Stricken, bis die Nadeln glühen

Stricken, bis die Nadeln glühen 10 Jahre „Flotte Masche“ – Handarbeiten für den guten Zweck

WOLL- Pulli - Stricken, bis die Nadeln glühen 10 Jahre „Flotte Masche“ – Handarbeiten für den guten Zweck

10 Jahre „Flotte Masche“ – Handarbeiten für den guten Zweck

Text:            Britta Melgert
Fotos:          Britta Melgert, Jürgen Eckert

„Als ich zum ersten Mal vom WOLL-Magazin hörte, habe ich angenommen, das sei ein Handarbeitsheft“, sagt Maria Burdack. Ob das nur an unserem Namen liegt, oder auch daran, dass Stricken eines ihrer großen Hobbies ist? Zusammen mit Marianne Menke führt sie den Warsteiner Strickclub „Flotte Masche“ an, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kleidung aus Wolle für Kinder in Osteuropa herzustellen.

Montagmorgen, halb zehn in Warstein. In den Räumen des IBAHS e.V. trudeln die Damen ein. Noch während man sich einen Platz am langen Tisch sucht, wird geschwatzt und gelacht. Die Stimmung ist bestens und man beginnt das Treffen mit Kaffee und belegten Brötchen. Eine gute Grundlage zum Arbeiten ist wichtig!

Seit zehn Jahren sind sie bereits gemeinsam aktiv, und etliche der heute anwesenden 14 Damen sind von Anfang an mit dabei. „Die meisten von uns haben ja zuvor auch schon für private Zwecke gestrickt. Wilma Gemperle hat dann 2009, gemeinsam mit ihrer inzwischen verstorbenen Schwester Anni Müller, den Anstoß für „Flotte Masche“ gegeben, die Gruppe aufgebaut und bis vor wenigen Monaten erfolgreich angeführt“, weiß Annegret Stallmeister zu berichten.

20 Frauen mit klappernden Stricknadeln

Gertrudis Enste erinnert sich: „Von Jahr zu Jahr haben wir uns sowohl von der Teilnehmerinnenzahl als auch von den fertiggestellten Kleidungsstücken her gesteigert. Inzwischen gehören unserem Team rund 20 Frauen an.“ Manche kannten sich vorher schon, sind teils sogar Nachbarinnen. Dennoch betonen alle, wie sehr sie die Gemeinschaft und die 14-tägigen Treffen genießen.

Die Stricknadeln klappern, und wieder ist eine Reihe des Pullunders fertig und die halbfertige Socke einen Zentimeter länger. „Wir stricken aber nicht nur hier“, klärt mich Margret Lenze auf. „Man könnte fast sagen: Wir stricken Tag und Nacht.“ Alle lachen, aber es ist tatsächlich so – die meisten der Damen nehmen sich die angefangenen Teile plus Wolle mit nach Hause, um dort weiter daran zu arbeiten. Rita Tewes ergänzt: „Handarbeiten, das geht doch immer auch mal nebenher, also beim Fernsehen oder so.“

Spenden dringend benötigt

„Das eigentliche Problem“, sagt Christa Alz, „das ist nicht die Zeit, sondern die Wolle. Jede von uns zahlt einen Teil der benötigten Wolle selbst, dennoch sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Wolle aus Haushalten, die diese nicht mehr benötigen, nehmen wir gerne an. Aber auch Geldspenden sind sehr willkommen, um davon Material zu kaufen. Natürlich achten wir dabei stets auf Sonderangebote, denn Wolle ist insgesamt teuer geworden.“

Und stolz erzählen die Damen dann von dem glücklichen Gewinn, bei dem es von einem Drogeriemarkt für die „Flotte Masche“ 1.000 Euro gab. „Das hat uns enorm weitergeholfen“, erzählen Waltraud Blanke und Emma Philippi. „Aber genau so dankbar“, ergänzt Maria Burdack, „sind wir über die umfangreichen Wollspenden, die wir regelmäßig aus einem Handarbeitsgeschäft in Taubeneiche erhalten. Anders wäre unsere Arbeit gar nicht möglich.“

Mit geschultem Blick und geübten Fingern

Und so stricken sie, was das Zeug hält – oder sagen wir besser: Was die Wolle hergibt. Der geschulte Blick der Quasi-Profi-Strickerin sieht noch vor der ersten Masche, was frau aus den Wollknäueln machen kann. „Rund 300 Gramm benötigen wir für einen Pullunder für ein Kindergartenkind“, klärt uns Marianne Menke auf. Und Gertrudis Enste ergänzt: „Geringere Mengen oder Reste werden dann einfach zu kleineren Teilen verarbeitet, zu Beispiel zu bunten Mützen.“

„Puppenkleider sind ebenfalls mit wenig Materialeinsatz machbar“, weiß Marlene Ahring. Und dann erzählt sie von ihrer Mitstreiterin Elvira Schreiber, die zwar nicht an den Treffen teilnimmt, dafür aber zuhause aus Wolle die tollsten Kreationen für Barbie-Puppen zaubert – ein immer beliebtes Mädchen-Spielzeug. „Ja, wirft Helga Sobota ein, „und auch meine Schwester aus Süddeutschland strickt für „Flotte Masche“ mit und sendet uns ihre Kindersocken per Post zu.“

Weihnachten im Schuhkarton – mit Gestricktem aus Warstein

Alle fertigen Stücke werden fein säuberlich verpackt und verwahrt, bis sie im Herbst für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ abgeholt werden. „Anfangs wurden die Päckchen für die zu beschenkenden Kinder noch hier in Warstein gepackt“, erzählt Maria Burdack. „Ganz liebevoll haben Frau Gemperle und Frau Müller auch Süßigkeiten, Spielzeug und Schulbedarf mit dazu gelegt.“ Die Unterlagen sagen aus, dass die Warsteiner Gruppe im Jahr 2015 auf 658 Kartons kam. „Diese viele Arbeit überstieg irgendwann unsere Möglichkeiten“, erinnert sich Marianne Menke, „sodass wir nun froh sind, diese Tätigkeiten in die große Spendenaktions-Zentrale in Berlin abgeben zu können.“

Respekt, vor diesen Damen, die in den letzten zehn Jahren sicher so etliche osteuropäische Kinderaugen zum Leuchten gebracht haben.

„Wir stricken (fast bei) Tag und Nacht“

„Wir sind dankbar für Wollspenden“

Das Strick Team trifft sich am langen Tisch – Stricken, bis die Nadeln glühen 10 Jahre „Flotte Masche“ – Handarbeiten für den guten Zweck
Stricken, bis die Nadeln glühen
10 Jahre „Flotte Masche“ – Handarbeiten für den guten Zweck
Stricken, bis die Nadeln glühen 10 Jahre „Flotte Masche“ – Handarbeiten für den guten Zweck