“Den Kunden mehr bieten als ein Sparbuch.“

Von links nach rechts: Hubert Soemer, Bernd Rickert und Gerhard Luther vor dem Hotel Störmann.

Schmallenberger Effektenclub blickt auf 50 erfolgreiche Jahre zurück

Text: Hermann-J. Hoffe und Carla Wengeler – Fotos: Heidi Bücker

Wohin mit dem Geld, wenn man welches hat? Diese häufig gestellte Frage bekommen auch die Mitglieder des Aktienclubs Schmallenberg auch oft zu hören. Es gibt heute zahlreiche Möglichkeiten, sein Erspartes anzulegen. Doch wie war das vor fünfzig Jahren, als der Schmallenberger Effektenclub gegründet wurde? WOLL hat sich dazu mit Hubert Soemer, ehemaliger Prokurist der Volksbank Schmallenberg, Gerhard Lutter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender, und Bernd Rickert, Mitarbeiter bei der Volksbank Bigge-Lenne für die Privatkundenbetreuung, im Hotel Störmann getroffen, wo vor 50 Jahren nach dessen Gründung die erste Sitzung des Effektenclubs stattfand.

„Als Bank musste man sich damals fragen, welche Angebote man an außer dem beliebten Sparbuch anbietet“, berichtet Hubert Soemer. Irgendwann, nach reichlichen Überlegungen, wurde der Schritt in den Bereich der Aktienanlage gewagt. „Wir hatten dazu die Idee, einen Aktienclub zu gründen. Durch die Clubgründung war es möglich, Personen mit Sparambitionen ein Angebot für gemeinsames Sparen und Geldanlegen
zu machen“, führt Hubert Soemer weiter aus.


Aktiengeschäft vor 50 Jahren
Im Gegensatz zu anderen Ländern, wie beispielsweise den USA, war das Interesse für Aktien in Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch sehr gering. Auch in Schmallenberg war der Anteil der Kunden, die Aktien besaßen, nicht sehr hoch. Nur wenige Menschen beschäftigten sich seinerzeit überhaupt mit Aktien. Daneben standen zur damaligen Zeit Investmentfonds im Fokus, was auf die wirtschaftliche Situation in Deutschland zurückzuführen war. Es ging bergauf! Damaliger Mittelpunkt der Aktienwelt: Japan. „Wir haben natürlich auch den Schritt gemacht und einen Teil der Gelder dort angelegt“, erinnert sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende Gerhard Lutter.


Höhepunkte der Clubgeschichte
Gerhard Lutter kennt noch alle Höhepunkte der Clubgeschichte. „Die interessanteste Versammlung in meinen Augen war die letzte Aktionärsversammlung der Wicküler-Brauerei. Dort mussten die Aktionäre abgefunden werden.“ Ein anderes Highlight war der Kauf von Puma-Aktien. „Da kann ich sogar den Kurs noch nennen! Für 600 DM eingekauft und wenige Monate später für 1.480 DM wieder verkauft!“, erzählt Gerhard Lutter und lacht.

Aktienclub heute
Die vier eigenständigen Aktienclubs haben heute 138 Mitglieder: der Effekten-Club mit Geschäftsführer Boris Vogel, der Wertpapier-Club mit
Geschäftsführer Bernd Rickert, der Investment-Club mit Geschäftsführer
Markus Schauerte und der Börsen-Club mit Andreas Ermecke als Geschäftsführer. Alle Geschäftsführer arbeiten bei der Volksbank Bigge-Lenne. Bei der Gründung hatten Hubert Soemer und Gerhard Lutter diese Funktionen inne, heute 77 und 83 Jahre alt, doch nach ihrem Ausscheiden
aus der Bank haben sie auch die jeweilige Geschäftsführertätigkeit für die
Aktienclubs niedergelegt. Beide sind dem Club aber weiterhin beratend
verbunden.

Was den Aktienclub besonders macht
Alle zwei Monate kommt die Anlagekonferenz zusammen. „Die Geschäftsführer können jedoch auch eigene Kauf- und Verkaufsentscheidungen jederzeit umsetzen, müssen also nicht auf die nächste Anlagekonferenz warten“, schildert Bernd Rickert das Procedere. Ein Gesamtanlagevermögen von über 2,7 Millionen Euro hat sich, nach Abzug der Rückzahlungen, im Lauf von fünfzig Jahren angesammelt. Gestartet ist der Schmallenberger Effektenclub mit 10.000 D-Mark. Geduld und Beharrlichkeit zahlen sich aus, gerade im Aktiengeschäft. Nicht ohne ein frohes Schmunzeln wird von allen Gesprächspartnern das hervorragende Gemeinschaftsgefühl betont. „Wir fahren gemeinsam zu Aktionärsversammlungen und führen Betriebsbesichtigungen durch. Dabei wird das herzhafte Frühstück aus Schmallenberg mitgenommen und unterwegs in freier Natur verzehrt. Auch das macht uns besonders!“, erklärt Hubert Soemer überzeugend. Wer jetzt sein Interesse an Wertpapieren entdeckt, der kann sich bei einem der vier Geschäftsführer melden. Der Mindestbetrag liegt bei 25 Euro pro Monat.
www.volksbank-bigge-lenne.de