🖊️ 📷 Philip Stallmeister

Wer die Nachtwächter und Sturmtagskanoniere an ihrem großen Tag in Belecke erleben möchte, muss früh aufstehen. Jedes Jahr beginnen am Mittwoch vor Pfingsten um 5 Uhr die Böllerschüsse zum Gedenken an den Sturmtag 1448.

Er ist ein Sturmtagskanonier mit viel Leidenschaft: Adalbert Friederizi.

Die Nachtwächter sind bereits am Vorabend in ihren historischen Gewändern unterwegs, um die Belecker auf das Ereignis einzustimmen. Was im ausgehenden Mittelalter als Abwehr von Feinden im Rahmen der Soester Fehde erfolgte, ist heute ein friedlicher und harmonischer Akt, zu dem auch die Soester Mittelalterfreunde gerne kommen. Angefangen hat die Erinnerung an die Tradition 1988 mit dem Ortsjubiläum zum 1050-jährigen Bestehen von Belecke. Seitdem wird jedes Jahr an 1448 gedacht. Zahlreiche Besucher nutzen das Spektakel, um vor der Arbeit zu frühstücken und sich auszutauschen. Andere bleiben wach und feiern nach dem Abschießen der Kanonen.

Die Geschütze werden auf dem Gelände an der Stüttingsmühle immer noch abgefeuert wie zu Zeiten der Soester Fehde – aber ohne Kugeln und natürlich nicht auf Menschen. Die Sturmtagskanoniere achten genau darauf, dass alles sicher ist und nichts schiefgeht. Adalbert Friederizi, der die Gruppe Ende der 1980er Jahre mitgegründet hat, sagt „Alle unsere Kanonen, auch die kleinen, müssen zum TÜV.“ Wer Sturmtagskanonier werden möchte, muss sich beim Beschussamt im bayerischen Mellrichstadt einer Prüfung unterziehen. Auch wenn nicht mit scharfer Munition geschossen wird, sind die Kanonen nicht ohne. Die Pulverladung muss genau passen, der Standort des Kanoniers ebenso. Schließlich ist ein Rückschlag möglich. Für Besucher besteht aber die Möglichkeit, die kleinen Kanonen bei Betreuung per Fernsteuerung zu zünden. Das machte beispielsweise Beleckes Ortsvorsteher Heiner Maas. Er lobt die Nachtwächter und Kanoniere als Repräsentanten: „Sie sind super Werbeträger für den Ort Belecke, aber auch für die Stadt Warstein.“

Ortsvorsteher Heiner Maas darf unter sachkundigen Augen mit der Fernsteuerung kleine Kanonen zünden.

Die beiden Abteilungen des Kultur- und Heimatvereins Badulikum sind ganzjährig aktiv. Nachtwächterrundgänge können beispielsweise auch Gäste buchen. Das geht bei Karl-Hans Vahle. Er sagt: „Es gibt unterschiedliche Schwerpunkte. Die Rundgänge können individuell geplant werden.“ Ausgangspunkt ist oft der historische Speicher etwas hinter Stüttingsmühle, direkt an der alten Stadtmauer. Das Gebäude haben sich die beiden Gruppen hergerichtet und nutzen es jetzt als Domizil. Hier finden Besprechungen und gemütliche Runden statt. „Das ist ein repräsentativer Ort und die Gruppen sind unter einem Dach. Es gilt zu leben und den Speicher zu erleben“, sagt Hans Jürgen Raulf, der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins, der mit dem Arbeitskreis Plattdeutsche Sprache, dem Arbeitskreis Mühlrad, den Wanderfreunden, den Trommlern von SamBaDu und der Plattdeutschen Schule weitere sehr aktive Abteilungen hat.

„Es gibt das ganze Jahr etwas zu tun“, sagt Friederizi. Die Nachtwächter oder Kanoniere sind auch viel auswärts unterwegs, beispielsweise auf Hansetagen. Ein fester Termin ist aber auch in Warstein, wenn der Brauerumzug im Herbst unterwegs ist. Dieses Jahr findet dieser ab 13 Uhr am 21. Oktober statt.


Wer Interesse hat, sich dem Kultur- und Heimatvereins Badulikum anzuschließen oder sich einfach informieren möchte, findet reichlich Material im Internet unter www.belecke.de oder auch auf der eigenen Seite der Nachtwächter: www.belecker-nachtwaechterzunft.de