Der 1. Schultag im Wandel der Zeit

Der 1. Schultag im Wandel der Zeit Nuttlarer erinnern sich an ihre Einschulung

Der 1. Schultag im Wandel der Zeit Nuttlarer erinnern sich an ihre Einschulung

Nuttlarer erinnern sich an ihre Einschulung

Text:    Britta Melgert
Fotos:  S. Droste und Britta Melgert

Der erste Schultag wird in vielen Familien groß gefeiert. Man trifft sich zu Kaffee und Kuchen und oft gibt es auch Geschenke. Die Eltern basteln vielfach ganz liebevoll dekorierte Schultüten und füllen sie mit Süßigkeiten. Doch das war nicht immer so. Wie lief so ein Tag eigentlich früher ab? Wir waren dafür in Nuttlar und haben mal nachgefragt.

Anna, Phil, Tom und Simon können sich noch gut an ihren ersten Schultag im letzten Sommer erinnern. Für WOLL sind sie heute Nachmittag noch einmal in die Nuttlarer Grundschule gekommen, um zusammen mit anderen Dorfbewohnern von ihrem großen Tag zu berichten.

„Ich hatte eine blaue Schultüte mit einem Cowboy drauf“, erzählt Phil, und Anna war stolz auf ihre in Lila mit dem eigenen Namen darauf. Tom zeigt uns ein Foto mit seiner Schultüte, die wie ein Rennauto aussieht, und Simons Tüte zierte der bekannte kleine Maulwurf. Noch vor der ersten Schulstunde ging es in die Kirche, und dann suchte man sich einen Platz im Klassenzimmer. Heutzutage haben die Klassen Namen; unsere vier gehen in die Igel-Klasse zu Herrn Obenhaus.

Tafel, Griffel, Schwämmchen und Häkelläppchen

„Als ich im Krieg zur Schule kam, war an Schultüten oder an Fotos gar nicht zu denken“, erinnert sich Luise Dünschede. „Am ersten Tag wurde ich von der Mutter in die Schule begleitet, aber das war auch schon das einzig Besondere. Ein Kirchgang war zu dieser Zeit nicht vorgesehen, und wir hatten auch keinen Religionsunterricht als Schulfach.“ Andere Zeiten!

Renate Funke weiß noch gut, dass sie ängstlich war und gar nicht im Klassenzimmer bleiben wollte. „Aber es gab für jeden Schüler einen der auch heute noch bekannten Butterkekse. Und Marianne Eickhoff erinnert uns an die Standardausstattung eines jeden Schülers: Schiefertafel mit Schwämmchen, Griffel und das gehäkelte Tafelläppchen am Tornister.

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Als Leni Molitor 1946 in die erste Klasse zu Frl. Betten kam, hatte man inzwischen die Schulspeise eingeführt. „Aber geschmeckt hat es uns nicht“, sagt sie und grinst. Dafür haben wir Schüler untereinander oft die Butterbrote getauscht.“ Alles lacht und ist sich einig, dass solche Tauschgeschäfte wohl nie aus der Mode kommen.

Kurze Lederhosen und bunte Schürzen

Heinz Braukmann hat nur wenige Erinnerungen an seine Einschulung im Jahr 1952. „Ich werde wohl, weil das für Jungs so üblich war, eine kurze Lederhose angehabt haben. Mädchen und Jungen waren in getrennten Klassen, und dazu gab es noch eine Gemeinschaftsklasse für alle evangelischen Schüler.

Die Modefrage stellte sich auch den Mädchen. Resi Hirt erinnert sich daran, dass sie anlässlich ihrer Einschulung 1954 ausnahmsweise eine weiße statt einer bunten Schürze tragen durfte. Richtig, alle Mädchen trugen damals stets Schürzen im Unterricht.

Der Schullehrer, den Lisa Bathen 1964 bekam, wurde vom ganzen Dorf nur mit „Lehrer Wiese“ angesprochen. Für den Pädagogen war in der Kirche sogar ein eigener Stuhl, in der Nähe der Kanzel, reserviert. An einen ledernen Tornister erinnert sie sich auch. Schultüten jedoch – nach wie vor Fehlanzeige! Die müssen sich rund 5 Jahre später durchgesetzt haben.

„Ich hatte 1971 eine von der großen Schwester vererbte Schultüte voller Süßigkeiten“, kann Bärbel Voß erzählen. Sie erinnert sich auch an ihre Klassenlehrerin Frau Schlauer, die sich während des Unterrichts auch gern mal ans Klavier setzte, um Ruhe ins Klassenzimmer zu bringen.

Ganz Deutschland schrieb auf Tafeln aus Nuttlar

Claudia Hentschel erinnert sich, dass ab ihrem Einschulungsjahr 1976 auch die Ostwiger Kinder am Unterricht in Nuttlar teilnahmen. Und ihr damaliger Mitschüler Gerd Mengelers klärt uns temperamentvoll darüber auf, wie „grausam“ es sein kann, als Lehrerkind in die Schule zu gehen, in der der eigene Vater unterrichtet. „Da bist du immer zwischen den Fronten. Mein Vater war recht streng, und dafür hat man mich dann im Dorf verdroschen!“ Allerdings weiß er auch zu berichten: „Zu unserer Zeit hatten sich Kunststoff-Tafeln für die ersten Schreibversuche durchgesetzt, aber ich möchte daran erinnern, dass früher hier bei uns in Nuttlar die kleinen Schiefertafeln für Schüler in ganz Deutschland hergestellt worden sind!“

Auch Ortsvorsteher Markus Sommer besuchte ab 1978 die Grundschule in Nuttlar, ebenso wie sein Sohn Julius ab 2011.

Während wir den Tag in den 70ern grad mal mit einem Schultüten-Foto festhielten, wurde bei der Einschulung meines Sohnes deutlich mehr gefeiert.“ Gleiches können auch Britta Schmitten und Henning Bünner bestätigen, beide Erstklässler des Jahres 1986 mit Kindern des Einschulungsjahrgangs 2018. „Da hat sich eine Menge geändert!“

Auch in diesen Tagen erleben hier bei uns im Sauerland wieder viele Kinder ihren großen Moment der Einschulung. Wünschen wir ihnen, dass es der erste Tag einer schönen Schulzeit sein möge und dass sie sich gern und lange daran erinnern werden, woll?

Ganz Deutschland schrieb auf Tafeln aus Nuttlar
Nuttlarer Schüler in den 1950er Jahren