Woher kommt unser Wasser?

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Ehrenamtlich geführte dörfliche Wasserverbände liefern rund ein Drittel des Wassers im Stadtgebiet Schmallenberg

Text: Hermann-J. Hoffe

Das Wasser kommt frisch und immer aus dem Wasserhahn. So ähnlich wie beim Strom, der aus der Steckdose kommt, gehen wir wie selbstverständlich davon aus, dass immer genügend Wasser da ist. Ohne Wasser ist kein Leben möglich. Nach landläufiger Meinung brauchen wir uns im Sauerland eher keine Sorgen um unser tägliches Wasser zu machen. Oder doch?

Eigene Wasserversorgung ist ein Zeichen für Autonomie
Schaut man sich in den Dörfern der Stadt Schmallenberg näher um, findet man neben der üblichen städtischen Wasserversorgung eine ganze Reihe von größeren und kleineren Orten, in denen das kühle Nass durch einen dörflichen Wasserbeschaffungsverband, eine Wasserinteressentengemeinschaft oder eine andere Form der ehrenamtlichen Organisation organisiert wird. Die Menschen in diesen Dörfern sind stolz auf ihre autonome Wasserversorgung, die manchmal schon seit vielen Generationen auf diese Art und Weise geregelt ist. Zum Teil wurden die Wasserleitungen und Versorgungseinrichtungen in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaut und nach dem II. Weltkrieg ständig modernisiert und den ständig strengeren Vorgaben entsprechend erneuert und angepasst. Kein Wunder, wenn die Menschen in den Orten sagen: „Unser Wasser ist das beste.“ Das Quell- und Grundwasser besitzt eine optimale Qualität. Amtliche Hygieneinstitute bestätigen dies regelmäßig. Die Begeisterung der Bürgerinnen und Bürger für ihr Wasser überträgt sich auf die ehrenamtlichen Wasserfachleute bei den einzelnen Wasserverbänden. „Man tut alles nur Mögliche, um das Lebensmittel Nr. 1, unser Wasser, auf kürzestem Wege und zu günstigsten Kosten zu den Abnehmern zu bringen“, so Winfried Schauerte aus Wormbach, einer der Wasserexperten in unseren Dörfern.

Ehrenamtlich geführter Verband mit Vernunft und Weitblick
Das Engagement ist groß. Ein Beispiel hierfür ist der Wasserbeschaffungsverband Berghausen Dorlar. Franz-Josef Voss, der Vorsitzende, meint dazu: „Die Aufbereitung unseres Wassers erfolgt zum Beispiel durch Entsäuerung über Luftzufuhr und ohne Chemie im Hochbehälter. Zusätzliche Ultrafiltration mit Backup System sorgt für höchste Sicherheit.“ Ein Leitungsnetz von rund 60 Kilometern Länge betreut der Wasserbeschaffungsverband Berghausen/Dorlar in seinem Versorgungsgebiet. Durch Erweiterungsmaßnahmen investierte allein der Wasserbeschaffungsverband Berghausen/Dorlar in den vergangenen Jahren über 400.000 Euro. Eine Menge Geld für einen ehrenamtlich geführten und von den Bürgerinnen und Bürgern in den Orten getragenen Verband. „Durch diese Investitionen haben wir die Versorgungssicherheit mit gutem, frischem Wasser bei uns weiter erhöht und blicken mit Zuversicht in die Zukunft“, weiß Franz-Josef Voss zu berichten.

An das Versorgungsnetz des Wasserbeschaffungsverbandes Berghausen/Dorlar sind eine ganze Reihe von Orten angeschlossen, darunter auch Dörfer, die zur Gemeinde Eslohe gehören: Berghausen, Heiminghausen, Mailar, Dorlar, Grimminghausen, Oberberndorf, Lochtrop und Frielinghausen und für das städtische Versorgungsgebiet noch der Ortsteil Twismecke. Zusätzlich steht das Netz für die Notfallversorgung der Orte Niederberndorf und Menkhausen zur Verfügung. Die neueste digitale Überwachungstechnik macht es den Wasserexperten des Beschaffungsverbandes möglich, alles über eine App zu steuern. Störungen werden sofort sichtbar und in kürzester Zeit kann mit den passenden Maßnahmen darauf reagiert werden. „Wir stellen insgesamt durch unsere Wasserversorgungsanlage 95.000 Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Zum Vergleich: Die Stadt Schmallenberg bietet rund 1.000.000 Kubikmeter pro Jahr an. Man kann also sagen, dass wir ehrenamtlich etwa für 10 Prozent der Wasserversorgung – im Vergleich zum Stadtverbund – verantwortlich sind“, berichtet Franz-Josef Voss und merkt dabei an, dass diese Leistung von Vielen überhaupt nicht gesehen wird. Winfried Schauerte ergänzt: „Alle nichtstädtischen Wasserversorger in Schmallenberg liefern rund 500.000 Kubikmeter Wasser und damit 50 Prozent der Menge, die die Stadt insgesamt liefert.“

Auch in Zukunft gesicherte Wasserversorgung durch örtliche Wasserbeschaffungsverbände
Das geförderte Wasser beim Wasserbeschaffungsverband Berghausen/Dorlar wird innerhalb von 20 Stunden umgesetzt, heißt innerhalb von 20 Stunden kommt das Wasser aus der Quelle zum Verbraucher. Franz-Josef Voss: „Besser und frischer geht es nicht.“ Der Vorsitzende des Wasserbeschaffungsverbandes ist der Meinung, dass Brunnen- oder Quellwasser unbedingt dem Klarwasser, „Trinkwasser aus Uferfiltration oder künstlicher Grundwasseranreicherung“ vorzuziehen sei. Dessen Aufbereitung wird in der Zukunft durch die Umwelteinflüsse und die normalen Verschmutzungen immer aufwendiger und schwieriger. Winfried Schauerte ergänzt hier zu: „Viele Menschen fragen, was ist eigentlich Uferfiltrat? Diese Bezeichnung steht für Wassergewinnung, die in der Nähe von Fluss- oder Bachufern stattfindet. Die Brunnen speisen sich aus dem Grundwasser und dem zufließenden Flusswasser, was auf natürliche Weise durch die Bodenschichten gereinigt wird. Dieses Trinkwasser erfordert, je nach Entnahmestelle, höhere Aufbereitungsstufen als freilaufendes Quellwasser. Deshalb sollten wir unsere natürlichen Ressourcen, wie freilaufende Grundwasserquellen, konsequent nutzen. Die Natur filtert am besten.“

Die beiden Wasserfachleute aus Wormbach und Berghausen plädieren vehement für die Eigenständigkeit der dörflichen Wasserversorger. „Die Zukunft liegt in Notfall-Leitungen aller umliegenden Wasserversorger. Eine zentralisierte Wasserversorgung in städtischer Hand ist aus unserer Sicht nicht empfehlenswert. Denn das bedeutet: Lange Leitungswege und vor allem das Gefühl: ‚Unser Wasser‘ gehört uns nicht mehr.“ Franz-Josef Voss weiß aus langjähriger Erfahrung: „Durch die ehrenamtliche Tätigkeit sind die Kosten für das Wasser bei uns in der Regel günstiger. Größere Verbände haben meistens einen höheren Fixkostenanteil, den sie natürlich auf den Wasserpreis umlegen müssen. “Winfried Schauerte weist noch auf einen anderen Punkt hin: „Wir müssen vor allem die jungen Menschen in unseren Dörfern für ‚Unser Wasser‘ begeistern. Denn hier vor Ort wird sichtbar, woher das Wasser kommt und was ich da trinke. Wenn man das weiß, geht man mit der Umwelt in seiner Heimat deutlich bewusster und nachhaltiger um.“ Dazu gehört nach Meinung der Verantwortlichen für die Wasserversorgung beim Wasserbeschaffungsverband Berghausen/Dorlar auch, die Landwirtschaft stärker in die Verantwortung zu nehmen. Dies gilt insbesondere für den teilweise sehr großzügigen Umgang mit dem Naturdünger „Gülle“.