Die Schmetterlinge fahren mit

Der Nachwuchs des RC Victoria Neheim nimmt genau wie die Großen an professionellen Wettkämpfen teil

Text und Foto: Inga Bremenkamp

„Wenn man das allererste Rennen der Woche fährt, dann hat man schon Schmetterlinge im Bauch“, verrät die 8-jährige Nele Scherf über den Auftakt bei ihrem Jahreshighlight, dem 6-Tage Rennen in den Niederlanden. „Im zweiten und dritten Rennen geht das dann schon besser. Dann ist man mittendrin und weiß schon, wie das ist“, erzählt die Neheimerin erleichtert.

Die angeklebten Holzklötze
Nele Scherf ist die jüngste Athletin im Verein. Ihr wurde die Liebe zum Radfahren genau wie ihrem Bruder Lukas in die Wiege gelegt: „Mir macht das einfach richtig viel Spaß, Papa ist ja auch schon professionelle Rennen gefahren.Angefangen habe ich damals auf einem Mountainbike, obwohl ich eigentlich immer schon auf die Straße wollte. Weil ich für mein Rennrad aber noch zu klein war,musste mir Papa erst einmal ein paar Holzklötze auf die Pedalen kleben, damit ich mit den Füßen dran kam. Heute fahre ich zwar beides, aber mehr Rennrad als Mountainbike“, erklärt der 11-Jährige. Bei Nele Scherf fällt die Favoritenwahl etwas anders aus – sie sitzt lieber auf dem Mountainbike. „Das macht mehr Bock, weil mehr Huppel dabei sind und man im Wald fährt“, sagt die Athletin und grinst verschmitzt. Nele und Lukas Scherf fahren mit der kompletten Familie und befreundeten Familien regelmäßig zu Radrennen in ganz Europa. Bei Neles Lieblingsrennen in den Niederlanden starten pro Altersklasse 30 bis 50 Sportler im Hauptfeld, wobei die Aspiranten aus 60 verschiedenen Ländern kommen. Ein Familienausflug der besonderen Art: „Wir fahren meist mit Sterenborgs zusammen rüber, schlafen im Wohnwagen auf einer großen Wiese und starten tagsüber bei den Wettkämpfen“, erklärt Lukas Scherf, der von seinem Vereinskameraden Kenai Sterenborg spricht.

Die Qual der Wahl
Kenai Sterenborg ist heute 14 Jahre alt und sitzt, seitdem er zweieinhalb Jahre alt war auf dem Fahrrad. Die große Frage in seinem Kopf ist derzeit bloß, welches Rad er bald an den Nagel hängen wird. „Ich muss mich in einem Jahr entscheiden, ob ich auf die Straße oder in den Wald will“,sagt der Neheimer, dem die Gemeinschaft sehr wichtig ist. „Aktuell nehme ich sowohl an Straßenrennen als auch an Mountainbike-Wettbewerben teil. Grundsätzlich mag ich beides, aber die Atmosphäre rund um die Wettkämpfe ist eine andere“, erklärt Kenai beim Rennradtraining in Neheim.„Beim Mountainbiken ist man eher auf sich allein gestellt, man trainiert allein und hat auch sonst eher wenig mit den anderen Athleten zu tun. Die Gemeinschaft der Rennradfahrer ist da anders und so eng, dass man im Rennen auch mal langsamer fährt, wenn jemand gestürzt ist. Man schaut, ob er noch weiterfahren kann, und wird automatisch langsamer, damit er wieder herankommen kann“, beschreibt der Athlet des RC Victoria Neheim das gelebte Fairplay in der Welt der Straßenrennfahrer. Jörg Scherf, der 1. Vorsitzende des Vereins, sieht den jungen Athleten künftig auch eher auf dem Rennrad als auf dem Mountainbike,wobei Zukunftsprognosen relativ schwierig sind.

Zukunftsprognosen schwierig
„Dass alle drei unseres Nachwuchs-Trios Talent haben, ist jetzt schon klar. Was aber im Erwachsenenalter ist, ob sie den Startknopf für den Seniorenbereich drücken odernicht, das kann man jetzt noch nicht sagen“, erklärt Jörg Scherf, der Vater von Nele und Lukas. Ob die von Kenai Sterenborg selbst formulierten Worte Träume bleiben oder eines Tages wahr werden könnten, bleibt entsprechend abzuwarten. „Ich will auf der Straße richtig gut werden und vielleicht sogar mal bei der Tour de France starten“, erklärt Kenai Sterenborg, der den Schüler-Cup 2018 in Lennestadt gewonnen hat und an knapp 30 Rennen pro Jahr teilnimmt. Am Ende ist es ganz sicher egal, ob man acht oder 28 Jahre alt ist, ob man auf einem Rennrad oder einem Mountainbike sitzt und ob man bei einem Schülerrennen oder der Tour de France an den Start geht – die Schmetterlinge im Bauch fliegen auf den ersten Metern vermutlich immer ein wenig mit.