längst erworben, deshalb wurden ihm auch weiter größere Projekte anvertraut. So zum Beispiel der Neubau des Stadtkrankenhauses Soest, die erste Siedlung im sogenannten „Port Arthur“ und das frühere Mädchen-Gymnasium (die heutige Christian-Rohlfs-Realschule).

Joseph Ferber machte sich vor allem einen Namen in der Errichtung und Erweiterung von Kirchenbauten in Westfalen. Man weiß sicher, dass er mindestens 23 Kirchen gebaut hat, es können aber noch einige mehr sein. Seiner alten Heimat blieb er stets treu: Dort baute er das Siegmundsche Haus und war mit der Erweiterung der Kapelle in Allagen/Niederbergheim betraut. Bei letzterem Projekt erfolgte die Grundsteinlegung zusammen mit Vikar Bernhard Zimmermann. Aus dieser Begegnung ergab sich, dass dem Architekten Ferber sein größtes Bauvorhaben übertragen wurde: Das Studienheim St. Clemens in Driburg diente spätberufenen Priestern zur Ausbildung. Es entstand auf Initiative des Allager Vikars Bernhard Zimmermann, dessen Lebenswerk dieses Heim war. Zimmermann war aber auch sonst sehr umtriebig und gründete u. a. die Allagener Kolpingfamilie.

Joseph Ferber war von 1914 bis 1921 Stadtrat in Soest. Seine Ehefrau Maria starb 1947, vier Jahre später folgte er ihr – im Alter von 76 Jahren.

Das Architekturbüro wurde von seinem Schwiegersohn Ernst vor dem Brocke fortgeführt. Der Handwerkersohn aus der Nähe von Lingen hatte in Oldenburg Architektur studiert. Ab 1938 lief das Architekturbüro Ferber unter dem Namen „Ferber & vor dem Brocke“. Vor dem Brocke setzte die Tradition seines Schwiegervaters im Bereich Kirchenarchitektur allerdings nicht fort, nur wenige derartige Bauten sind aus seiner Planung bekannt.

Nach dem Tod von Ernst vor dem Brockes im Jahre 1966 wurde das Architekturbüro zunächst von den damaligen Büroleitern Baroth und Höfer weitergeführt, später von dem Mitarbeiter Dieckmann übernommen und bis heute unter der Gemeinschaft „Dieckmann & Hohmann GbR Architekturbüro“ geführt.

113 Jahre Berufserfahrung kann das Büro von Gerd Hohmann vorweisen. Erfahrung, die wiederum den Warsteinern zu Gute kommt. Und hier schließt sich der Bogen. Entlang der Warsteiner Hauptstraße entsteht mit dem „Domquartier“ ein Bauwerk, das sich vom Nutzen her wieder direkt an die Verbraucher richtet. Ein neues Büro- und Geschäftsgebäude, in dem „analoges“ Einkaufen weiterhin möglich ist. Im ersten Augenblick könnte man denken: ein mutiges Unterfangen im Zeitalter des Internets. Wer aber weiß, dass heimische Bauherren dahinter stehen, denen Warstein am Herzen liegt und die über ausreichend Erfahrung verfügen, kann sich schon auf die Fertigstellung freuen. Mit den Soester Architekten sind Spezialisten am Werk, die ihre Handwerkskunst beherrschen. Der Allager Joseph Ferber hätte seine Freude daran, mit welchem Geschick und Einfühlungsvermögen seine Nachfolger um den Architekten Gerd Hohmann die Stilelemente des Klassizismus aufgegriffen haben, damit sich der moderne Bau harmonisch in die übrige Bebauung entlang der Warsteiner Hauptstraße einfügt.

  • Auswahl einiger von Joseph Ferbers Bauten
  • Kirchenbauten, eine Auswahl:
  • Kapelle Muttergottes in der Not, Werl, 1902
  • Filialkirche, Hövel, 1910
  • Kirche St. Johannes Baptist, Schoneberg, 1913
  • Kirche Heilig Geist, Bilme, 1914
  • Filialkirche, Barge, 1915
  • Filialkirche, Niederbergheim, 1921
  • Kirche St. Antonius, Wiemeringhausen, 1922
  • Kapelle St. Johannes Baptist, Eickeloh, 1924
  • Erweiterung Kapelle St. Joseph, Uentrop, 1924
  • Kirche in Rhynern, NN
  • Pfarrkirche St. Margaretha, Ramsbeck, 1936
  • Kirche St. Peter und Paul, Siegen, 1937
  • Neubau des Langhauses St. Antonius, Günne, 1937
  • Erweiterung Kirche St. Urbanus, Arnsberg-Voßwinkel, 1938
  • St. Johannes Baptist, Lübbecke, 1938-39
  • Kirche St. Bruno, Soest, 1946
  • Profanbauten, eine Auswahl :
  • Mariannenhospital, Werl, 1902
  • Schulneubau, Allagen, 1903
  • Wallfahrtsbasilika Mariä Heimsuchung, Werl, 1904 – 1906
  • Stadtkrankenhaus, Soest, 1906
  • Haus Siegmund, Allagen, 1906
  • Atelier– und Wohnhaus Josef Ferber, Soest, 1908
  • Merkur – Glühlampenfabrik, Soest, 1908
  • Wohnhaus Paul Schulze, Soest, 1908
  • Schützenhalle, Grevenbrück, 1909
  • Gasthof Buse, Soest, 1910
  • Gutshaus Schulze-Ardey, Bettinghausen, 1911
  • Wohnhaus Dr. Garms, Soest, 1911
  • Gutshaus Huckel, Berghausen bei Meschede, 1912
  • Färberei Kampschulte, Soest, 1919
  • Studienheim St. Clemens, Bad Driburg, 1927
  • Hildegardis-Lyzeum, Soest, 1927
  • Kindergarten in der Akazienstraße, Soest, 1928
  • Siedlung im sogenannten „Port Arthur“, Soest
Der Architekt Joseph Ferber und das Domquartier Eine fotorealistische Darstellung, wie es schon bald aussehen wird. Fast 70 Jahre nach seinem Tod ist sein Geist in Warstein wieder spürbar
Der Architekt Joseph Ferber und das Domquartier Richtfest Kapelle -Muttergottes in der Not-, J. Ferber und W. Sunder-Plaßmann im Dachstuhl stehend, © Helmut Euler, Werl Fast 70 Jahre nach seinem Tod ist sein Geist in Warstein wieder spürbar