„Es gibt nur ein Gas. VOLLGAS!“

Die Damenmannschaft des SV Thülen.

Der Leitspruch der Damenmannschaft des SV Thülen gilt auch für den Frauenfußball im HSK

Text und Fotos: Inga Bremenkamp

Sie sitzt mit offenen Knien auf dem Rasen. Mit einem Lächeln. Und einem Pokal in der Hand. Anna Hammerschmidt hat mit ihrem Team gerade den Kreispokal gegen die Mannschaft aus Ostwig/Nuttlar gewonnen. In einer Hitzeschlacht bei 29 Grad. Gemeinsam mit ihre Mannschaftskameradinnen des SV Thülen 1920 e.V.. Die Spielführerin des Landesligisten ist glücklich über den Erfolg und weil sie dem Ball wieder einmal 90 Minuten hinterherlaufen durfte. „Ich bin mit vielen Jungs groß geworden. Da haben wir auf der Straße immer Fußball gezockt. Dieser Mannschaftssport ist einfach großartig.“

Die Liebe zum Fußball erwidern rund 450 mehr oder weniger aktive Mädchen im Hochsauerlandkreis, die sich auf zwölf Mannschaften aufteilen. Viel zu wenig sagt Staffelleiter Stefan Vollmer. „Anfang der 2000er und nach dem Sommermärchen 2006 hatten wir einen richtigen Boom und plötzlich ganz viele Spielerinnen im HSK. Vor 16 Jahren gab es sogar noch eine eigene Frauenliga in Meschede. Mittlerweile ist der Kreis mit Brilon vereint, weil die Anzahl der Spielerinnen immer weiter abnimmt.“ Das ist bei den Herren nicht anders. In den letzten Jahren hat das Sauerland fast 20 Prozent der Mannschaften verlorensowohl bei den Herren als auch bei den Frauen. Die Vielfalt der angebotenen Sportarten nimmt immer weiter zu. Die Konkurrenz zum Fußball ist deutlich größer als früher.

Das Herz von Anna Hammerschmidt gehört unbeirrt der runden ‚Pocke‘, die sie in der vergangenen Landesligasaison 15-mal im gegnerischen Tor untergebracht hat. „Anna ist unglaublich durchsetzungsstark. Sie macht nicht nur viele, sondern auch wichtige Tore. Sie ist beidfüßig und hat eine tolle Schussstärke. Diese Kombination trifft man im Frauenfußball selten. Für das Team ist das ungemein wertvoll,“ schwärmt Thülens Trainer Frederik Leikop. Anna Hammerschmidt stürmt mittlerweile seit 12 Jahren für den SV Thülen – mit einer kleinen Unterbrechung, in der sie ein halbes Jahr lang in Gütersloh hat Zweitligaluft schnuppern dürfen. „Die Erfahrung hat mich vorangebracht. Das halbe Jahr war wertvoll und ich bin sehr froh, dass ich den Schritt in die 2. Liga gemacht habe. Ich bin aber auch froh, wieder in Thülen zu sein.“ Anna Hammerschmidt alias ‚the hammer‘ ist zurückgekommen, weil sie in der Heimat mit ihren Freunden auf dem Platz steht und ihrem Beruf als Kinderkrankenschwester mit Schichtarbeit besser nachkommen kann.

In Thülen ist die Damenmannschaft das Aushängeschild des Vereins. Im HSK ist das eine absolute Ausnahme – noch! „Ich gehe ganz fest davon aus, dass die Vereine in zehn Jahren froh sind, wenn sie eine Damenmannschaft haben. Auch die Herren verlieren immer mehr Spieler und werden künftig kaum noch zweite Mannschaften melden können. Dann werden sie froh sein, die Frauen zu haben“, prophezeit Stefan Vollmer. In der kommenden Saison profitiert der HSK von zwei Neuzugängen aus dem Kreis Olpe, der seine Frauenliga auflösen muss. Saalhausen und Halberbracht werden den Kreis erweitern.

Ob die Liga im Sauerland damit gleichzeitig wächst, bleibt abzuwarten. Stefan Vollmer fürchtet Abgänge von Spielerinnen, was Nichtmeldungen von derzeit aktiven Mannschaften zur Folge haben könnte. „Ich bin ein großer Fan des Frauenfußballs und versuche alles, um ihn nach vorne zu bringen. Das Niveau der Frauen ist richtig richtig gut. Sie spielen körperloser, technisch sauber und machen weniger Zirkus auf und neben dem Platz.Die Mädels wolleneinfach nur Fußball spielen, weil sie den
Sport so sehr lieben“, erklärt Stefan Vollmer, der im vergangenen Jahr die Frauenkreisauswahl ins Leben gerufen hat.

Anna Hammerschmidt in Aktion.


Auch Anna Hammerschmidt wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für den Frauenfußball im Sauerland, auch wenn die Stadien in der 2. Liga nicht wirklich voller sind.
„Den Karren kann man nur zusammen schieben. Die zarten Pflänzchen des Frauenfußballs müssen gepflegt werden, damit er nicht irgendwann einmal ausstirbt. Es geht immer nur um die Liebe zum Fußball. Deshalb müssen wir weiter machen. Immer weiter und weiter“, fordert Stefan Vollmer.
Anna Hammerschmidt und ihrem Team dürfte diese Ansage gefallen. Denn wie schallt es an Spieltagen kurz vor Anpfiff so schön aus dem Spielerkreis des SV Thülen: ‚Es gibt nur ein Gas. Vollgas!‘