Heiko Volkert und Jörg Scherf zur Sauerlandrundfahrt und zum Spitzensport in der Heimat

Heiko Volkert (links) und Jörg Scherf (rechts) beim Interview auf den Kahlen Asten. (Foto: Heidi Bücker)

Ein Interview auf dem Kahlen Asten

Text: Paul Senske – Fotos: Heidi Bücker

Vision auf starkem Sauerländer Fundament
„Es ist erst die dritte Sauerlandrundfahrt, doch gefühlt ist die Rundfahrt deutlich älter“, sagen Heiko Volkert und Jörg Scherf. „Sie ist inzwischen etabliert und in der Region angekommen.“ Für Volkert und Scherf sind das Rennen am 22. September und die Deutsche Bergmeisterschaft der Junioren einen Tag vorher in Wenholthausen weitere wichtige Schritte des laufenden Zehn-Jahres-Plans, Spitzenradsport im Sauerland zu etablieren. Fernziel ist die Austragung der Rad-Weltmeisterschaft „um 2027 herum“. Es ist eine Vision, die mit Augenmaß, Schritt für Schritt und vor allem auf starkem Sauerländer Fundament realisiert werden soll.

Wir treffen Scherf und Volkert am Kahlen Asten, dem Zielort der diesjährigen Sauerlandrundfahrt p/b KROMBACHER o,0 %. Wenn die beiden Initiatoren und Manager der Rundfahrt und des Teams Sauerland/NRW p/b SKS GERMANY über Radsport und ihre Visionen fürs Sauerland sprechen, dann gehen ihre Herzen auf. Sie genießen einen exzellenten Ruf in der Radsportszene, national wie international. „Der Zehn-Jahres-Plan sieht nach der Sauerlandrundfahrt als nächsten fundamentalen Schritt die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft 2021 vor, der Antrag ist gestellt, die Ampeln stehen auf Grün, wir sind sehr
optimistisch“, sagt Volkert. „In den folgenden Jahren soll die Europameisterschaft oder eine Etappe der Deutschland- Tour folgen. Um 2027 herum, so unsere Vision, soll die WM der Höhepunkt des Plans sein, gemeinsam mit Partnern in NRW.“ Scherf wirft schon einen Blick auf die
Deutsche Meisterschaft 2021. „Sie findet eine Woche vor der Tour de France statt, die am 2. Juli in Kopenhagen startet. Dann dürften auch die deutschen Tour-Starter im Sauerland sein.“

Volkert und Scherf wissen, dass sie bei diesen ehrgeizigen, aber realistischen Zielen auch und besonders auf die Zusammenarbeit mit wichtigen Playern und Vorbildern in der Heimat angewiesen sind. „Die bekloppten Ideen kommen von uns, wir brauchen Partner zur Realisierung. Von großer Bedeutung ist die Zusammenarbeit mit Winterbergs Tourismusdirektor Michael Beckmann, also dem Tourismus“,
so Volkert, der ausdrücklich auch den Wintersport in Winterberg würdigt und als „Vorbild“ bezeichnet. „Die Winterberger wissen, wie man Weltcups und Weltmeisterschaften in der Bobbahn und auf der Snowboard-Piste
ausrichtet. Das Know-how wird hier gelebt, wir können davon lernen und lernen auch.“ Gespräche sollen auch mit Unternehmen in der Region geführt werden, unter anderem mit Sauerland Initiativ. „Wir müssen Unternehmen und Sportler gewinnen und damit die Region. Spitzenjobs
und Spitzensport: Es muss ein ganzheitlicher Ansatz sein.“

Große Hilfsbereitschaft bei Vereinen und in den Orten
Beim Blick auf die Rundfahrt am 22. September mit über 150 Kilometern von Neheim zum Kahlen Asten und erwarteten 150 bis 180 Teilnehmern bezeichnen die beiden Organisatoren die Strecke als „weitgehend identisch“ mit der im letzten Jahr. „Die Zieleinfahrt mit Kopfsteinpflaster
zum Schluss ist nicht so steil wie 2018 der Anstieg in der Bobbahn, dafür aber länger. Der Kahle Asten ist ein Wahrzeichen des Sauerlandes. Er ist bewusst gewählt worden.“ Rund 400 Helfer werden bei der vom RC Victoria Neheim ausgerichteten Rundfahrt im Einsatz sein. „Die Bereitschaft zu helfen ist da“, erklärt Scherf. „Wir hatten gedacht, es sei schwieriger, Helfer zu gewinnen. Die große Bereitschaft zeigt, dass die Rundfahrt bei den Vereinen und in den Orten angekommen ist. Auch freiwillige Helfer, wie zwei ehemalige Sauerländer, die jetzt in Gummersbach wohnen, haben sich gemeldet. Auf die Sauerländer ist Verlass. Das ist großer Bahnhof.“ Scherf und Volkert, die im Begleitfahrzeug den Tross der Radprofis begleiten, freuen sich schon auf die Orte, die durchfahren werden. „Ob Hirschberg, Calle, Meinkenbracht oder Visbeck, überall ist die Stimmung grandios. In den Orten wird gefeiert und angefeuert.“ Auch die Kooperation mit der Polizei sei sehr gut. „Alle Anforderungen auf hohem Standart sind machbar und werden erfüllt“, sagt Volkert. Zudem wird der Service verbessert. Ein professioneller Live-Stream informiert über das Geschehen, zwei Motorräder sind mit Kameras unterwegs.

Als Ritterschlag bezeichnen Volkert und Scherf die Tatsache, dass die diesjährige Rundfahrt gleichzeitig das finale Rennen der Radbundesliga ist. Sie freuen sich, dass Wenholthausen einen Tag zuvor mit einer starken Dorfgemeinschaft die Deutsche Bergmeisterschaft der Junioren stemmt. „Der Ort ist voll dabei.“ Ausrichtender Verein der Veranstaltung ist wie bei der Rundfahrt der RC Victoria Neheim, dessen Vorsitzender Scherf ist.

„Wir wollen bei der Rundfahrt was reißen.“
Natürlich kommt am Kahlen Asten das Gespräch auch auf das Team Sauerland/NRW, das die vierte Saison absolviert. „Mich macht es immer noch traurig, dass wir nicht für die Deutschland-Tour nominiert wurden. Es hat richtig genervt“, meint Scherf, der ehemalige Radprofi. „Vom Potenzial her hätten wir es wie im letzten Jahr schaffen können. Aber andere Teams waren beim Nominierungstermin einfach besser.“ Hoffnungsvoll stimmen aber die bisherigen Ergebnisse in der zweiten Saisonhälfte. „Der überzeugende Sieg in der Tagesmannschaftswertung beim Bundesliga-Rennen auf dem Nürburgring war sehr wichtig und zeigt unser Potenzial.“ Weitere positive Ergebnisse: Jonas Härtig führt in der Punkte- und Bergwertung, Per Christian Münstermann glänzte unter anderem beim Giro in Bochum, Johannes Hodapp belegte bei der Oder-Rundfahrt den zweiten Platz und wurde für die EM in Alkmaar
nominiert. Christoph Schweizer gewann am 9. August mit Schrittmacher André Dippel die Steher-DM in Bielefeld. Nicht vergessen werden darf die Japan-Rundfahrt im Mai mit acht Etappen, die sportlich und menschlich ein voller Erfolg fürs Team war. „Wir wollen bei der Rundfahrt in der Heimat mit unserer Mannschaft was reißen und natürlich auch in der Einzelwertung. Ziel sind vordere Plätze. Die Jungs sollen beim Heimrennen einen rauslassen.“

Insgesamt sehen Scherf und Volkert das Team auf einem guten Weg. „Unsere Philosophie ist, junge Talente auszubilden. Wir sind ein Nachwuchsteam und messen uns mit anderen Teams, die weiter sind, weil sie voll ausgebildete und ältere Fahrer in ihren Reihen haben“, erklärt Volkert. „Unsere Philosophie geht auf. Man wird gierig, mit unseren jungen Fahrern die etablierten zu schlagen. Wir müssen aber Geduld aufbringen.“ Wie bei den Rundfahrten soll das Team „Schritt für Schritt“ nach vorn gebracht werden. Als Nächstes soll der Sprung vom Continental zum Pro Team, also in die zweithöchste Kategorie, geschafft werden. Daran wird derzeit intensiv und mit Augenmaß gearbeitet.