Wenn alle im Dorf mit anpacken, kann Großes entstehen

Das neue Dorfgemeinschaftshausin Huxel kann sich sehen lassen.

Das neue Dorfgemeinschaftshaus in Huxel

Text: Heike Schulte-Belke – Foto: Frank Gries

Wer in einem Dorf im Sauerland lebt, weiß, dass es immer etwas zu feiern, zu planen oder zu organisieren gibt. Doch was, wenn der vorhandende Dorfmittelpunkt eigentlich nur im Trockenen dazu einlädt, eine Veranstaltung ansteht und es regnet?

„So kann das nicht bleiben, in Huxel fehlt was!“ So kam es im Jahr 2012 zu den ersten Überlegungen, ein neues Dorfgemeinschaftshaus zu errichten. Gesagt, getan – in diesem Sommer konnte es nach fast genau zwei Jahren Bauzeit feierlich eingeweiht werden. Doch ganz so einfach war es nicht. Auch wenn die Planungen liefen, musste zuerst einmal die Finanzierung geklärt werden. Nachdem ein Landeszuschusses von 65 % bewilligt wurde und sich die Stadt als Besitzer und Bauherr des Projekts mit 30.000
Euro beteiligte, ging es an die Arbeit.

Die Baumaßnahmen in den verschiedenen Gewerken wurden fast ausschließlich (circa 90 %) von den Huxlern ehrenamtlich ausgeführt, etwa 3.500 Stunden Eigenleistung wurden dabei erbracht. Es wurden auch Aufträge an heimische Firmen vergeben, aber: „Wir haben das Glück, dass wir für fast alle anfallenden Arbeiten einen Fachmann im Dorf haben“, erklärt Oliver Wahl. Vom Maurer, Fliesenleger und Dachdecker ü̈ber Heizungs- und Sanitärinstallateur bis hin zum Schreiner, alles ging Hand in Hand. Die gemütliche Inneneinrichtung und ansprechende Ausstattung wurden ebenfalls in Eigenverantwortung geleistet. Das neue Dorfhaus hat eine freundliche Ausstrahlung und ist die Basis für alle Aktivitäten im Dorf – es gilt als Meilenstein für die Zukunft des Dorflebens.

Ob für Dorfversammlungen, als Vereinstreff, für Grill- oder Dorffeste sowie
Silvesterfeiern, für gemeinsame Fußballabende oder einfach nur als „Treffpunkt zum Quatschen“: Im Dorfhaus kommen alle Generationen zusammen. Von den Huxlern kann es auch für private Feiern genutzt werden, bis zu 80 Personen finden hier Platz. Und alles ist barrierefrei, sodass alle Altersgruppen Zugang haben. Ein großer öffentlicher Spiel- und Bolzplatz ist ebenfalls angeschlossen. Mittwochs und freitags, immer wenn draußen das Licht brennt, ist hier jeder willkommen, denn dann öffnet das Dorfhaus als eine Art Ehrenamtskneipe die Türen. Um Gewinn geht es dabei aber nicht, lediglich die Kosten sollen gedeckt werden. „Die Möglichkeiten zur Nutzung können wir erweitern, je nach Bedarf und Wünschen der Dorfgemeinschaft“, erläutert Oliver Wahl. Aber das muss wachsen.

Auch wenn man während des Baus gelernt hat, Kompromisse zu machen: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das ganze war nur mit viel Herzblut und Engagement möglich. „Aber auch die Stadt Schmallenberg hat sich für das Projekt ins Zeug gelegt“, freut sich der Vorstand des Fahnen und Heimatvereins. „Wir sind der Stadt dankbar, dass wir als Nutzer diesen Vertrag haben.“ „Mit festem Willen und einer Portion Optimismus kann
Großes entstehen“, sagte Oliver Wahl bei der Eröffnung. Denn der komplette Bau, von der Idee bis zur Eröffnung, sei „aus der Gemeinschaft geboren und für die Gemeinschaft gemacht“.

Nachruf
Als Kassierer des Fahnen- und Heimatvereins der Dorfgemeinschaft Huxel e.V. war Herbert Knoche neben Oliver Wahl als Motor und Hauptinitiator von der Idee bis zur Fertigstellung immer und mit Herzblut dabei. Kurz vor der offiziellen Einweihung verstarb er plötzlich und unerwartet im Alter von 62 Jahren. Nur einen Tag vor seinem Tod berichtete er noch voller Stolz über das Projekt, das sicher zu seinem Lebenswerk wurde. In seinem Sinne und in ehrenvoller Erinnerung wurde das Dorfhaus eröffnet und so manch einer wird beim Betreten an Herbert Knoche denken.